Die Geschichte der Fotoagentur "Magnum"

Magnum: Die Könige der Fotografie

Foto: Thomas Hoepker/Magnum Photos
Text: Robert Sperl

Wie die Fotoagentur entstanden ist, warum sie gegründet wurde und wo du die Best-of-Bilderserie in Österreich bewundern kannst.

Als die Fotoagentur Magnum im Frühjahr 1947 bei einem Mittag­essen im New Yorker Museum of Modern Art gegründet wurde, hatten ihre Gründungsväter mit Sport wenig im Sinn. Robert Capa, William ­Vandivert, David Seymour, genannt „Chim“, George Rodger und Henri Cartier-Bresson waren Kriegsberichterstatter gewesen.

Nun trieb sie an, die Neugier der Menschen nach anderen Dingen als den Schrecken des Krieges zu befriedigen. Eine Mischung aus Reportern und Künstlern, waren Magnum-Fotografen auf der Suche nach ungewöhnlichen Formaten. Sie fühlten sich dabei nur der höchsten Qualität verpflichtet: Bis heute haben sich nur knapp 100 Fotografen für eine Mitarbeit bei Magnum qualifiziert.

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Oft war ihre Arbeit ein Aufbegehren gegen den Mainstream, den die Magazine, Illustrierten und Zeitschriften der dama­ligen Zeit vorgaben. Da war es doppelt sinnvoll, dass Magnum sich nicht nur als künstlerische Instanz etablierte, sondern auch als wirtschaftliches Konstrukt – die Mitglieder leisteten Beiträge, die allen ­zugutekamen –, was für die notwendige Unabhängigkeit gegenüber Kunden sorgte.

Preview - Hangar-7

Upcoming exhibition The Magic of the Moment: 70 Years of Sports Photography by Magnum Photo exhibition at Hangar-7 From April 5 to May 1 2017, Magnum, the most prestigious ...

Auch wenn sportliche Themen speziell in der Gründerzeit nahezu keine Rolle spielten: Wenn ein Robert Capa oder ein Henri Cartier-Bresson sich in diesem Bereich äußerten, ließ sich ihre Meisterschaft nicht verbergen. Capas Aufnahmen von Ringern in Georgien von 1947 waren etwa so eine fabelhafte Fingerübung. In welchem Ansehen Capa damals stand, ­belegt folgende Tatsache: Der Autor einer Russland-Reportage im „Ladies’ Home Journal“, der Pulitzer- und spätere Nobelpreisträger John Steinbeck, wurde damals mit 3000 Dollar honoriert. Capa bekam 20.000 Dollar. (Ein Mittelklasseauto kostete zu der Zeit rund 1500 Dollar.) 

Robert Capa

© ROBERT CAPA/INTERNATIONAL CENTER OF PHOTOGRAPHY/MAGNUM PHOTOS

Fachlich war es für die Magnum-Fotografen problemlos, sich im Genre Sport zurechtzufinden. Capas berühmtes Credo „Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nahe genug dran“ galt ­zynischerweise für Aufnahmen unter feindlichem Feuer ebenso wie für Pferderennen, Ringkämpfe und Baseballspiele. Auch das Handwerkszeug für den Einsatz im Schützengraben hatte eine ähn­liche Qualität wie für die Arbeit an der Laufbahn: kleine, schnell bedienbare ­Fotokameras und sensibles Filmmaterial.

„Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nahe genug dran.“
Robert Capa
Che Guevara by René Burri

Che Guevara

© René Burri/Magnum Photos 

Und wenn Cartier-Bresson in seinem 1952 erschienenen Buch „Images à la sauvette“ („Bilder im Vorübergehen“) von der Pflicht des Fotografen spricht, stets bleibende Eindrücke von flüchtigen Ereignissen zu kreieren, trifft er exakt den entscheidenden Punkt der Sportfotografie bei Magnum: Ziel war nicht, eine Aktion bloß einzufrieren, damit der Betrachter diesen Moment noch einmal „konsumieren“ konnte. Es ging darum, eine Aktion regelrecht zu entschlüsseln.

Doch der noch viel wichtigere Punkt war: Magnum-Fotografen waren auch im Genre Sport grandiose Geschichten­erzähler. Ihre Fotos sind nicht der Zuckerguss, sondern die Torte. Ein einziges Bild mit seiner Vielzahl an Details, Phrasen, Schattierungen und Zwischentönen reicht aus, um eine zweite, dritte, ja vierte Ebene eines Ereignisses herauszuschälen, welche die Phantasie des Betrachters erst anregten und ihm halfen, ein Ereignis zu Ende zu denken.

the book marking the anniversary

Der Katalog zur Jubiläums-Ausstellung.

Magnum-Fotografen nahmen Sport stets als eine spezielle Herausforderung an, so zum Beispiel Jonas Bendiksen. Der reißt sich im Winter oft von seiner Arbeit als Dokumentarfotograf los, um beim Skifahren spezielle Motive einzufangen. Etwa 2014, als er mit Freeskier Henrik Windstedt unterwegs war und danach schwärmte: „Die interessantesten Momente für mich sind die, wenn Kunst auf Sport trifft.“

Magnum-Fotografen sind auch bereit, mehr Mühe zu investieren und geduldig auf den rechten Moment zu warten.

Thomas Höpker, dem wir einige der eindringlichsten Muhammad-Ali-Bilder verdanken, begleitete den Boxer fast dreißig Jahre lang. Höpkers Ziel war, irgendwann unsichtbar zu sein: Erst dann war der verschlossene Ali zu enträtseln.

Höpkers Vorbild war wohl Magnum-Kollegin Inge Morath. Die geradezu in die Haut von Marilyn Monroe schlüpfte, um 1960 auf dem Filmset von „The Misfits“ an deren wahres Ich heranzukommen.

„Die Monroe beherrschte alle Tricks, um zu posieren und sich zu verstellen“, erzählte Morath. Doch irgendwann kam ihr Moment.

Magnum zu Gast im Salzburger Hangar-7
hangar 7

© HELGE KIRCHBERGER PHOTOGRAPHY/RED BULL HANGAR-7

Die Ausstellung „70 Jahre Sportfotografie“ wird von 5. April bis 1. Mai bei freiem Eintritt im architektonisch einzigartigen Hangar-7 zu sehen sein, der eine Sammlung von historischen Flugzeugen der Flying Bulls sowie Formel-1-Renn­wagen beherbergt. Der Hangar-7 bietet aber nicht nur Raum für Kunstausstellungen, sondern ist mit seinem Restaurant „Ikarus“, zwei Bars, einer Outdoor Lounge und einem Café auch ein Treffpunkt für (kunstliebhabende) Genießer.

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05 2017 The Red Bulletin

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