Ein künstliches Blatt könnte die Welt retten

Wunderding „Bionic Leaf“ - Das künstliche Blatt, das Nahrung und Treibstoff produziert

Foto: Pixabay/francok35

Aus dem Nichts Nahrung und Treibstoff erschaffen und dabei noch die Umwelt retten? Klingt fast zu gut, um wahr zu sein, was das „Bionic Leaf“ verspricht.

„Tee, Earl Grey, heiß“, hieß es ein ums andere Mal aus dem Mund von Jean-Luc Picard, wenn sich der Captain des Raumschiffes Enterprise von einem Replikator sein Lieblingsgetränk aus dem Nichts herbeizaubern ließ. Bisher hat die Wissenschaft ein solches Wunderwerk der Technik noch nicht in die Realität umgesetzt. Doch sie befindet sich auf dem besten Weg dorthin.

Ein erster kleiner Schritt ist das Bionic Leaf. Dieses Konzept der künstlichen Photosynthese präsentierten Daniel Nocera, Professor für Energiewissenschaft der Harvard Universität, und sein Team der Welt im vergangenen Jahr.

Bei natürlicher Photosynthese nutzen Pflanzen das Sonnenlicht und Wasser, um Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff und Glucose umzuwandeln. Mit dem Bionic Leaf kopierte Nocera diesen Prozess, gestaltete diesen noch wirkungsvoller und stellte energiereichen, flüssigen Treibstoff her.

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Dafür benutzte er ebenfalls Wasser, rein gasförmiges CO2 und Sonnenlicht. Zusätzlich setzte er ein Bakterium namens Ralstonia ein, welches aus einem Teil des Wassers Biomasse, wie eben Treibstoff, produzierte. Laut den Forschern, die ihre Ergebnisse im Magazin Science veröffentlichten, ist diese Methode effizienter als natürliche Photosynthese.

© Youtube // Harvard University

Entwicklung eines Open Source Kits

Ein Professor der University of Washington hat dieses Konzept nun weiter vorangetrieben, wie Geek Wire berichtet. Mark Minie plant die Entwicklung eines „Bionic Leaf Bioreactor Development Kits“ – einer Art Open-Source-Baukasten. Das bedeutet, dass dieses Set jedem Interessierten zugänglich sein soll und dass jeder damit in der Lage wäre, das Bionic Leaf selbst weiterzuentwickeln.

Mit diesem soll aus der Luft gewonnenes CO2 in Treibstoff und Nahrung umgewandelt werden. Oder wie Professor Minie es beschreibt: „Diese Technik könnte verwendet werden, um den umgebenden Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre der Erde zu reduzieren und daraus nützliche Materialien und Produkte herstellen.“ Klingt nach einem Projekt, das gleich mehrere Probleme der Menschheit lösen könnte.

So funktioniert das Bionic Leaf

© SoundBioLab

Das Amazon-Catalyst-Programm unterstützt Minies Vision mit Forschungsgeldern in Höhe von 100.000 US-Dollar. Bei dem Programm handelt es sich um eine Kooperation zwischen dem in Seattle sesshaften Konzern und der dort beheimateten University of Washington. Die Partnerschaft verfolgt das Ziel, richtungsweisende Projekte und Ideen von Studenten, Fakultäten und Mitarbeitern der Unis in Seattle, Bothell und Tacoma zu unterstützen; verbunden mit der Hoffnung, dass diese Ideen aktuelle Probleme lösen und einen positiven Einfluss auf die Erde haben könnten.

Zunächst wird Professor Minie zusammen mit seiner Biospherics-Arbeitsgruppe und dem SoundBioLab in Seattle an der Entwicklung eines eigenen Bionic Leaf arbeiten. Die dabei entstehende Nahrung soll als Fischfutter genutzt, das produzierte Methan als möglicher Treibstoff gelagert werden. 

Anschließend möchte der Forscher den Baukasten, dessen Inhalt bisher noch unbekannt ist, produzieren, damit andere Anwender wie Studenten und Wissenschaftler in der Lage sind, ihr eigenes Bionic Leaf herzustellen und das Projekt weiter voranzutreiben.

Das ehrgeizige Ziel: Professor Minie hofft, dass seine Baukästen eine vergleichbare Begeisterung hervorrufen, wie ähnliche Sets für Computer in den 1980er Jahren.

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04 2017 THE RED BULLETIN INNOVATOR

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