Hollywoods neue Western

Modern und episch: Wie Hollywood den Western neu erfunden hat

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Es gab einen Zeitpunkt, da hatte der Western made in USA an Strahlkraft verloren. Doch mit den 90ern kamen Filme, die das Genre neu belebten. So ging es weiter bis heute: An diesen Werken kommt kein Western-Fan vorbei.

Es ist eines der liebsten Kinder der Filmindustrie: der gute alte Western. Doch was, wenn alle Geschichten erzählt, alle Helden dargestellt und alle Genre-Konventionen ausgelotet sind? Die Filme über Cowboys, Indianer, Helden und Desperados waren in die Jahre gekommen. Haudegen wie John Wayne schienen plötzlich einer anderen, längst verlorenen Epoche anzugehören.

Ende der 60er war es Sam Peckinpah, der mit „The Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz“ den Western-Mythos endgültig zur Strecke brachte. Eine korrupte Gesellschaft, die die Helden zur Flucht in den Tod zwingt – sieht so ein positives Nationalepos aus?

Doch Hollywood wäre nicht die Traumfabrik, die sich immer wieder neu erfindet, hätte es nicht auch in diesem Fall ein Ass im Ärmel. Ein gewisser Clint Eastwood sorgte Anfang der 90er dafür, dass der Western mit einem Paukenschlag ins Rampenlicht zurückkehrte. Ihm folgten eine ganze Reihe moderner Produktionen, die den Wild-West-Mythos nicht auf die alte Art fortschrieben, sondern dem Genre neue Wege und Möglichkeiten eröffneten.

Erbarmungslos (1992)

Ein Gesetzesbrecher lässt vorübergehend seine Familie hinter sich, um einen Prostituierten-Mörder zur Strecke zu bringen. Ein Plan, den ein unbeugsamer Sheriff unbedingt verhindern will. Clint Eastwoods Spätwestern zeichnet eine düstere, kalte Welt und wird mit vier Oscars ausgezeichnet.

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Dead Man (1995)

Auf seinem Weg durch den Wilden Westen wird ein Greenhorn mit Nickelbrille schwer verletzt. Ein ausgestoßener Indianer rettet und begleitet fortan den von Johnny Depp gespielten Blake, weil er ihn für den gleichnamigen Schriftsteller hält. Jim Jarmuschs Western bricht mit so gut wie allen Regeln des Genres – und brilliert als komisch-tragischer Kommentar zur US-amerikanischen Kultur und Zivilisation.

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Brokeback Mountain (2006)

Zwei Cowboys verlieben sich Anfang der 60er Jahre. Die herrschenden Moralvorstellungen verhindern eine Beziehung, beide gründen Familien. Über Jahre treffen sie sich weiter im Geheimen, bis einer der beiden einen letzten verzweifelten Versuch unternimmt. Regisseur Ang Lee erzählt eine tragische Story in heftig schönen Bildern und erschafft ein intimes Porträt, das unter die Haut geht.

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True Grit (2010)

Um den Mord an ihrem Vater zu rächen, engagiert eine 14-Jährige einen versoffenen US-Marshall. Der nimmt sie nur äußerst widerwillig mit auf die Jagd. Unterdessen hat es auch ein Kopfgeldjäger auf den Flüchtigen abgesehen. Western-Hommage und Rachegeschichte der Coen-Brüder mit dichter Atmosphäre und gewaltigen Bildern.

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Django Unchained (2012) 

Der Sklave Django kommt frei, als Gegenleistung hilft er dem Kopfgeldjäger Dr. King Schultz, drei Verbrecher zu stellen. Die beiden arbeiten bestens zusammen und irgendwann bittet Django Schultz um Hilfe, seine Frau zu finden und zu befreien. Sie geraten auf eine Plantage, von der sie schließlich fliehen müssen. Quentin Tarantino beweist einmal mehr seine Liebe zu Italo-Western und schrägen Genre-Mixes – und bietet neben Stars wie Christoph Waltz, Jamie Foxx, Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson ein furioses Finale.

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07 2016 The Red Bulletin

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