Wasserfall-Klettern in Südamerika

Abenteuer-Urlaub: Abhängen am tödlichen Wasserfall

Fotos: BUSHMASTERS LTD

Du suchst nach einem Abenteuer? Dann solltest du Ian Craddock kennenlernen. Er springt mit dir aus einem Helikopter und seilt sich direkt danach von einem der gefährlichsten Wasserfälle der Welt ab - mitten im tropischen Regenwald.

Guyana an Südamerikas Nordostküste gehört zu den am dünnsten besiedelten Ländern der Welt. 80 Prozent der Landfläche sind von tropischem Regenwald bedeckt, die einheimische Flora und Fauna sind noch nicht vollständig erforscht.

„Das Landesinnere hat bisher bloß eine Handvoll Menschen gesehen“, sagt Ian Craddock. Er muss es wissen, seine Firma Bushmasters ist auf ausgefallene Wildnis-Abenteuer spezialisiert.

„Die meisten Leute kommen zu mir und sagen: ‚Wir haben zwei Wochen Zeit und dieses und jenes Budget. Wir wollen coole Sachen machen, ganz egal wo. Hast du eine Idee?‘“, erzählt der ehemalige Offizier der britischen Armee. „Ich sage dann zum Beispiel: Wir brauchen Helikopter, aus denen wir springen und uns vom größten Wasserfall des Landes abseilen.“

Abhängen am Wasserfall

Vorhang auf für die Kaieteur-Fälle. Über 660.000 Liter Wasser des Potaro-Flusses rauschen hier pro Sekunde eine 226 Meter hohe und 152 Meter breite Klippe hinunter. Das macht ihn zum kraftvollsten und breitesten einstufigen Wasserfall der Welt. „Pure Gänsehaut“, sagt Craddock. „Sobald du dich vom Felsen abseilst, wird dir klar, wie klein du bist. Du drehst dich, es gibt einen mächtigen Nebel. Du hast einen Ohrhörer, über den du Anweisungen bekommst, aber er fällt für gewöhnlich aus. Und du musst deinen Abstieg kontrollieren.“ 

Das Abseilen muss akribisch geplant werden. „Das Wasser fließt extrem schnell und erzeugt gefährliche Luftwirbel.“ Ausrüstung? „Spezialzeug. Bei so einer großen Distanz halten nur bestimmte Metallobjekte die Reibung aus. Normales Abseilgeschirr würde hier durchbrennen.“

So eine einzigartige Erfahrung zieht besondere Kunden an. „Wir hatten mal Filmstars. Channing Tatum hieß der, glaube ich, hab ja keinen Fernseher. Benahmen sich aber wie normale Leute.“ Laut Craddock kann es jeder schaffen: „Ich habe sogar Zwölfjährige am Seil runtergelassen. Du musst es nur über die Klippe schaffen, ohne dir in die Hose zu machen.“ Und du musst dir den Spaß leisten können. „Der Heli kostet am meisten. Was wir dem Teil zumuten, ist ja nicht normal, deshalb holen wir einen Spezialpiloten“, sagt Craddock. „Wir springen aus dem Hubschrauber ins Wasser und werden am Ende der Stromschnellen mit einem Ladehaken wieder hochgezogen.

© Youtube // BBC Earth

Wenn du eine Premiere erleben willst: Die gesamten 251 Meter des Wasserfalls inklusive Kaskaden hat noch nie jemand gemacht.“ Kosten? „Für zwei Wochen fast 100.000 US-Dollar, die Hälfte davon nur für die Helis.“

Falls du den Lotto-Jackpot knackst, könnte auch ein für 2018 geplanter Trip interessant für dich sein. „Ich bin sicher, du hast von den Tepui gehört, den Tafelbergen. Der größte, Roraima, ist über 2800 Meter hoch und so massiv, dass er ein eigenes Wettersystem hat. Von dem Berg werden wir uns abseilen. Dauert zwei, drei Tage, wenn nicht mehr. Wir werden an der Felswand zelten – und einfach abhängen. Die Leute haben ihn bestiegen, aber niemand ist auf diese Art runtergekommen. Es ist das erste Mal, und es wird großartig!“

Abhängen am Wasserfall
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INSIDER-TIPP

„Du seilst dich 226 Meter ab und kannst dich nirgends mit den Füßen abstützen“, sagt Craddock. „Du brauchst starke Nerven. Bleib ruhig und geh es langsam an. Bist du zu schnell, erzeugt das Hitze, die Seil und Abseilgerät beschädigen kann.“

Über­leben
Aber nur ziemlich knapp.
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11 2016 The Red Bulletin

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