AIRPOWER16

Red Bull Aces - „Total surrealer Sport“

Text: Clemens Makanaky
Foto: RYAN SAWYERS/RED BULL CONTENT POOL

Bei der AIRPOWER16 in Zeltweg ist Action garantiert. Wingsuit-Flieger schießen mit 260 km/h durch eine Slalomkurs in 2000 Meter Höhe - das ist Red Bull Aces.

„Am Start herrscht ein Gerangel wie beim Skicross“, ­erzählt Marco Waltenspiel, der einzige Österreicher in der Elite des jüngsten Rennsports der Welt. Etwas amerikanischer formuliert es Katie Hansen, die schon bei den ersten Testflügen von Red Bull Aces vor zwei Jahren mit dabei war: „Das ist der Inbegriff von richtigem badass Skydiving.“ Und Luke Aikins, das Mastermind hinter dem neuen Rennformat, tut so, als wäre das alles ganz normal: „Im Grunde genommen ist es ein Slalom.“

Airpower 2016 LIVE

Verfolge die spektakuläre Flugshow aus Zeltweg live auf Red Bull TV

Luke Aikins
Luke Aikins, Mastermind der Red Bull Aces

Christian Pondella/Red Bull Content Pool

Red Bull Aces ist das erste 4-Cross-Race für ­Wingsuit-Flyer. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 260 km/h schießen die Besten ihres Fachs durch einen etwa 1,5 Kilometer langen Slalomkurs. Der Schnellste ­gewinnt. Bis heute gab es erst zwei offizielle Red Bull Aces-Events – beide in Kalifornien, zuletzt im Herbst 2015. Zwei echte Wettkämpfe, die zugleich aber auch so etwas wie lebensgroße Praxistests waren. Ergebnis: zuerst ungläubiges Staunen, dann pure Euphorie. Vor allem bei den Teilnehmern. Luke Aikins hatte mit seiner Idee ins Schwarze getroffen.

Der 42-jährige Texaner sieht auf den ersten Blick nicht wirklich aus wie der Typ „verrückter Extremsportler“. Er strahlt vielmehr die unerschütterliche Ruhe eines Mannes aus, der in seinem Leben bereits 19.000 Fallschirmsprünge gemacht hat. Und danach manches Mal auf einen Burger gegangen ist. Unter Skydivern genießt Aikins das ­Ansehen eines erfahrenen großen Bruders, für manche ist er gar eine Art junger Guru. Er hat einer Generation von Fallschirmspringern und BASE-Jumpern die Physik der fallenden Körper beigebracht. Und mit den besten Wingsuit-Fliegern trainiert, immer auf der Suche nach der perfekten Flughaltung und dem schnellsten Anzug. In der Community kennt, respektiert und pusht man einander eben.

© Youtube // AT Airshow

AIRPOWER16

Wer einen schlechten Start erwischt, kann nur noch hoffen.

© Joerg Mitter / Red Bull Content Pool

Luke Aikins ist aber auch einer der ­Menschen, die gern um zwei Ecken ­weiterdenken. Und er ahnte, dass es für Wingsuit-Flying ein großes, begeisterungsfähiges Publikum gibt: „Bei Red Bull Aces ging es mir zuallererst darum, der Welt zu zeigen, was wir Skydiver zu leisten ­imstande sind. Das, was wir normalerweise irgendwo in den Bergen zu unserem eigenen Vergnügen machen, transferieren wir mit Red Bull Aces in einen freien Himmelsausschnitt – damit man von unten zusehen kann. Und machen daraus ein Wettrennen mit einfachen Regeln.“

Diese Regeln sind tatsächlich schnell erklärt: Vier Athleten springen gleichzeitig aus dem Starthelikopter und passieren auf dem Weg nach unten vier Tore – den beflaggten 24 Meter hohen Teil von Seilen, die an in der Luft „stehenden“ Hubschraubern ­baumeln. Die beiden schnelleren Flieger eines jeden Rennens steigen in die nächste Runde auf. So verkleinert sich das Teilnehmerfeld, bis die vier Finalisten ­ermittelt sind. Apropos Praxistest: Im Rahmen der AIRPOWER16 in Zeltweg (2./3. September) können erstmals auch europäische Zuschauer eine Red Bull Aces Exhibition verfolgen.

Red Bull Aces
„Immer, wenn in einer Sportart Athleten und Technologie auf einem Level sind, gibt es einen Entwicklungssprung.“  
Luke Aikins
Flying Bulls

Endlich wieder in Zeltweg zu sehen: die Flying Bulls, Fluggeschichte in Aktion

© Aron Suveg/Red Bull Content Pool

Wenn Luke Aikins von den Red Bull Aces-Teilnehmern spricht, dann verwendet er meist das Wort „Piloten“. Wingsuit-­Piloten. Es ist nicht nur Zeichen des Respekts für die Männer und Frauen, die sich diesem atemberaubenden Rennsport ­verschrieben haben, sondern auch ein Hinweis an uns Zuseher: Der Wingsuit ist weit mehr als irgendein Action-Gear. Er lässt Körper und Können eines Menschen zu einer perfekten Einheit verschmelzen, zu einem märchenhaften Flugapparat.

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Wie es ist, ein Pilot ohne Maschine zu sein, erklärt Miles Daisher – auch ein Red-Bull-Aces-Mitstreiter der ersten Stunde - so:

  • 4 Wingsuit-Piloten stürzen sich gleichzeitig aus dem Start-Heli 
  • Sie müssen die Slalomtore im Abstand von 3 bis 46 Metern umkurven
  • Wer als Erster Tor 4 passiert, hat gewonnen

„Es ist immer ein Hin und Her zwischen Fallen und Gleiten. Gehst du mehr in die Vertikale, holst du dir Geschwindigkeit. Aber dann musst du wieder gleiten, um vorwärtszukommen.“ Das Verhältnis Fallen zu Gleiten beträgt heutzutage bei Wingsuit-Piloten auf guten Passagen 1:3.

Heißt: Während sie 100 Meter fallen, gleiten sie 300 Meter vorwärts. Bei Red Bull Aces ist durch die Kurssetzung ein umgekehrtes Verhältnis von etwa 2:1 vorgegeben – die ideale Mischung aus hoher ­Geschwindigkeit und enger Kurvenlage.

Erstmals in Österreich: Red Bull Aces Exhibition

AIRPOWER16: Red Bull Aces, das einzigartige Four-Cross-Wingsuit-Rennen, kommt nach Österreich. Fliegen wie ein Vogel. Das ist wohl der größte Traum der Menschheit. Die Ausnahmeathleten von Red Bull Aces kommen diesem Traum sehr nahe. Pro Rennen springen vier Athleten aus einem Helikopter in 2.130 Metern Höhe.

„Du musst deiner Linie folgen und damit fertig werden, dass drei andere neben, ober oder unter dir das auch wollen.“
Katie Hansen

Womit wir wieder beim „Gerangel“ wären – das Red Bull Ace Marco Waltenspiel, 32 Jahre alt und aus Oberndorf bei Salzburg, aber relativiert: „Da wir alle mit der gleichen Geschwindigkeit fliegen, ist die Verletzungsgefahr bei Kollisionen relativ gering.“ Weil man aber auch durch den kleinsten Zusammenstoß schnell aus der Flugbahn geworfen werden kann, achten die Piloten darauf, einander nicht in die Quere zu kommen. „Während des Fluges ist der gegenseitige Respekt so groß, dass jeder dem anderen genügend Platz lässt.“

Katie Hansen, die junge Kalifornierin, beschreibt es ein Stück wilder: „Zuerst musst du deine perfekte Linie finden, dann musst du versuchen, ihr zu folgen, und dann musst du damit fertig werden, dass drei andere Leute neben, hinter, ober oder unter dir genau das Gleiche wollen.“

© Youtube // Red Bull

Kein Zweifel: Wingsuit Racing ist jetzt ein Ding. Eine neue Sportart ist in der Realität angekommen. Vielleicht schneller, als man es erwarten konnte. Was ist da passiert in den letzten Jahren? Luke Aikins, dieser feine Analytiker seines Fachs, erklärt das Phänomen mit einer Fortschrittsformel des Spitzensports: „Sind in einer Sportart die Athleten und die Technologie auf einem ähnlichen Level, gibt es immer einen Entwicklungssprung. Beim Wingsuit-Fliegen ist die Technologie der Anzüge zunächst hinter dem Können der Sportler hinterhergehinkt. Jetzt stecken die Top-Flieger in ehrgeizig designten Wingsuits – und diese Kombination bringt unseren Sport zur Zeit so schnell nach vorne.“ Oder, um es mit Marco Waltenspiel auf den Punkt zu bringen: „Dieser Sport ist total surreal.“

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09 2016 The Red Bulletin

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