"Trainspotting"-Regisseur Danny Boyle im Interview

„Trainspotting“-Regisseur Danny Boyle und die Gefahr des Erfolgs

Text: Rüdiger Sturm
Foto: Getty Images

Filmemacher Danny Boyle spricht im Interview mit The Red Bulletin über die Fortsetzung von „Trainspotting“ und verrät seine Regeln, um auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben, wenn du großen Erfolg hast.

THE RED BULLETIN: Sie meinten einmal, dass einen zu viel Erfolg dumm macht. 

DANNY BOYLE: Erfolg ist eine schrecklich Sache – und gefährlich. Du wirst ständig hofiert, jeder macht ein großes Getue um dich, man stößt alle anderen für dich zur Seite. Und solche Erfahrungen stoppen dich in deiner Entwicklung. Deshalb musst du versuchen, das so gut wie möglich zu ignorieren. Das ist nicht einfach, wir alle sind menschlich, aber du musst dir klar sein, dass nichts Gutes daraus kommt.

Wirklich?

Erfolg fördert dein Selbstvertrauen, und das kann dich zerstören. Denn wenn du mit einem Projekt beginnst, ist es besser, mal unsicher zu sein und deine innere Gewissheit so langsam aufzubauen. Du solltest nicht genau wissen, was du tust und das alles Schritt für Schritt finden. Das ist Teil der Reise. Bei selbstbewussten Menschen kommt es oft vor, dass sie schlechte Filme machen.

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Also ist Ihnen Misserfolg lieber?

Oh nein. Der ist grauenhaft.

Aber der erste „Trainspotting“ war enorm erfolgreich. Wie gingen Sie damit um, als Sie jetzt den zweiten Teil drehten?

Ich bin mit der gleichen Einstellung an die Sache herangegangen. Irvine Welsh, der Autor der Romanvorlage. hatte anch dem Erfolg des ersten Films schnell eine Fortsetzung geschrieben – „Porno“, wir entwickelten dazu eine Drehbuchadaption, aber die war nicht gut genug. Deshalb legten wir das Ganze auf Eis, bis wir vor ein paar Jahren einen ganz neuen, persönlichen Ansatz fanden. Unsere Haltung war: ‚Lass uns nicht davon ausgehen, dass das gut wird, bloß weil wir das schon mal gemacht haben.’ Wir nahmen dafür auch nicht viel Geld, obwohl wir dafür ein großes Budget hätten kriegen können.

In Deutschland und der Schweiz läuft „T2: Trainspotting“ bereits im Kino. In Österreich ist am 10.3. Filmstart.

© Youtube // New Trailer Buzz

Wieso das?

Weil dann die Leute Forderungen stellen. Wenn du einen Film drehst, der weniger als 20 Millionen Dollar kostet, dann lässt man dich in der Regel dein Ding machen. Und du bleibst auf dem Boden der Tatsachen. Das habe ich auch den Schauspielern vermittelt. Jeder bekam vorher die gleiche Summe, und nur wenn der Film erfolgreich ist, gibt es einen Bonus hinterher.

„Ich hänge nirgendwo ab, wo mir die Leute erzählen, wie toll ich bin.“
Danny Boyle

Berlinale on Twitter

DannyBoyle returns at the #Berlinale after 17 years! It was THE BEACH back then, and it is @T2Trainspotting today.

Jetzt sind wir schon wieder beim Erfolg angekommen. Sind Sie wirklich sicher, dass Sie auf dem Teppich bleiben?

Auf jeden Fall. Schon allein weil ich Kinder habe, die mich ständig kritisieren und mich erinnern, dass ich alt werde. Das hilft sehr. Ich hänge nirgendwo ab, wo mir die Leute erzählen, wie toll ich bin. Im übrigen hilft es auch, in Schottland zu arbeiten wie bei „Trainspotting“. Wenn du dir dort deinen Erfolg raushängen lässt, dann killen dich die Leute mit Humor.

Wenn Sie Erfolg so kritisch sehen, sind Sie auch jemand, der Dinge bereut?

Nicht in dem Sinne, dass ich verpassten Gelegenheiten hinterherweine. Aber es gibt Fehler, die ich bedaure. Zum Beispiel, dass ich damals Ewan McGregor nicht die Hauptrolle in „The Beach“ gab, obwohl ich vorher einen Film nach dem anderen mit ihm gedreht hatte. Ich bin eben auch ein Sturkopf. Das ist eine Eigenschaft, die du als Filmregisseur brauchst. Aber wir haben uns wieder ausgesöhnt – dank seiner Großzügigkeit – und seither kommen wir wunderbar miteinander klar. Aber in der Zeit habe ich ihn ganz schön vermisst.

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02 2017 The Red Bulletin

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