Moritz Bleibtreu im Interview zu "Lommbock"

Moritz Bleibtreu im Interview: „Du musst dich von sozialen Netzwerken distanzieren“

Foto: Getty Images / The Washington Post / Contributor
Interview: Rüdiger Sturm

Moritz Bleibtreu spricht im Interview mit The Red Bulletin über die Erfahrungen seiner neuen Filme „Lommbock“ und „Es war einmal in Deutschland“, den richtigen Umgang mit Internet-Trollen und den Grund, warum wir uns alle nicht verändern.

THE RED BULLETIN: Nach dem Hit „Lammbock“ lassen Sie jetzt 16 Jahre später die Fortsetzung „Lommbock“ folgen. Die war beim ersten Teil aber nicht geplant?

MORITZ BLEIBTREU: So etwas kannst du nicht planen. Keiner hat damit gerechnet, dass daraus Kult wird, oder wie immer man das nennen will. Wenn du dann eine Fortsetzung drehst, ist das natürlich geil. Es war auch alles gleich: der Spaß, der Spirit, die Freude auf den fertigen Film. Da musst du groß die Arme drum schließen und sagen ‚Dankeschön’.

Haben Sie beim Dreh Ihre persönliche Entwicklung seit dem ersten Film Revue passieren lassen?

Klar. Das ist ja der sentimentale Teilaspekt in so einer Situation. Aber ich habe mich nicht wirklich verändert. Das gilt, glaube ich, für alle Menschen im Großen und Ganzen. Sicher legen wir die eine schlechte Eigenschaft ab und holen uns eine neue schlechte oder gute dazu und haben eine neue Sicht aufs Leben und werden unter Umständen besser in dem, was wir tun. Aber die Essenz bleibt die gleiche. Wenn sich Menschen verändern, dann tun sie das im jungen Alter durch äußere Einflüsse – wie irgendwelche Verrückten, die dann nach Syrien fahren.

„Lommbock“ - ab 23. März im Kino

© YouTube // KinoCheck

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Ihre Figur in „Lommbock“ versucht sich ja bei der jungen Generation anzubiedern. Können Sie verstehen, wie die Kids von heute ticken?

Ich glaube schon, dass ich noch den Daumen ganz gut auf dem drauf habe, was Jugendliche so denken. Natürlich habe ich meinen eigenen Geschmack, aber das war mit 16,17 nicht anders. Ich hatte keine Ahnung, welche Musik ein Heavy-Metal-Fan hört. Aber ich wusste, was der hotteste neue Joint war. Und das weiß ich heute auch. 

Zur modernen Kultur gehören soziale Netzwerke. Nehmen Sie an denen teil?

Ja, weil das sonst andere in meinem Namen tun. Und es macht keinen Spaß, das immer auszuradieren. Das für mich ein Marketing-Tool, das ich kontrollieren muss - da bin ich ganz ehrlich. Aber auch wenn das Spaß macht und nützlich sein kann, so weiß ich doch, dass das nicht echt ist.

Morgen wirds lustig in #köln! #lommbock #23032017

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Wenn ein Internet-Troll gegen Sie pöbelt – ist das auch nicht echt?

Ich sage mir jedenfalls, dass das nur virtuell ist, und so kann ich mich nicht großartig angegriffen fühlen. Denn das ist das Problem bei Kommentarfunktionen: Da kann einer negative Emotionen rauslassen, ohne dass er dafür einstehen muss. Wenn ich Sie auf der Straße beschimpfe, dann kann ich das nur, wenn ich weiß, dass ich Eier in der Hose habe. Das muss ich im Internet nicht. Das ist das Gemeine. Auf der einen Seite der Leitung sitzt einer, der kann das ganz ruhig machen und sich ins Fäustchen lachen, der andere fühlt sich aber genauso angegriffen, als wie wenn er das auf der Straße hört. Das ist gefährlich und blöd, aber auch der Grund, es nicht ernst zu nehmen. 

#focus

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Aber wenn es gefährlich ist, dann müsste man es doch ernst nehmen.

Die Sache ist die: Wenn wir hier am Tisch sitzen und reden, dann kann ich auf etwas, was Sie sagen, direkt reagieren und klären, wie das zu verstehen ist. Aber das Internet ist kein Kommunikations- sondern ein Publikationsmedium, weil man keine Missverständnisse ausräumen kann. Jeder nimmt Haltung ein, und schon haben wir die Vorstufe zur Schlägerei. Die einzige Lösung ist eben, sich geistig davon zu distanzieren. Und wenn eines Tages jemand den Stecker bei diesen Netzwerken rauszieht, dann kann ich bloß darüber lächeln.

Und was bringt Sie zum Lachen? – In „Es war einmal in Deutschland“, der Anfang April in die Kinos kommt, spielen Sie ja einen Witz-Experten …

Hier geht es stark um jüdischen Humor, der davon geprägt ist, dass einem das Wasser bis zum Hals steht und es unheimlich lustig findet, dass man noch eine trockene Nasenspitze hat. Und diese Art von Humor mag ich sehr: Du bist am Arsch, aber bei dir geht immer noch ein Mundwinkel nach oben.

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03 2017 The Red Bulletin

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