Urbex Abenteuer "Homo Sapiens" - Urban Exploring

Urbex-Abenteuer: Eine Welt ohne Menschen

Interview: Holger Potye
Foto: NGF-Film

In seinem neuen Film Homo Sapiens taucht Regisseur Niki Geyrhalter in die Urban-Explorer-Szene ein und zeigt faszinierende Bilder von Orten, die sich die Natur zurückerobert hat.

Die Urban Explorer-Szene, kurz Urbex genannt, erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Dabei geht es oft darum, Orte mit der Kamera festzuhalten, die verlassen und von der Natur zurückerobert wurden und so ihre eigene Mystik entwickelt haben. Der österreichische Regisseur Niki Geyrhalter hat den Dokumentarfilm Homo Sapiens“ zu eben diesem Thema gedreht.

Getreu dem Urbex-Credo „Take nothing but pictures, leave nothing but footprints“ fing er atemberaubende Bilder aus einer Welt ohne Menschen ein. Hier sind einige Kostproben mit Kommentaren des Regisseurs.

 

Der Urbex-Dokumentarfilm „Homo Sapiens“ läuft seit 3. November im Kino.

© YouTube // Geyrhalterfilm

„Ich wollte, dass der Film eine Welt ohne Menschen präsentiert. Durch die Orte, die wir zeigen, halten wir eine Rückschau auf die Menschheit, die nicht immer alles richtig gemacht hat. Es finden sich in den Bildern Verweise auf Schlachthöfe, Kriegsführung, Konsum und Freizeitgestaltung.“ 

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Geyrhofer suchte für seine Doku Locations, die davon explizit erzählen. „Die Kunst dabei war, Orte zu finden, die noch nicht zu kaputt waren, die noch nicht ganz eingeschlagen und voller Graffiti waren. Orte, die noch ein Leben in sich hatten und trotzdem schon von der Natur zurückgeholt worden waren. Die Natur ist ein großes Thema im Film. Es ging weniger um die menschliche Zerstörung, als vielmehr darum, was passiert, wenn so ein Gebäude der Natur überlassen wird.“

„Es ging immer darum, dass die Orte noch eine Seele haben mussten. Sie mussten zu einem sprechen und sich selbst erklären können. Wenn du eine verfallene Schule betrittst, muss dort alles noch herumstehen. Du musst das Gefühl haben, dass sie vor nicht allzu langer Zeit noch in Betrieb war. Wenn die Schule leergeräumt ist, und die Fensterscheiben alle zerschlagen wurden, ist die Seele auch weg“, erklärt der Regisseur.

Insgesamt hat er mit seinem Team vier Jahre an Homo Sapiens“ gearbeitet. Die Produktion führte ihn nach Europa, Japan, Argentinien und die USA.

Homo Sapiens Kirche

Urbex-Fotografen geben ihre Locations normalerweise nicht preis. Die Kirche auf dem Bild ist etwa eine Autostunde von Detroit entfernt. Mehr wollte Niki Geyrhalter nicht verraten.

URBEX: Enter At Your Own Risk | NEW SERIES AVAILABLE NOW

A group of urban explorers risk life and limb to get inside, above, and around some of the most forbidden places on Earth. As they navigate bridges, skyscrapers, and other off-limits structures, every venture through the city could be their last.

„Die Kirche ist ein bekannter Ort in der Urbex-Szene. Wir haben sie geometrisch korrekt fotografiert. Wenn der Ort eine Symmetrie vorgibt, dann muss die Kamera genau in der Mitte dieser Symmetrie stehen - sowohl horizontal als auch vertikal. Das geht bei hohen Orten meist nicht. Aber wenn man sich anstrengt, und auch schon mal fünf Tische übereinander stellt, dann bekommt man, was man will. Gleichzeitig hat man so eine Art göttlichen Überblick. Man wird sprichwörtlich auf eine andere Ebene gehoben. Deshalb haben wir viele Orte aus erhöhten Positionen fotografiert“, erklärt Geyrhalter. 

Homo Sapiens Rollercoaster

Persönlicher Favorit des Regisseurs war übrigens die Achterbahn oben im Bild.

„Rückwirkend war der Rollercoaster im Wasser in den USA mein Lieblingsort. Ein Hurrikan hatte ihn vom Pier ins Meer geblasen. Kurz nachdem wir ihn gedreht haben, ist er auch schon abgerissen worden“, erklärt Geyrhalter. 

Das zeigt, wie zeitkritisch die Arbeit an einem Urbex-Projekt ist. Für manche Locations, wie etwa ein Dinosauriermuseum in Japan, war man schlicht zu spät dran. Als das Drehteam ankam, fand man keine Dinos mehr, sondern lediglich noch die frischen Bagger-Spuren des Abrisskommandos.

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11 2016 The Red Bulletin

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