Musik-Manager Stefan Redelsteiner im Porträt

Stefan Redelsteiner, der Krisenausnützer

Text: Elisabeth Oberndorfer
Foto: Stefan Redelsteiner

Er findet die Stars von morgen und macht sie groß: Stefan Redelsteiner ist der Mann, der die Krise der Musik-Branche zu nutzen wusste. Weil er nicht mit allen anderen flüchtet. Und weil er nicht nur in Erfolg und Misserfolg denkt.

Dieser Mann bestimmt, was Österreich hört und liest: Stefan Redelsteiner ist das Mastermind hinter der jungen österreichischen Popkultur. Er entdeckte Nino aus Wien, Wanda, Stefanie Sargnagel und vergangenes Jahr den Singer-Songwriter Voodoo Jürgens.

Redelsteiner selbst schätzt seinen Einfluss auf die österreichische Musik und Literatur allerdings als überschaubar ein. „Von außen bekommt man ja nur die Dinge mit, die Erfolg haben. Meine diversen Misserfolge sieht man nicht”, relativiert der Manager, der auch Gründer eines Musiklabels und eines Buchverlages ist.

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Redelsteiner bezeichnet sich selbst als „Krisenausnützer”. Denn als er sein eigenes Musiklabel gründete, befand sich die Branche gerade durch das Aufkommen von digitalen Downloads und Piraterie in der Krise, der Streaming-Hype hatte noch nicht eingesetzt. 

„Wenn alle vor etwas flüchten, weil es bergab geht, dann macht es durchaus Sinn, einer der wenigen zu sein, der in die Richtung rennt, aus der die anderen flüchten“, erklärt der Musikunternehmer sein persönliches Krisenmanagement und ergänzt: „Im Prinzip muss man unabhängig von Erfolg oder Misserfolg versuchen, Dinge zu machen, die einem wichtig sind.“

Einer der letzten Einsätze Redelsteiners als aktiver Musiker. Von seinen Fähigkeiten an der Gitarre hält er selbst allerdings nicht sonderlich viel: „Urscheiße!“

© Youtube // redelsteiner

Dass er selbst Musiker sei, will Redelsteiner trotz musikalischer Vergangenheit nicht unterschreiben. Zu bescheiden seien seine Fähigkeiten an der Gitarre gewesen. Er begann ein Publizistikstudium in Wien, pausierte für den Zivildienst – „ mein Nachdenkjahr“ - und kehrte als Student der Theaterwissenschaften wieder an die Uni zurück. Nebenbei schrieb er Rezensionen für ein Musikmagazin, wodurch im bewusst wurde, dass ihm das Beschreiben und Managen wohl besser liegt, als selbst zu musizieren.

2007 beschloss Redelsteiner schließlich sein eigenes Label zu starten, „um den Bands in meinem Umfeld eine Plattform zu geben.“ Die erste Veröffentlichung auf „Problembär Records“ war Der Nino aus Wien, mit dem der Musikunternehmer zuvor auch selbst spielte. Erfahrungen im Führen eines Labels hatte der Wiener damals nicht: „Ich habe mir alles angelernt. Als Journalist habe ich im Kontakt mit den Labels auch gesehen, wie man die Dinge richtig macht.“

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Durch Bands wie Neuschnee und Nino aus Wien erarbeitete sich Redelsteiner mit seinem Verlag das Image als Hoffnungsträger für die alternative Popmusik Österreichs. In den Medien wird er gerne mit Austropop in Verbindung gebracht, was ihm selbst allerdings nicht gefällt: „Ich verstehe das nicht, ich mag Austropop nicht einmal.“

Die Entdeckungen, die Redelsteiner als Musikverleger gemacht hat, waren für ihn offensichtlich. „Ich frage mich immer, wie man die nicht erkennen kann“, sagt er etwa über Talente wie Wanda oder Stefanie Sargnagel. Mit offenen Augen durch die Welt zu gehen hilft ihm ebenso, wie sein breites Netzwerk, über das er auf die meisten Künstler stößt, die er in sein Portfolio aufnimmt.

Redelsteiner sucht sich aber auch immer wieder neue Aufgaben. So übergab er Problembär Records 2013 an Geschäftspartner Ilias Dahimène, Chef des Labels „Seayou Records“. Ende 2014 stieg Redelsteiner endgültig aus, um sich auf seine Managertätigkeiten zu konzentrieren.

Dass er nebenbei auch noch einen Buchverlag gründete, entsprang einem lockeren Gespräch mit seinem Freund Dahimène: „Ich weiß nicht mehr, wer als erstes von uns sagte, ‘Hast du auch schon mal überlegt, einen Verlag zu gründen?’“ Jedenfalls zögerten die beiden nicht lange, die Idee in die Tat umzusetzen. Bekannt geworden ist Redelsteiner Dahimène Edition vor allem durch die Bücher von Stefanie Sargnagel, die der Manager „seit Ewigkeiten“ kennt. Seit knapp zwei Jahren ist zwar keine neue Veröffentlichung mehr im Verlag erschienen, Redelsteiner hat jedoch bereits einen neuen Autor an der Angel. Womöglich sein nächster Coup.

Als Manager von Wanda war Redelsteiner die vergangenen Jahre so erfolgreich, dass er ein Büro mit Mitarbeitern einrichtete. Vor drei Monaten entschloss er sich allerdings, sich von der Band zu trennen – „aus den verschiedensten Gründen“, wie er kryptisch sagt. Jetzt nutzt Redelsteiner wieder die Chance für einen Neuanfang und sieht 2017 aus geschäftlicher Sicht als ein Jahr der Neuorientierung. Mit Herwig Zamernik, besser bekannt als „Fuzzman“ und Mitglied der Band „Naked Lunch“, plant er ein gemeinsames Unternehmen, um Kompetenzen zu bündeln. Wie das konkret aussehen wird, lässt der Problembär-Gründer noch offen, und auch auf große Visionen lässt er sich im Gespräch nicht ein. Er macht einfach wieder sein Ding.

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