Erlebnis-Guru Jochen Schweizer

Jochen Schweizers Geschäft mit dem Adrenalin

Text: Christoph Kristandl
Bild: jochen-schweizer.at

Erlebnis und Abenteuer sind das Leben von Jochen Schweizer. Und sein Business. Er ist Extremsport-Pionier, erfolgreicher Unternehmer und Investor. Angefangen hat alles mit einem Gummiseil.

Jochen Schweizer. Wie kein anderer Name steht dieser im deutschsprachigen Raum für Erlebnis und Abenteuer. „Das ist absolut richtig. Sie sprechen mit dem Marktführer“, bestätigt der 59-Jährige mit einem sichtlich zufriedenen Schmunzeln.

Erlebnisse zu verkaufen sei unmöglich, sagte ihm einst ein potenzieller Investor und lehnte sein Ansuchen ab. Dafür brauche man Leute, die Zeit und Geld haben – eine zu rare Kombination.

Schweizer hielt aber an seiner Idee fest. „’Delete and fast forward’ lautete mein Rezept“, offenbart der Deutsche seinen damaligen Umgang mit der Situation. Heute ist er Herr über eine Unternehmensgruppe, die 500 Mitarbeiter beschäftigt und ihren Kunden etwas gibt, wovon sie dann erzählen können.

Schweizer, der mit seinem markigen Äußeren auch als Bösewicht in einem Bond-Streifen gute Figur machen würde, sieht das Geschäft mit Erlebnissen aber noch lange nicht ausgeschöpft. Um im Bild zu bleiben: Er strebt die Weltherrschaft an.

„Es macht mir großen Spaß, das Unternehmen mit dem Ziel weiterzuentwickeln, zum europäischen und vielleicht zum Weltmarktführer zu werden. Der Weg ist uns offen, die Berge, die vor uns liegen, sind hoch, aber wir können sie meistern“, verspricht er.

Am Beginn des Weges stand Jochen Schweizer, der Abenteurer. Lange bevor er sich entschloss, dem erlebnissüchtigen Volk verträgliche Dosen Adrenalin zu verkaufen, suchte er für sich selbst immer neue Herausforderungen.

Das Kajakfahren brachte ihn zum Film, wo er als Stuntman arbeitete. Während der Dreharbeiten zu „Feuer, Eis & Dynamit“ baute er eines der ersten Bungeeseile und sprang von einer 220 Meter hohen Staumauer in die Tiefe – der Beginn eines Booms und Grundstein seines heutigen Erlebnis-Imperiums.

„Wenn so viele Menschen in der Zeit des Postmaterialismus spürbar nicht nach mehr Konsum trachten, sondern nach authentischen Erlebnissen streben, dann kann man daraus Schlüsse ziehen.“
Jochen Schweizer

Schweizer baute den Bungeesport in Deutschland auf und traf damit haargenau den Nerv der Zeit. 

„Dass Menschen auf der Suche nach authentischen Erlebnissen sind, kann jeder sehen, der sich mit diesem Thema beschäftigt. Das ist kein Geheimnis. Und wenn so viele Menschen in der Zeit des Postmaterialismus spürbar nicht nach mehr Konsum trachten, sondern nach authentischen Erlebnissen streben, dann kann man daraus Schlüsse ziehen. Viele tun das auch, aber nur wenige übersetzen das in Handlungen. Ich gehöre zu den Wenigen“, erklärt er seinen Erfolg.

Schweizer selbst stellte mit dem Bungeeseil mehrere Weltrekorde auf. Etwa durch den Sprung aus einem Helikopter mit dem längsten Seil und der höchsten Falldistanz (1.050 Meter). 

Jochen Schweizer hängt an einem Flugzeug

© jochen-schweizer.at

Klicken zum Weiterlesen

Kajakfahrer, Stuntman, Extremsportler, Unternehmer. Was treibt einen nach so vielen Erfolgen eigentlich noch an? „Reinhold Messner wurde einmal gefragt: ‚Herr Messner, warum steigen Sie noch auf Berge?’ Wissen Sie, was er geantwortet hat? ‚Weil sie da sind.’“, sagt Schweizer, der nie aufhört, sich neue Herausforderungen zu suchen. „Man muss nicht alles machen, was möglich ist, aber vom Möglichen darf man sich das eine oder andere aussuchen, das man gerne macht.“

Jochen Schweizer Portrait

© GABO für Jochen Schweizer

Im Moment arbeitet er an der Jochen-Schweizer-Arena, die im Februar 2017 nahe München eröffnet wird. Ein Erlebnisstempel, der seine Besucher in einem Windtunnel fliegen lässt oder das Surfen auf einer stehenden Welle ermöglicht. Etwas, auf das sich Schweizer besonders freut. „Dort werde ich meine Skills im Wellenreiten so perfektionieren, dass ich es in diesem Leben vielleicht noch schaffe, einmal eine der großen Wellen vor Hawaii zu surfen“, enthüllt der Erlebnis-Guru, welches große Abenteuer ihn noch reizt.

Doch Schweizers Laufbahn hatte nicht nur Höhen. Das Bungeespringen steht nicht nur für seinen größten Erfolg, sondern auch seine bittersten Stunden. 2003 riss bei einem Sprung vom Dortmunder Florianturm ein Seil. Ein junger Mann starb. Schweizer durchlebte mental, privat und beruflich seine dunkelste Zeit.

„Hätte ich die Zeit zurückdrehen können, hätte ich diesen Sprung selbst gemacht – als meinen letzten. Denn den Tod hätte ich damals als Erlösung empfunden“, sagte er später in einem Interview.

Schweizer überdauerte diese schwere Phase, rappelte sich wieder auf. Neben der Führung seines Unternehmens veröffentlichte er zwei Bücher und fungierte als Investor. 

„Wenn ich eines in meinem Leben gelernt habe, dann, dass es Scheitern eigentlich gar nicht gibt, sondern nur neue Situationen.“
Jochen Schweizer

„Wenn ich eines in meinem Leben gelernt habe, dann, dass es Scheitern eigentlich gar nicht gibt, sondern nur neue Situationen, die man als Herausforderungen annehmen kann und auch annehmen muss, um an ihnen zu wachsen“, sieht Schweizer Rückschläge heute ebenso gelassen, wie die totale Personifizierung seines Geschäfts.

„Das war keine bewusste Markenbildungsentscheidung. Es hat sich so ergeben, aus der Zeit meiner Stunts und dem Kajakfahren - da hieß ich eben Jochen Schweizer. Jetzt muss ich damit umgehen, dass meine Person gleichzeitig auch eine Marke ist“, sagt er.

Und wie geht man damit um, dass Menschen manchmal vielleicht von Jochen Schweizer persönlich enttäuscht sind? „Es gibt sehr viele Leute, die zu mir kommen und sich für die Erlebnisse bedanken. Aber natürlich gibt es auch einige, die meinen, dass etwas hätte besser laufen können. Ich finde dieses Feedback gut, denn dadurch habe ich ein Gefühl für den Markt und die Menschen.“

Klicken zum Weiterlesen
10 2016 THE RED BULLETIN INNOVATOR

Nächste Story