"Poldark"-Star Heida Reed im Interview

Heida Reed über Nacktheit, „Poldark“ und den Zauber von Island

Interview: Holger Potye
Foto: Getty Images

The Red Bulletin traf die isländische Schönheit Heida Reed beim TV Festival in Monte Carlo und sprach mit ihr über ihre kontroverse Rolle in „Poldark“ und die Mühsal, ein Korsett zu tragen.

THE RED BULLETIN: Wie würden Sie ihren TV-Charakter Elizabeth beschreiben? 

HEIDA REED: Sie ist ein Produkt ihrer Zeit und wurde in eine Gesellschaft hineingeboren, in der Frauen von einem bestimmten Rollenbild geprägt sind. Sie denkt nicht außerhalb des üblichen Rahmens. Sie glaubt, dass die gesellschaftlichen Vorgaben der Zeit das Einzige sind, was zählt. Das bringt sie dazu, die Entscheidungen zu treffen, die sie trifft.

Eine dieser Entscheidungen war, nicht auf ihre große Liebe Ross Poldark zu warten.

(Lacht.) Ich versuche immer wieder, den Leuten zu erklären: Elizabeth glaubte, dass Ross tot ist! Ich denke, sie hatte die Hoffnung aufgegeben. Allerdings muss ich zugeben, dass Ross zurückgekehrt ist, bevor sie heiratet. Sie hätte also noch Zeit gehabt, ihre Meinung zu ändern. Aber das hat sie nicht, und nun muss sie mit ihrer Entscheidung leben. Das sagt viel über ihre Persönlichkeit aus.

© YouTube // BBC

Es gab einen ziemlichen Wirbel auf Twitter, als ihr Charakter in der Serie Ross Poldark (gespielt von Aidan Turner) das Herz gebrochen hat.
 
Nun, es muss halt auch einen Bösewicht geben. Wobei ich selbst Elizabeth nicht für böse halte. Aber in einer TV-Serie braucht man eben Drama. Es muss jemanden geben, dem das Publikum es wünscht, dass er oder sie glücklich mit seinem oder ihrem Partner wird. Und jemanden, dem das nicht vergönnt wird.

Wie gehen Sie mit negativen Kommentaren über ihre Person oder ihre Rolle auf Twitter um? Tut das manchmal auch weh?

So lange die Leute mit Leidenschaft über die Serie twittern, finde ich es gut und ok. Ich hatte bis jetzt noch nie das Gefühl, dass ich auch persönlich verbal angegriffen wurde. Ich habe die Rolle von Elizabeth nicht angenommen, um von allen geliebt zu werden.

Hi Monte Carlo! #ftv16 @festivaltvmc 📸 @samritz #poldark

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Es gibt da einen interessanten Aspekt bei „Poldark“. Statt einer weiblichen sexuellen Objektifizierung - wie man sie aus vielen Serien kennt - kommt es zu einer männlichen. Die Szenen mit Aidan (Turner) mit freiem Oberkörper werden regelrecht zelebriert. Er präsentiert der Fangemeinde sein perfektes Six-Pack. Es scheint so, als wäre „Poldark“ der Gegenpart zu „Game of Thrones“, wo viel weibliche Nacktheit gezeigt wird.

Ich glaube nicht, dass es bei „Game of Thrones“ unbedingt umgekehrt ist. Meiner Meinung nach werden Männer in der Serie ebenfalls oft objektifiziert. Aber es gibt unglaublich viele weibliche Nacktszenen. Da stimme ich ihnen zu. Ich denke, sexuelle Objektifizierung an sich - egal ob bei Frauen oder Männern - ist nicht gut. Vielleicht sieht es so aus, als würde Aidan mehr nackte Haut zeigen müssen als die Frauen in der Serie. Aber ich mag diese Denkweise nicht, dieses „Oh, in der Vergangenheit wurden stets die Frauen in Serien zu Lustobjekten degradiert. Jetzt sind die Männer dran.“ Ich finde das Publikum sollte wegen der Geschichte, die erzählt wird, zusehen. Und nicht wegen einiger stylisch in Szene gesetzter Nacktszenen.

Sie kommen aus Island. Ihre Fußballmannschaft hat bei der EM 2016 in Frankreich beeindruckt gespielt. Es fühlte sich an, als hätten sie ein bisschen echte Magie aus dem hohen Norden zum Tournament gebracht.

Die Spiele waren unglaublich aufregend und unsere Burschen haben so hart und tapfer gekämpft. Unser Auftreten bei der EM war auf jeden Fall ein großer Gewinn für Island.

„Ich finde das Publikum sollte wegen der Geschichte, die erzählt wird, zusehen - nicht wegen der Nacktszenen“

Ist es schwer für Sie, sich in England zuhause zu fühlen. Sie wurden in Island geboren und sind auch dort aufgewachsen. Gibt es da einen Culture Clash?

Island ist stark von der skandinavischen Kultur geprägt und in gewissen Bereichen auch von der amerikanischen. England hingegen ist sehr eigenständig und traditionell. Ich lebe seit mittlerweile zehn Jahren in England und habe hier auch meine Schauspielausbildung absolviert. England fühlt sich also auch schon wie ein Zuhause für mich an. Ich fühle mich da und dort wohl.

Wie würden Sie die Beziehung von Elizabeth zu Demelza beschreiben? Sind Sie Rivalinnen, die eines Tages zu Freunden werden könnten?

Ich denke, ihre Beziehung entwickelt sich über die Jahre weiter. In der ersten Staffel haben wir gesehen, dass beide eigentlich gute und noble Frauen sind. Und ich denke, ihnen ist klar, dass der freundliche Umgang miteinander mehr bringt, als sich gegenseitig Steine in den Weg zu legen. Ich würde sagen, ihre Beziehung basiert auf Respekt und Freundschaft - zumindest in der ersten Staffel. Es wird allerdings ein bisschen komplizierter - so viel kann ich schon verraten. Aber im Grunde ihres Herzens sind sie gute Menschen. Sie erkennen die guten Seiten an der jeweils anderen, aber auch die Bedrohung, die von ihr ausgeht.

Happy Birthday from team #Poldark to the gifted

Happy Birthday from team #Poldark to the gifted & gorgeous Heida Reed! We can't wait to show you more of her in Poldark S2 later this year!

Glauben Sie, dass Elizabeth immer auf Demelza eifersüchtig sein wird? 

„Die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Ich habe mich aber nicht verändert“

Ich denke, ein Teil von Elizabeth kann nicht anders. Ein Teil von ihr wird wohl immer das Herz von Ross Poldark besitzen wollen. Demelza wird also immer eine Bedrohung für sie sein, selbst wenn sie sie eigentlich mag. Wahrscheinlich wünscht sich Elizabeth, dass sie nicht so fühlen würde, aber sie tut es.

Haben Sie mit dem Erfolg der Serie gerechnet? „Poldark“ wird als das neue „Downton Abbey“ gefeiert.

Die Reaktionen des Publikums waren überwältigend. Natürlich wünscht man sich immer Teil eines TV-Phänomens zu sein. Und wenn es dann passiert, ist es einfach nur wundervoll.

Hat sich ihr Leben seit „Poldark“ verändert?

Auf gewisse Weise, ja. Auf gewisse Weise auch wieder nicht. Ich glaube nicht, dass ich mich verändert habe. Die Welt um mich herum hat sich aber sehr wohl verändert. Aber mein Alltag hat sich nicht verändert.

Mussten Sie viel über die Gepflogenheiten und gesellschaftlichen Regeln des 18. und 19. Jahrhunderts recherchieren, um sich auf ihre Rolle vorzubereiten?

Ja, und ich habe es genossen! Ich durfte zum Beispiel auch Harfe-Spielen lernen. 

Was war die größte Herausforderung am Set für Sie?

Mein Korsett. Es zu tragen war wirklich hart und beschwerlich. Sie sollten es einmal ausprobieren!

Mussten Sie eine Diät machen, um ins Korsett zu passen?

(Lacht.) Nein, sie zwängen dich da einfach rein. Aber es ist keine gute Idee, viel zum Frühstück zu essen. Es gibt nämlich keinen Platz, wo es hinkönnte, sobald du in einem Korsett steckst. Es steckt einfach fest. Und du hast keine Chance, das Gegessene weiterzuverdauen. Es ist also clever, an Korsett-Drehtagen auf eine Suppe oder einen Smoothie als Frühstück zu setzen. Aber eines kann ich ihnen verraten: Wenn man dich wieder aus dem Korsett befreit, ist es das tollste Gefühl deines Lebens.

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09 2016 The Red Bulletin

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