Krizzli

Playlist: Krizzli

Foto: Guillaume Megevand/Red Bull Content Pool

Diese 5 Songs haben den musikalischen Querdenker aus der Schweiz maßgeblich beeinflusst.

Er sampelt den Klang von Toilettenbrillen und baut seinen Drumcomputer selbst. Der Schweizer Valentin Bersier, 27, alias Krizzli ist Elektronik­produzent, DJ und, wenn alles gut geht: Weltraumtechnologe.

Heute bastelt er in Lausanne dunkle Materie aus UK Bass Music, Grime und Techno. „Ich suche die rohe Energie in der Musik“, sagt Krizzli. Sein Karrierehöhepunkt: die Teilnahme an der Red Bull Music Academy 2014 in Tokio, als einziger Schweizer. Nun erscheint seine EP mit dem britischen Grime-MC DeeJillz. Uns verrät Krizzli, welche fünf Tracks seinen Musikstil in die richtigen Bahnen lenkten.

DJ Krizzli: "Verkehrslärm ist ein geiler Sound"

Ich liebe Lampenfieber. Die Ungewissheit, wie die Crowd auf meinen Mix reagieren wird ... und dann, wenn es läuft, der Moment, wenn du die Leute am Haken hast und sie ausflippen. Wow! Valentin Bersier alias Krizzli Hörproben soundcloud.com/krizzli Wie bringt man Leute zum Ausflippen? Mein Stil ist: brandneue Sachen aufzulegen.

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George Duke - „Shine on“ (1982)

George Duke ist meine früheste ­Erinnerung an die Musik meiner Kindheit. Meine Eltern und ich sind jedes Jahr mit dem Auto in den ­Urlaub nach Spanien gefahren. Alle zwei Stunden spielte mein Vater „Shine On“ – so wird ein Song schnell zur Hymne. Wenn ich den funky Hochtongesang heute höre, fahre ich in Gedanken auf den Autobahnen Südfrankreichs und sehe die trockenen Olivenbäume an mir vorbeiziehen.

© Youtube // TT V-rus 1138

System of a Down - „Chop Suey!“ (2001)

Der Song markiert meine Abkehr vom Jazz und Funk meiner Eltern. Im rebellischen Alter von 13 Jahren suchte ich meinen eigenen Stil. Ich war verrückt nach System of a Down, weil sie ihre Wut besonders musikalisch loswurden – stark rhythmisiert und melodisch zugleich wie in „Chop Suey!“. Als High-Energy-Kid war Hard Rock mein Ventil, Dampf abzulassen. ­Vermutlich klingt meine Musik heute deshalb so dunkel.

© Youtube // Sauber Null

Daft Punk - „Technologic“ (2005)

Als ich mit siebzehn eine Sprachschule in Berlin besuchte, habe ich im Schnee einen MP3-Player ge­funden. Er war voll elektronischer Musik – und Daft Punk. Songs wie „Technologic“ haben mich vom Hard Rock abgebracht. Seitdem weiß ich: Musik vom Computer hat wie Rock einen hohen Energie-Level, kanalisiert ihn aber in Samples, Synths, Drums. Der Fund des Players war eindeutig Karma – mein Walkman wurde geklaut.

© Youtube // Daft Punk

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Youandewan - „1988“ (2011)

Wann immer ich frustriert bin, höre ich diesen Song. Er macht mich zwar nicht glücklicher, aber ich vergesse, was mich beschäftigt hat. Sein progressives Storytelling schickt die Gedanken auf Reisen ins All: „1988“ wandert von Melancholie zu Abenteuerlust und endet in einem Weltraumflug bei Lichtgeschwindigkeit. Die melodiöse Produktion hat mich sehr beeinflusst, als ich meine ersten Electro-House-Beats machte.

© Youtube // MusicLoveSite

Mumdance & Logos - „Turrican 2“ (2013)

Easy Listening geht wohl anders. „Turrican 2“ hat mir das volle ­Potential von Bass Music eröffnet – und wie experimentell E-Musik sein kann: Wenig Instrumente, viel Raum für Stille, kein 4/4-Groove zum ­Tanzen, sondern Rhythmen zum Nachdenken. Seit ich diesen Track kenne, lasse ich meiner Musik mehr Luft zum Atmen. Und: Ich sample Dinge wie Straßenlärm, ­Videospiele und Waldgeräusche.

© Youtube // Emmanuel Ythier

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03 2017 The Red Bulletin

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