Eigenschaften der Boote beim Americas Cup: Geschwindigkeit, Länge und Co.

America’s Cup:
Das Boot

Text: JOSH DEAN
Fotos: Sam Greenfield / ORACLE TEAM USA

Im Juni werden sechs Teams auf Bermuda antreten, um beim 35. America’s Cup auf futuristischen Booten um die älteste Sporttrophäe der Welt zu segeln. Unsere große Reportage - Teil 2: Der revolutionäre AC50-Katamaran.

Seit dem ersten America’s Cup 1851 – und für den größten Teil der Geschichte dieser Veranstaltung – waren nur geringe Geschwindigkeitsgewinne möglich. Aber seit der Einführung von Hydrofoils 2013 fliegen die Boote buchstäblich über das Wasser. Foils sind leichte, hydrodynamische Flügel, die den Bootsrumpf aus dem Wasser heben, wenn gewisse Windgeschwindigkeiten erreicht werden.

Beim AC50 reichen schon sechs Knoten (11 km/h). Dadurch wird der Widerstand erheblich verringert, weil nur kleine Teile des Foils (und nicht der ganze Rumpf) das Wasser berühren, was erklärt, wie die Boote praktisch über Nacht exponentiell schneller wurden. Die AC50s haben sogar die 50 Knoten (93 km/h) schon überschritten.

„Es ist wie Formel 1 auf dem Wasser“, sagt der Skipper von Oracle Team USA, Jimmy Spithill. Der Vergleich ist gar nicht so abwegig. Wie F1-Wagen sind die AC50s speziell angefertigte, hochentwickelte Maschinen, mit Materialien wie Kohlefaser und Titan gebaut und mithilfe von Supercomputern entworfen, die strömungsdynamische Berechnungen durchführen.

Eine kurze Geschichte der Hydrofoils

© YouTube // America’s Cup

DAS SOLL EIN SEGEL SEIN?

Das Hauptsegel der AC50 ist eigentlich ein starrer Flügel und kein Segel. Aber statt wie bei einem Flugzeug Auftrieb zu erzeugen, verleiht es dem Boot einen Vorwärtsschub im Wasser. An der Entwicklung des Flügelsegels, das aus einem Karbonfasergerüst besteht, ummantelt mit einer Kunststofffolie der Firma Clysar, war auch Airbus beteiligt. 

WIND OF CHANGE

Boote mit Hydrofoils sind so schnell und effizient, dass sie ihren eigenen Wind, sogenannten „Scheinwind“, generieren, wodurch sie Geschwindigkeiten von bis zu 25 Knoten (46 km/h) bei nur 6 Knoten (11 km/h) Windstärke erreichen können. 

BIG DATA

Die dem Oracle Team USA zur Verfügung stehende Computerleistung ist 100-mal so hoch wie noch vor drei Jahren. Ungefähr 100 kleinste Sensoren am Boot nehmen über 600 Kanäle Daten auf und senden sie in Echtzeit an ein Büro, in dem Ingenieure sie analysieren und bei Bedarf täglich Änderungen vornehmen können. 

AC50 steering wheel

DAS STEUERRAD

Mit über 100 km/h Topspeed bläst der Wind dem Segler ins Gesicht. Daher sind die Steuerelemente so einfach wie möglich. Skipper Jimmy Spithill hat ein zum Teil von BMW entwickeltes Steuer in der Hand mit Tasten zum Heben und Senken sowie Drehgriffen zum Justieren der Neigung der Foils. 

HYDROFOILS

Jedes Team darf zwei Sets Steckschwert-Hydrofoils entwerfen, eines für schwache und eines für starke Winde. Man kann sie mit Reifen bei Autorennen vergleichen, die ja auch je nach Streckenbedingungen gewechselt werden können.

HYDRAULIK

Die Hydrauliksysteme des Bootes wurden in Zusammenarbeit mit Airbus und dem Raumfahrtunternehmen Parker Hannifin entwickelt. Ingenieure beider Unternehmen sind seit zwei Jahren mit dem Oracle Team USA in Bermuda vor Ort. Airbus arbeitet hauptsächlich an den Kontrollsystemen, während Parker sich der Hardware widmet.

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06 2017 The Red Bulletin

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