Tipps für die perfekte Partynacht in New York City

New York bei Nacht: 10 Tipps vom Party-Experten

Text: Florian Obkircher
Fotos: Nicky Digital

Der älteste Nachtclub der Welt und der neueste Techno-Trend, Rockerkneipen und ­Lagerhallen-Raves, eine Bill-Murray-Bar und eine mit Pizza belegte Pizza: Seit zehn Jahren dokumentiert Fotograf Nicky Digital die Partyszene von New York. Hier gibt er uns 10 Tipps für die perfekte Nacht in seiner Heimatstadt.

1 Willkommen im Nimmerland für Party-People

„Als Nightlife-Fotograf bin ich seit über zehn Jahren in der Regel sieben Nächte pro Woche unterwegs. Doch wenn du mich nach einem Überblick über das Geschehen fragst: Vergiss es.
 

In New York gibt’s so viele Events, du könntest täglich ein Buch damit füllen. Selbst als Szene-Experte passiert es dir, dass du auf dem Weg zu deinem Stammclub an einem unauffälligen Kellereingang vorbeikommst, aus dem interessante Musik dringt. Du wagst einen Blick hinein – und kommst sechs Stunden später euphorisiert und völlig verschwitzt wieder heraus. Mit dem Gefühl: ‚Keine Ahnung, was das genau war, aber es war die geilste Nacht des Jahres.‘ Solche Dinge passieren dir nur in New York.“

2 Webster Hall: Feiern wie Al Capone

„Der beste Ort, um ins Nachtleben einzutauchen, ist Webster Hall im Herzen von Downtown. 130 Dienstjahre, der älteste noch aktive Club der Welt. Mit modernster Technologie ausgestattet, aber unglaublich viel Atmosphäre.

Al Capone hat in der Prohibitionszeit angeblich den Alkohol geliefert!

Die Ambivalenz des Orts spiegelt sich im Musikprogramm: In derselben Nacht siehst du zuerst ein Konzert von Tom Petty und tanzt danach zu House-Beats ab. Apropos, Elektronik-Fans empfehle ich die Freitagnacht namens Girls & Boys.“

3 Wie du Leute kennenlernst

„Es ist gar nicht so schwer, im New Yorker Nachtleben coole Leute kennenzulernen. Die wichtigste Regel dabei: Vergiss Smalltalk! Dafür hat in New York niemand Geduld. Wenn du an der Bar oder im Raucherbereich jemanden ansprichst – zum Beispiel auf der Suche nach der nächsten Party – dann stell gleich zu Beginn des Gesprächs klar, wer du bist und wonach du suchst. Sonst stehst du schnell wieder allein da.“

4 After-Hours: Feiern nach Fünf

„Um mit einem Klischee aufzuräumen: New York ist nicht mehr die Stadt, die niemals schläft. Zumindest was das Nachtleben angeht. Nach vier Uhr früh darf in keinem Club Alkohol ausgeschenkt werden. Manche Läden lassen trotzdem eine Stunde länger offen, aber wenn du um fünf Uhr früh noch feiern willst, stehst du vor einer Herausforderung, gerade als Tourist.

Mein Tipp: Frag einen Kellner nach einer After-Party. Es gibt sie nämlich schon – allerdings sind sie illegal, meist weitab vom Schuss und recht teuer.“

5 Zum Warm-Up ins Jeromes

„Der neue Trend im New Yorker Nachtleben sind Motto-Bars. Das jüngste Beispiel: eine Kneipe, die dem Schauspieler Bill Murray gewidmet ist. Ich halte das ja für absurd. Und liebe Jeromes an der Lower East Side umso mehr: eine einfache Rock-’n’-Roll-Spelunke ganz ohne Motto – und ohne Hipster. Die Musik ist bodenständig (Hits von Iggy Pop bis Van Halen), genau wie die Getränkekarte. Für mich der beste Ort, um mich bei einem Wodka-Soda auf die Party-Nacht einzustimmen.“

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6 Der beste Snack am Heimweg

„Wer mir auf Snapchat folgt – Username: TrickyMagical – kennt meinen Spitznamen: Pizza-König von New York. Ich habe in jedem Viertel eine Lieblingspizzeria, in der mich die Pizzabäcker beim Namen kennen.

Spätnachts gibt’s für mich zwei Buden, die ich empfehlen kann, beide in Brooklyn: Vinnie’s wegen seiner ausgefallenen Beläge wie kleine Pizzen auf großer Pizza. Und Joe’s Pizza: weil der kleine Laden bis fünf Uhr morgens offen hat und weil du dort originale New-York-Style-Pizza serviert bekommst. Mit dünnem Boden, extra viel Käse. Meine erste Wahl: Pepperoni.“

7 Diesen DJ solltest du kennen

„Von Punk bis Hip-Hop: Keine andere Stadt brachte so viele Musikgenres hervor wie New York. Das beeinflusst die Art, wie DJs hier auflegen. Während die meisten jungen EDM-DJs schon vor den Sets ihre Tracklist festlegen, reagiert Szene-Veteran Eli Escobar aufs Publikum, nimmt die Tänzer auf eine Reise durch die Stile mit, am Ende spielt er den Titelsong des FilmsDie unendliche Geschichte‘ – und alle flippen aus. Er legt oft im Club Le Bain auf und im Rahmen der Sommer-Partyserie Tiki Disco.

Webster Hall

Fans im Grand Ballroom der Webster Hall feiern ihr Idol: DJ Tommy Trash

8 New York Nachts erkunden

„Für den letzten großen Umbruch im Nachtleben sorgte kein Club, sondern ein Taxi-Service. Uber hat das Ausgehverhalten der New Yorker massiv geprägt, im Guten wie im Schlechten.

Positiv: Die U-Bahn, die 24 Stunden fährt, ist – abgesehen vom Sicherheitsaspekt – für lange Fahrten nicht mehr die einzige leistbare Variante. Negativ: Früher lernte man auf der Straße oft interessante Nachtschwärmer kennen. Durch die billigen Uber-Taxis ist das nun seltener.

Meine Nachtverkehr-Faustregel: Musst du in einen anderen Bezirk, führt an der U-Bahn leider kein Weg vorbei. Nimm ein Uber, wenn du 30 Blocks weiter musst. Bei zehn Blocks nimm ein gelbes Taxi.“

9 Hier entdeckst du die neuesten Trends

„Wenn du die coolsten jungen Musiker der Stadt erleben willst, musst du nach Brooklyn. Genauer: ins Baby’s All Right im Viertel Williamsburg. Von den meisten Bands, die ich dort erlebt habe, hatte ich vorher noch nie gehört. Aber ich wurde noch kein einziges Mal enttäuscht. Im Gegenteil: Es passiert oft, dass Szene-Stars wie Blood Orange ganz überraschende Geheim-Konzerte spielen.

Für Elektroniker: Der aktuelle Club-Musiktrend in New York ist Techno – je düsterer, desto besser. Die coolsten Partys finden in Lagerhallen in Brooklyn statt. Wie man davon erfährt? Meist per kurzfristiger Ankündigung via Facebook.“

10 Not macht erfinderisch

„In den 1970ern galt New York als heißeste Party-Stadt der Welt. Heute ist das Berlin. Die Schuld liegt bei Rudolph Giuliani, dem Bürgermeister der Jahre 1994 bis 2001. Das ‚Cabaret Law‘ von 1926, das er reaktivierte, zwang viele Clubs zum Zusperren.

Doch je mehr Restriktionen, desto mehr Kreativität: Das kleine Café Freehold in Brooklyn erweiterte seine Öffnungszeiten auf 20 Stunden täglich. Nachts wird dort jetzt auf den Tischen getanzt – der Laden hat sich zu einem der besten Clubs gemausert.“

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11 2016 The Red Bulletin

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