Schwedisches Unternehmen implantiert Mitarbeitern Chips

Das geht unter die Haut: Chip-Implantat statt Geldbörse und Schlüssel

Foto: Instagram/miladcaspian

Die Vernetzung von Mensch und Maschine wird Realität: Ein schwedisches Unternehmen implantiert ihren Mitarbeitern etwa einen Türöffner in die Hand, mit dem sie auch ihren Kaffee bezahlen können.

Was in Science-Fiction-Filmen zur üblichen Ausstattung gehört, wünschen sich Technologie-Begeisterte schon lange für den alltäglichen Gebrauch. Wäre es nicht praktisch, mit einem einfachen Wink Türen zu öffnen, Einkäufe zu bezahlen oder Kontaktdaten zu teilen?  

NFC-Chips sind ein erster Schritt auf dem Weg zum Cyborg, einem Mischwesen aus Maschine und lebendigem Organismus. Diese kleinen Datenträger nutzen sogenannte Nahfeldkopplung („Near Field Communication“). Ihre Technologie überträgt Daten kontaktlos über kurze Entfernungen.

Solche Chips finden sich schon seit geraumer Zeit in Kunden- oder Bankkarten. Doch nun wandern sie auch vermehrt unter die Haut.

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Vorreiter in dieser Angelegenheit ist Schweden. Genauer gesagt das Epicenter, eine Innovations- und Startup-Schmiede in Stockholm. Mitarbeiter können sich dort Mikrochips in der Größe eines Reiskorns unter die Haut implantieren lassen. Damit öffnen sie dann Türen oder bezahlen Smoothies und Kaffee in der Cafeteria. Das Implantat ist natürlich freiwillig.

Pionier Hannes Sjoblad

Einer der Ersten, der sich der Prozedur unterzog, war Hannes Sjoblad. Dieser arbeitet als Eventmanager für das Startup-Center. Seit 2014 trägt Sjoblad den Multifunktionschip unter der Haut. Seine Kollegen im Epicenter zogen 2015 nach, seitdem veranstaltet das Center regelmäßig Implantierpartys.

Sjoblad ist ein großer Fürsprecher der Chips. „Ich nutze mein Implantat täglich viele Male: Wenn ich ins Büro gehe, wenn ich verschiedene Konferenzräume betrete, einen Kopierer benutze oder bestimmte Schließfächer öffne“, sagte er dem Onlineblog „Carta“.

Auch in Shops oder im Fitnessstudio helfe ihm das Implantat. Während andere Mitglieder dort öfter ihre Karten vergessen, muss er sich darum keine Sorgen machen; er hat sie immer dabei.

Noch nicht viel Speicherplatz

Das verbreitete Modell des Hautimplantats bietet nur Platz für mickrige 888 Byte – jeder herkömmliche USB-Stick nimmt größere Datenmengen auf. Doch für ein paar simple Funktionen reicht es. Sjoblad speicherte auf diesem Chip unter anderem Daten wie seine E-Mail-Adresse, Twitter-Namen und den Link zum LinkedIn-Profil – er nutzt ihn so als digitale Visitenkarte, die neue Kontakte bei einem Treffen gleich per App abrufen kann.

„Ich habe die Vision, meine Schlüssel, mein Portemonnaie und das Zeug, das ich in meinen Taschen herumtragen muss, loszuwerden. Ich finde, es gehört nicht ins digitale Zeitalter, das alles mitzuschleppen“, sagt Sjoblad.

Welche Risiken gibt es?

„Kann man meinen Standort verfolgen, weil ich ein Implantat habe? Die einfache Antwort darauf ist: nein“, sagt Sjoblad. Das batterielose Implantat sende kein eigenes Signal, die Antenne habe nur eine minimale Reichweite von wenigen Zentimetern.

Theoretisch können die Implantate gehackt werden. Wer es darauf abgesehen hat, müsste sich aber mit einem Smartphone nähern, während der Implantatträger schläft.

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Das größte Problem sei, dass die gespeicherten Daten kopiert werden könnten. „Wenn man technisch versiert ist, ist es möglich, ein Duplikat meines Implantats anzufertigen. Dann kann man in mein Büro gehen, weil man vortäuscht, ich zu sein“, erklärt Sjoblad. Dramatisch findet er das nicht, denn einen herkömmlichen Büroschlüssel zu stehlen, sei noch wesentlich einfacher. 

Auch ein deutsches Unternehmen mischt mit

Anfang 2016 stellte Dr. Patrick Kramer vom Hamburger Unternehmen Digiwell, das sich ebenfalls mit dieser Technologie befasst, die Mikrochips auf der CeBIT vor und chippte gleich mehrere Messebesucher.

Auch 2017 will Kramer auf der Messe vertreten sein, dann möchte er laut dem „Zeitungsverlag Waiblingen“ komplexere Transponder vorstellen, mit denen auch Geld übertragen werden kann. Diese hätten allerdings auch genormte Sicherheitsstandards.

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04 2017 THE RED BULLETIN INNOVATOR

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