VeniCraft

Top-Gamer Venicraft im Interview:
„Tu, was für dich das Richtige ist“

Foto: Martina Draper
Text: Alexander Amon

VeniCraft spielt. Und bis zu 70.000 Leute sehen zu. Täglich. Der 19-Jährige wurde Österreichs Top-Gamer, weil er alles auf eine Karte setzte.

Eigentlich hätte ­Rafael, 19, in diesem Frühjahr die HTL-Matura ablegen sollen. Doch wenige Monate davor beendete er seine Schul-Karriere und wurde der professionelle Gamer VeniCraft. 370.000 YouTube-Fans – kein Österreicher hat im Branded Entertainment mehr – geben ihm ebenso recht wie Verträge mit Telekom-Unternehmen und Agenturen.

THE RED BULLETIN: Du warst sicher nicht der einzige Jugendliche, der seine Zeit lieber mit Games und YouTube verbrachte als mit Hausaufgaben. Aber die wenigsten steigen kurz vor der Matura aus. Was gab bei dir den Ausschlag?

VENICRAFT: Ich wusste schon länger, dass Gaming und YouTube das ist, was ich wirklich kann. Und die Frage, wozu ich jeden Tag acht Stunden in der Schule verbringe, wurde einfach immer massiver. Damit ich nachher einen Job kriege, in dem ich täglich im Büro sitze, der mir keinen Spaß macht und den ich nicht wirklich gut kann? 

Deine Eltern waren sicher begeistert von der Idee, die Schule zu schmeißen und Profi-Gamer zu werden.

Es war gar nicht so schlimm. Natürlich hätten sie sich gewünscht, dass ich die Schule abschließe. Aber als sie sahen, dass ich genau weiß, was ich will, haben sie mich hundertprozentig unterstützt.

© Youtube // VeniCraft

Und du wusstest wirklich genau, was du wolltest?

Ja, total. Ich hatte ein klares Ziel vor Augen. Einen Master­plan. Und den habe ich konsequent verfolgt. 

In nur einem Jahr hast du es vom Schulabbrecher zu Österreichs populärstem Gamer und Unternehmer geschafft. Deine größte Erkenntnis in diesem Jahr?

Du musst nicht immer das tun, was die Gesellschaft von dir erwartet. Wenn du überzeugt bist, dass etwas für dich das Richtige ist, dann tu es. Du brauchst nur Leidenschaft und Ehrgeiz, dich immer weiterzuentwickeln. Und du musst bereit sein, zu arbeiten.

© Youtube // ItsManuPlays

Was du tust, sieht aber nicht wirklich nach Arbeit aus.

Oft glauben die Leute, ich lasse mich einfach beim Computerspielen beobachten. Doch dass für eine Stunde Spielvideo ein Vielfaches an Zeit für Schnitt und Social-Media-Arbeit anfällt, bedenken die wenigsten. Ich arbeite zehn Stunden täglich, sieben Tage die Woche.

Hast du Angst, dass der Traum platzen könnte?

Immer wieder. YouTube, Instagram, Twitch sind so schnelllebige Kanäle. Wer heute in ist, kann morgen vergessen sein. Ein Gedanke, mit dem du immer ins Bett gehst.

Ist das nicht sehr belastend?

Das darf es nicht sein. Wenn es morgen vorbei wäre … tja, dann war es eine gute Zeit. 

Klingt abgebrüht …

… realistisch. Du nimmst allein auf deinem Weg so viel Erfahrung mit, die dich im Leben weiterbringt – egal wie’s weitergeht.

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10 2016 The Red Bulletin

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