Michael Strasser in Ägypten

Michael Strassers Blog -
Quer durch Afrika und du bist mit dabei

Fotos: Cairo2Cape/Wisser

Triathlet Michael Strasser hat sich ein Ziel gesetzt: 11.500 Kilometer mit dem Rad von der Nordküste Afrikas bis zum Kap der Guten Hoffnung - „Cairo2Cape“ eben. Wie es ihm auf der Tour, die er in weniger als 40 Tagen bewältigen will, ergeht, verrät er in seinem exklusiven Blog.

Tag 7 – Zwei Tage schneller

Mitten im Nirgendwo vom Sudan verbrachten wir die heutige Nacht. Das Aufstehen war dafür wirklich leicht und ich konnte rasch mein Leistungslevel erreichen. Den ganzen Tag über herrschte gute Laune. Mit unter ein Grund ist der andauernde Rückenwind, jetzt liegt mal das Glück auf meiner Seite. Die vielen Wartezeiten bei den Grenzübergängen kosteten uns eh genug Nerven.

Mit den guten Windbedingungen fuhr ich einen so guten Kilometerschnitt, dass sich meine Ausgangsposition im Kampf um den Weltrekord radikal verbesserte. 373 Kilometer waren es am Ende des Tages. Angekommen in der Hauptstadt des Sudan, in Khartoum, sorgten sich Inge und Chris um unseren Lebensmittelvorrat und um unsere Trinkreserven, denn die nächsten zwei Tage werden wir wieder quer durch die Wüste fahren. Die Hauptstadt ist modern und die Sudanesen sind sehr hilfsbereit. Wir übernachteten am Campingplatz ein bisschen außerhalb der Stadt im Auto.

Inge hatte ein bisschen mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Während Chris am Steuer saß, schlief sie im Auto, um wieder fit zu werden. Als ausgebildete Ärztin bekam sie die Situation mit ein paar Tabletten schnell in den Griff.

Michael Strasser und Inge

Inge leistete mir wieder ein paar Kilometer lang Gesellschaft. 

 

„Ganze zwei Tage weniger brauchten wir bis jetzt, als beim aktuellen Weltrekord.“
Ein Blick auf die Uhr motiviert

 Ein Erlebnis möchte ich euch noch erzählen: Bei einem der unzähligen Checkpoints vom Militär bzw. von der Polizei wollte Inge filmen, doch das gefiel einem Beamten ganz und gar nicht. Er wollte uns schon die Kamera abnehmen und es bildete sich eine große Menschentraube um uns. Ein bisschen beängstigend. Der Filmschnitt wurde gelöscht und die Situation beruhigte sich langsam. Leider waren dort keine Einheimischen der englischen Sprache mächtig.

Jetzt zu was Erfreulichem: Ich kann es selbst nicht ganz glauben, aber wir sind echt schnell unterwegs. Ganze zwei Tage weniger brauchten wir bis jetzt als beim aktuellen Weltrekord. Das heißt noch nichts, wir haben erst knapp 20 Prozent der Strecke absolviert. Aber es gibt mir eine gehörige Portion Selbstvertrauen, dass sich die letzten zehn Jahre Training bezahlt gemacht haben.

Da wir nur mehr knapp 600 Kilometer im Sudan fahren müssen, werden die nächsten Tage nicht so anstrengend. Wir können erst montags die Grenze nach Äthiopien passieren, weil die Grenzübergänge dort am Wochenende nicht offen haben. Ein bisschen Regeneration tut meinen Muskeln aber eh gut.

Gemeinsam schaffen wir das, euer Michael! 

Tag 6 - Grenzen der Belastbarkeit

Bald haben wir eine Woche um und wir kommen unserem Ziel, dem Kap der guten Hoffnung, täglich näher. Ich könnte ein bisschen Abwechslung gebrauchen, denn die Konzentration lässt echt schnell nach, wenn man im Sudan stundenlang nichts anderes als flaches Land, Sand und Sonne sieht. Keine Häuser, keine Menschen, dadurch auch keine positiven Zurufe. Die Motivation war bei mir am Boden. 

Michael Strasser - Strapazen

Die Strapazen vom Radfahren sind im Gesicht deutlich sichtbar.

In Vorbereitung zum Start am Morgen bin ich fast zusammengebrochen. Ich wollte mein geliebtes Fahrrad nicht mehr sehen, wollte nur mehr weinen. Gerade das Aufstehen nach einer viel zu kurzen Nacht und das Einfahren, damit mein Körper wieder auf Touren kommt, gehen an die Grenzen der Belastbarkeit meiner Psyche.

Dank Inge und Chris war das kurze Tief schnell überwunden und ich widmete mich wieder voller Motivation meinem Weltrekord. Ein Red Bull pushte mich auch wieder nach vorne und gab mir Kraft in den Beinen.

Kraft geben mir auch meine zwei Teammitglieder. Aufgrund der eintönigen Landschaft nutze ich derzeit vermehrt mein Funkgerät und plaudere mit den beiden im Auto. Ihr glaubt nicht, welches Thema wir derzeit haben: Ex-Freundinnen und Ex-Freunde.

Ein wirklich spannendes Thema, dass uns echt viel zum Lachen brachte. Warum es mit der einen Freundin von mir nicht mehr klappte, auf welchen Typ Mann Inge steht oder wie romantisch der erste Kuss von Chris war? Da gab’s ein paar Aussagen zum Schmunzeln.

„Ich wollte mein geliebtes Fahrrad nicht mehr sehen, ich wollte nur mehr weinen.“
Auswüchse der Erschöpfung

Die Stimmung zwischen uns ist also weiterhin sehr positiv und der „Schmäh“ fährt ständig am Rad und im Auto mit. Inge und Chris könnten als Gag-Schreiber arbeiten, wenn ihnen bis zum Ende von Cairo2Cape nicht die Witze ausgehen.

Immer wieder höre ich durch den Funk, wie viel Support ich von euch bekomme. Nur einen Bruchteil davon erlebe selbst mit, aber es motiviert mich enorm, wenn so viele von euch mit uns in Afrika mitfiebern.

Michael Strasser - Powernap

Schlafen im Teamauto, im Nirgendwo bei einer Tankstelle im Sudan. 

Mein derzeitiger Tagesablauf ist 15-18 Stunden Radfahren, viel essen und trinken und 4-5 Stunden schlafen. Ich nütze jede Minute für Regeneration und Ruhe.

Heute holten wir übrigens wieder kräftig Zeit auf und fuhren 354 Kilometer. Unser Tag endete im Nirgendwo im Sudan bei einer Tankstelle, dort schliefen wir im Auto. Zwar ein bisschen kalt, weil uns die Schlafsäcke in Alexandria gestohlen wurden und wir jetzt nur billigen Ersatz aus dem Supermarkt haben. Aber was uns nicht umbringt, macht uns nur härter. Es läuft alles Plan, wir hören uns morgen!

Gemeinsam schaffen wir das, euer Michael! 

Tag 5 - Sperrgebiet und Dehydration

„Mit reiner Muskelkraft quer durch Afrika“, war mein Motto. Bis zum Schluss habe ich an meine Seedurchquerung beim Assuan-Stausee geglaubt. Schwimmend oder mit dem Kajak paddelnd war das Ziel, wir führen ja auch das Kajak am Anhänger mit. Geworden ist es nichts. Die Begründung, es ist nicht erlaubt durchzuschwimmen, da es militärisches Sperrgebiet ist. 

Fischerboote am Assuan Stausee

Die Fischerboote am Assuan-Stausee sind erlaubt, das Schwimmen wurde nicht geduldet. 

Das heißt, es dürfen keine Menschen in den See. Nicht nur die gefährlichen Tiere wie Hippos und Krokodile im Wasser, sondern auch das Militär haben es also nicht möglich gemacht, die Seedurchquerung per Muskelkraft umzusetzen. Trotzdem bin ich froh, Ägypten sicher und mit guter Zeit verlassen zu haben, denn ich hatte immer im Hinterkopf, wie werde ich den See meistern.

Dafür lief bei der Fahrt mit der Fähre alles nach Plan. Wir erreichten um 8 Uhr das Schiff und konnten rasch weiterfahren. Noch wenige Kilometer auf ägyptischem Gebiet, kam bald die Grenze zum Sudan. Dort musste meine Crew zwei Stunden warten, obwohl wir das einzige Auto an diesem Tag waren, das den Grenzübergang passierte. Für mich war wichtig, dass ich alleine weiterfahren konnte und wichtige Zeit für den Weltrekord wieder aufholen konnte. Meine Crew musste außerdem noch drei weitere Stunden bei der Einreise in den Sudan warten.

Somit war ich insgesamt mehr als fünf Stunden alleine unterwegs, keine Leichtigkeit, wenn man bedenkt, dass es im Sudan wirklich heiß ist. 40 Grad Celsius in der Sonne ließen meinen Wasserhaushalt rapide nach unten gehen. Auch meine Nahrungsreserven neigten sich dem Ende zu, ich begann zu dehydrieren. Ich dachte mir, muss ich jetzt echt meinen Urin trinken? Klingt grauslich, wäre meine letzte Lösung gewesen, dort ist weit und breit Wüste. Aus dem Nichts kam dann endlich mein Betreuerauto und sie verordneten mir eine kurze Pause, um keine gesundheitliche Gefährdung zu riskieren. Schließlich schafften wir 283 Kilometer, was echt ein guter Wert ist. 

„Ich dachte mir, muss ich jetzt echt meinen Urin trinken?“
Michael Strasser im Sudan

Eine kurze Pause mit der Crew zum Essen für die nötige Kraft war schon notwendig. 

Somit haben wir unser erstes Land hinter uns gelassen. Ägypten war für uns von Beginn an unberechenbar und gilt derzeit als unsicheres Land, schließlich gab es noch vor wenigen Wochen einen Terroranschlag in Hurghada. Trotz unzähliger Militär- und Polizeicheckpoints hatten wir keine Zwischenfälle und holten in dem Land viele Stunden für den Weltrekord auf.

Der Sudan hat bis jetzt nichts als Wüste zu bieten, dafür sehr freundliche Einheimische, die einem sofort helfen wollen und ihre Unterstützung anbieten. 

Seid ihr eigentlich schon mal 15 Stunden und mehr am Stück am Fahrradsattel gehängt, so wie es bei mir gestern der Fall war? Einen Tag verkraftet man trotz der Schmerzen am Gesäß, aber tagelang geht man mit diesen Strapazen an die Grenzen seiner Belastbarkeit. Ich weiß, dass ich Großes vorhabe und da stecke ich die Schmerzen weg, auch dank eurer Unterstützung. Unterstützung bekomme ich zudem rund um die Uhr von meinem Betreuerteam, die sich echt intensiv um mich kümmern.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ihnen schmeckt, was sie kochen, aber Reis mit Ketchup und Salz bringen richtig viel Kraft. Inge und Chris meinen, ich schaufle die Portionen in mich hinein, als ob ich tagelang nichts zu essen hätte. Egal ob kalt oder warm der Reis, ich muss echt viel essen, damit ich mein Leistungslevel halten kann. 15.000 Kalorien Energieverbrauch können es pro Tag schon werden, noch dazu kommen Hitze und Müdigkeit, die die Situation nicht einfacher machen …

Michael Strasser im Sudan

Viele Einheimische drücken uns die Daumen. 

TAG 4 - Bekanntschaft mit dem Militär

Es wäre nicht das Projekt „Cairo2Cape“, wenn wir keine Probleme abseits vom Radfahr-Marathon hätten. Heute früh mussten wir leider an einem Militär-Checkpoint echt lange warten. Es fehlten angeblich Papiere, sodass ein Durchkommen vorerst nicht möglich war. Die Auskunft lautete, wir müssten auf die Militäreskorte warten, die uns begleiten soll. Ich nutzte die Zeit zum Schlafen, während Inge und Chris mit dem Checkpoint verhandelten. Schlussendlich war unsere Eskorte ein Touristenbus mit einem Polizisten, den wir rasch aus den Augen verloren haben. Der Vormittag zehrte echt an den Kräften und an der Psyche, denn für den Weltrekord braucht es jede Minute und da sind solche Zwischenfälle nicht gerade förderlich.

Gegen Mittag war der Weg frei und von da an ging es mit dem Rennrad rasch voran. Keine Militärcheckpoints weit und breit in Sicht machten gute Laune im gesamten Team. Ärztin Inge fuhr ebenfalls eine Stunde neben mir mit. Das war ein gutes Teambuilding für uns, wir verbringen schließlich noch viele Tage miteinander. Die Gespräche mit ihr motivierten mich zusätzlich, denn Sporteln in der Gruppe macht mehr Spaß als alleine.

Michael Strasser und Inge

Inge und ich beim Radeln

Gegen 22 Uhr kamen wir in Abu Simbel in einem Gästehaus an. Mit dem Auto müssen meine Betreuer morgen um 8 Uhr früh die Fähre erreichen. Ob ich mit dem Kajak über den Stausee paddle oder schwimme, entscheiden wir mit den Einheimischen vor Ort. Heute bewältigten wir 275 Kilometer, ein bisschen weniger als die letzten Tage, aber wir haben eben die Seekreuzung morgen vor uns. 

Gemeinsam schaffen wir das, euer Michael!

Michael Strasser Pause

Ein kurzer Schlaf am Militärcheckpoint

TAG 3 - „Welcome to Egypt“

Kilometerlange Straßen, brütende Hitze und weit und breit keine Städte oder Dörfer in Sicht. Ägypten hat nicht nur Hotelpaläste am Meer, sondern vor allem ein wüstenähnliches Innenland. Alle 50 Kilometer wartet ein Militär- oder Polizeicheckpoint, wo mein Betreuerauto jedes Mal aufs Neue erklären muss, was wir gerade „Verrücktes“ vorhaben. Zuerst gibt es von den Beamten skeptische und böse Blicke, doch wenn wir ihnen die Fahrräder im Anhänger zeigen, kommt ihnen ein Schmunzeln über die Lippen. Und dann begrüßen sie uns mit „Welcome to Egypt! Nemsa (Arabisch für Österreicher, Anm.) people are good people“.

Unser Vorankommen bot uns heute ein besonderes Highlight: Wir schafften die ersten 1.000 Kilometer! Begonnen hat es auf der Autobahn, die aufgrund der Bodenverhältnisse zum „Kilometer-Fressen“ und zum Einfahren perfekt ist. Doch es wäre nicht Afrika, wenn es so weitergehen würde.

Michael Strasser - Mittagspause

Mittagspause und kleine physiotherapeutische Versorgung

Man kann es etwa so nennen: Eine Autobahn, die noch keine ist. Ich musste Streckenabschnitte bewältigen, die noch unbearbeitet waren. Es lag lose Erde, die sehr weich war. Von da an war kein Weiterkommen mehr möglich. Mein Fahrrad musste ich auf die Schulter nehmen und zu Fuß weitergehen. Selbst mit meinem Mountainbike wäre ein Bezwingen der Strecke unmöglich gewesen. Sehr gefährlich für mich und das knapp 20 Jahre alte Betreuerauto sind die unzähligen hohen Bodenwellen auf den Straßen. Ständiges Abbremsen bzw. „Drüberspringen“ kosten viel Kraft und Nerven. Insgesamt waren es heute 355 Kilometer!

Bereits heute konnte ich erstmals den großen Nassersee von unserem Gästehaus sehen. Den 500 Kilometer langen Stausee werde ich fast bis zur Gänze entlangfahren. Angekommen bei einer der engsten Stellen, nahe dem Sudan, werde ich den See mit purer Muskelkraft durchqueren. Ich weiß, dort leben zig Krokodile und Nilpferde, aber mit Hilfe der Einheimischen möchte ich das Unmögliche schaffen. Jedoch bin ich mir bewusst, dass die Sicherheit vorgeht. Ich melde mich morgen wieder.

Gemeinsam schaffen wir das, euer Michael! 

Blick auf den Assuan-Stausee

Blick auf den Assuan-Stausee

Michael Strasser Crew

Die glückliche Teamcrew

TAG 2

Nach einer kurzen Nacht im Nirgendwo in Ägypten, wurden wir ungemütlich vom Militär geweckt. Um 6:30 Uhr starteten wir in den zweiten Tag. 

Das Auto ist aufgetankt und wir sind soweit alle fit. Wir hoffen auf einen guten Tag mit viel Rückenwind ;). Alle technischen Geräte sind startklar und einsatzfähig. Die Strecke in Ägypten wurde kurzfristig geändert. Sie führt nun über das Niltal. Wir versuchen eben, neue und schnellere Wege zu fahren.

Danke für eure vielen Glückwünsche und Zusprüche! Meine Crew füttert mich fast stündlich mit eurem Feedback via Facebook, Twitter und Co. 

Gemeinsam schaffen wir das, euer Michael!

Michael Strasser in Alexandria

Start am Strand von Alexandria

TAG 1

Endlich geht es los! Nach einem Tag Verspätung starteten wir pünktlich um 7:12 Uhr (Ortszeit Ägypten) vom Strand von Alexandria: Der Beginn unseres Weltrekordprojektes.

Die Straßenverhältnisse waren anfangs sehr gut. Leider ging viel Zeit in den engen Gassen rund um die Pyramiden von Gizeh verloren. Dann schafften wir es wieder auf eine befestigte Straße und konnten Zeit aufholen. Das Tagesziel von 406 Kilometer wurde erst gegen Mitternacht erreicht. Nicht wie gedacht beginnt das Abenteuer erst im Süden, sondern schon jetzt im Norden Afrikas. Wir sind guter Dinge und hoffen, unser Tagesziel auch morgen zu erreichen, um damit jeden Tag den Weltrekord ein Stückchen näher zu kommen.

Dank eurer Unterstützung, ist es um vieles leichter. 

Gemeinsam schaffen wir das, euer Michael!

Michael Strassers Bus

Letzter Check im Auto vor dem Start

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02 2016 Redbulletin.com

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