Die Taifun-Turbine von Atsushi Shimizu

Ein Leben für die Windkraft: Atsushi Shimizu baut die Taifun-Turbine

Interview: Christoph Kristandl
Foto: ATSUSHI SHIMIZU

Atsushi Shimizu hat es sich zur Aufgabe gemacht, Windkraft zu Japans Energiequelle Nummer eins zu machen. Mit seiner Turbine, die Taifunen trotzt und ihre Kraft nutzt. Der Ingenieur im Interview.

Wie für jeden Japaner war der 11. März 2011 auch für Atsushi Shimizu prägend. Es war der Tag des Atomunfalls von Fukushima. Eine Tragödie, die für tausende Menschen Vertreibung, Tod oder Krankheit bedeutete und für Shimizu den Start seiner Mission markierte. „Damals habe ich beschlossen, mein restliches Leben der Entwicklung einer sicheren und nachhaltigen Energiequelle zu widmen“, sagt er.

Sechs Jahre später hat der Prototyp seiner Windturbine einen ersten Testlauf hinter sich und könnte den Energiesektor seines Heimatlandes entscheidend beeinflussen. Denn bislang konnte die Kraft von Taifunen nicht in Energie umgesetzt werden.

Erfahre im Interview mit Atsushi Shimizu mehr über …

  • seine Vision
  • die Entwicklung der „Taifun-Turbine“
  • ihre Funktionsweise
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THE RED BULLETIN INNOVATOR: Sie haben sich voll und ganz der Energie verschrieben und dafür Ihren Job aufgegeben. Hatten Sie nie Zweifel?

ATUSHI SHIMIZU: Das war eine der schwierigsten Entscheidungen meines Lebens. Ich hatte Bedenken, ob das Konzept funktioniert und ob ich mein eigenes Unternehmen (Challenergy, Anm.) starten könnte. Aber letztlich trieb mich meine Leidenschaft und der Sinn dieser Mission an. 

Warum haben Sie sich für Windkraft entschieden?

Bei Windenergie hat Japan aufgrund seiner Lage großes Potenzial, allerdings werden Windturbinen bei uns regelmäßig von Taifunen zerstört. Daher dachte ich, warum nicht eine Turbine bauen, die dieser enormen Kraft trotzt und sie nutzen kann.

So funktionert die Taifun-Turbine.

© Youtube // TomoNews US

Was macht Ihre Turbine so viel stärker?

Hohe Windgeschwindigkeiten und wechselnde Windrichtungen sind die speziellen Herausforderungen eines Wirbelsturms, gewöhnliche Turbinen kommen damit nicht zurecht und zerbrechen im wahrsten Sinn des Wortes daran. Die von uns entwickelte Taifun-Turbine kann hingegen durch ihre Form und die vertikalen Achsen mit jeder Windrichtung umgehen. Zudem verfügen die rotierenden Zylinderflüge über eine höhere Steifigkeit als gewöhnliche Propeller und machen sich den „Magnus-Effekt“ zunutze (siehe Video oben). Daher trägt sie eigentlich den Namen „Magnus Vertical Axis Wind Turbine“, kurz „Magnus VAWT“.

„In Japan schätzt man die Einstellung von ‚mottainai‘. Es bedeute in etwa ‚verschwende nicht, was verfügbar ist‘. Wir können nicht die ganze Energie eines Taifuns nutzen, aber im Sinne des ‚mottanai‘ sollten wir uns zumindest einen Teil herausziehen.“
Atsushi Shimizu

Welchen Einfluss kann sie auf die Energiewirtschaft Japans und der Welt haben?

Die kommerzielle Nutzung der Magnus VAWT wäre eine riesige Innovation, damit würden wir die momentanen Grenzen der Windkraft durchbrechen. Bislang konnte das große Potenzial von Taifunen nicht genutzt werden, aber mit dieser Technologie könnte Japan das Land der Winderzeugung werden. Und auch andere Länder in Südostasien, etwa die Philippinen und Vietnam, im Pazifik und der Karibik haben bislang dieselben Probleme mit Wirbelstürmen.

Wann wird die Magnus VAWT Japan mit Energie versorgen?

Die Feldversuche im vergangenen Sommer hatten uns noch einige Herausforderungen aufgezeigt, aber wir haben bereits mit der Entwicklung des kommerziellen Produktes begonnen. Zu den Olympischen und Paralympischen Spielen in Tokio 2020 wollen wir sie abgeschlossen haben.

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01 2017 THE RED BULLETIN INNOVATOR

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