Cam Newton

„Ich liebe den Fakt, dass ich nicht alles kontrollieren kann“

Text: JARED FREEDMAN
Fotos: RAFAEL PULIDO 
Styling: EVET SANCHEZ 
Grooming: RYAN KLECKLEY

NFL-Quarterback Cam Newton weiß, was es heißt, das Richtige oder das Falsche zu tun. Wer ihm dabei hilft? Vorbilder, Mentoren, Karma und natürlich er selbst.

Du hast auf deinen Social Media-Accounts Kommentare zum Tod Muhammad Ali´s gepostet. Was ist das Spezielle an ihm, dass du am meisten bewunderst hast? 

CAM NEWTON: Ich liebe alles, für das Muhammad Ali gestanden hat, genauso wie ich ihn für seine Rolle bewundere, die er für den Boxsport gespielt hat – sein Leben innerhalb und außerhalb des Rings inspiriert mich. Es wird nie mehr so jemanden geben wie ihn. Ich war und bin beindruckt von allem, was er getan hat und von seinem Auftreten und seiner Lebensweise.

Versuchst du etwas von seinem beeindruckenden Leben auch in deinem umzusetzen?

Ich hoffe doch! Mein Vater, meine Trainer und Mentoren haben mir immer gesagt, dass ich meinen Erfolg und Einfluss in einem positiven Weg einsetzen soll. Muhammad war nur ein Kind aus Kentucky, das es geschafft hat unser aller Leben zu beeinflussen. Er setzte seine Gabe ein und unterstützte andere dadurch. Er ist wirklich ein großes Vorbild für mich!
 
Weil wir gerade von persönlichen Helden sprechen: Wer sind deine und warum?

Ganz klar Muhammad Ali, aber auch Barack Obama und Steve Jobs – einfach starke Persönlichkeiten, die wissen wer sie sind, und wo ihre Stärken liegen. Es spielt keine Rolle, ob sie Sportler, ein Entwickler oder eben der Präsident von Amerika sind. Was ich bewundere sind Menschen, die für das einstehen, woran sie glauben und andere in einem positiven Weg beeinflussen.

Glaubst du, es ist wichtig Mentoren und Vorbilder zu haben?

Darum geht es im Leben! Es geht um das Erlernen verschiedener Dinge voneinander. Man muss immer mit offenen Augen und Herzen durch’s Leben gehen, denn man weiß nie, wer oder von was du etwas lernen kannst.

Was sind die schwierigsten Aspekte des Ruhmes für dich? 

Ich bin sehr froh, eine starke Basis an Menschen um mich zu haben – Familie, Freunde, geliebte Menschen, die mich am Boden halten, egal ob ich nun die richtigen oder falschen Dinge tue. Ich habe Menschen um mich, die mir immer zur Seite stehen, und mir auch aufzeigen, wenn ich mal daran bin, etwas Falsches zu tun.

Welchen Einfluss hat der Ruhm auf deine öffentliche Person?

Ich habe gelernt, dass ich so gut wie keine Kontrolle darüber habe, was die Öffentlichkeit über mich denkt. Aber leider beeinflussen die Medien in einer unangenehmen Art die Sichtweise auf meine Person. Ich habe unzählige Male Leute getroffen, die danach zu mir sagten: “Ich hätte nie gedacht, dass du so bist.” Ich bin nicht das Bild, das die Menschen im TV sehen. Ich liebe Football, ich liebe es wie ich bin und ich liebe die Menschen, die mich umgeben. Ich liebe generell Menschen und den Fakt, dass ich eben nicht alles kontrollieren kann.

Es ist offensichtlich, dass du die Idee ein Vorbild zu sein sehr Ernst nimmst. Was willst du deinen jungen Fans auf und abseits des Feldes mitgeben?

Ich will, dass sie sehen, mit welcher Leidenschaft ich lebe und Football spiele. Das ist auch der Grund, warum ich meine Foundation habe – ich will immer etwas zurückgeben, das ist wichtig für mich. Einige Leute sehen zu mir auf, andere sehen mir nur zu - aber warum soll ich meinen Status, den mir Gott geben hat, nicht positiv nutzen? 

Leute sehen die Dinge, die ich mache: wie ich gehe, wie ich rede, was ich trage, wie ich spiele und daraus ziehen sie ihre Schlussfolgerungen – einige mögen es dann, andere nicht, aber jeder darf seine eigene Meinung haben. Aber für die Menschen, die zu mir aufsehen, versuche ich mein Bestes, damit sie eine leidenschaftliche Person sehen, die alles im und am Leben liebt.

Reden wir über die Cam Newton Foundation. Warum war es so wichtig für dich, diese zu gründen?

Es ist mir einfach wahnsinnig wichtig, etwas zurückzugeben. Die Foundation ist sozioökonomisch und hilft Kindern dabei, ihre Träume zu leben. Zurzeit sind wir mit der Organisation hauptsächlich in Charlotte und Atlanta, wir hoffen aber, dass wir eines Tages landesweit fungieren können.

Wie kam es zur Gründung, und um was geht es genau?
 
Mein Vater, er ist Priester, hat mir immer gezeigt, dass es wichtig ist zurückzugeben. Das Ziel ist es, Kindern Möglichkeiten zu schaffen, und sie dabei zu unterstützen ihre Träume zu leben. Es geht darum sie zu motivieren raus zu gehen, aktiv zu werden und dies zu genießen. Und wir unterstützen das zu 100% und motivieren sie.

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Was waren die Highlights der Foundation bis jetzt?

Eines meiner persönlichen Highlights war unser Thanksgiving-Event. Wir verköstigten im letzten Jahr mehr als 900 Leute, das war einfach großartig! Außerdem hatten wir “Weihnachten mit Cam”, wo wir mit lokalen Krankenhäusern zusammen arbeiteten. Und wir veranstalten den “School-Pride-Day” mit 25 bis 30 Schulen in Charlotte. Die Kids müssen dafür einen guten Notendurchschnitt haben sowie wenige Fehlstunden und müssen sich gut verhalten – dann dürfen sie daran teilnehmen. Wir wollen damit auch einen Anreiz für die Kinder schaffen, gut in der Schule zu sein.

Was waren die größten Herausforderungen bis jetzt?

Bis jetzt haben wir alles gut gemeistert, aber wer weiß, was noch auf uns zukommt! Unser Ziel ist es einfach, Kinder positiv zu beeinflussen, sie zu animieren Ziele zu haben, und ihre Träume umzusetzen.

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Wenn man etwas gut macht und damit hervorsticht, wird es immer Leute geben, die negative Sachen darüber sagen. Stört es dich, oder ist es einfach etwas, womit man leben muss? 

Das ist etwas, das ich einfach akzeptieren muss. Ich lebe mein Leben nicht für die Meinungen anderer Leute. Ich lebe mein Leben für mich und meinen inneren Frieden, wissend, dass ich von jeder Lebenserfahrung lernen werde. Egal ob es nun eine gute oder schlechte Erfahrung ist, ich werde davon etwas für mich mitnehmen. 

Manchmal scheint es so, als wollen die Leute durch die sozialen Medien, 24/7 Zugang zu den Leben von Celebrities haben. Wie gehst du damit um?

Ich lasse nicht zu, dass die sozialen Medien mich benutzen – ich benutze sie. Ich kann damit zeigen, wer ich wirklich bin, auch abseits des Footballs.

© Youtube // NFL

Also sind die sozialen Medien eine Plattform, die du kontrollierst. Welche Nachricht willst du deinen Followern vermitteln?

Ich will, dass die Menschen mehr als nur einen Footballspieler sehen. Ich glaube, ich versuche wirklich, ein guter Mensch zu sein – es war einfach ein Zufall, dass ich nun auch Football spiele.

Glaubst du, es ist für Celebrities heutzutage schwieriger aufgrund der sozialen Medien? 

Na klar! Man steht dadurch unter genauer Beobachtung – von dem was du sagst bis hin zu mit wem du abhängst. Man muss sein Privatleben bis zu einem gewissen Punkt auch schützen, damit man sich wenigstens noch etwas Privates erhält.

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Du und deine Eltern sind sehr eng miteinander. Wie haben sie dich auf den Erfolg auf und abseits des Feldes vorbereitet?
 
Ich bin wirklich gesegnet, solche Eltern zu haben, die mir immer gezeigt haben, was richtig und was falsch ist. Außerdem habe ich einige Menschen um mich, die mich immer unterstützt haben. Aber das Meiste habe ich meinen Eltern zu verdanken, die immer ein Auge auf mich hatten und mir so vieles beigebracht  und gezeigt haben.

„Ich glaube, ich versuche wirklich, ein guter Mensch zu sein – es war einfach ein Zufall, dass ich nun auch Football spiele.“
Cam Newton

Wie ist deine Stellung in deiner Community?

Ich denke, es ist wichtig für mich, immer eine Stimme in meiner Community zu haben, eine Person zu sein, die immer erreichbar ist. Und ich sage erreichbar, weil es oftmals einfacher ist, Geld zu spenden, oder dies und das zu unterstützen, aber es ist schwieriger seine Zeit dafür zu opfern. Ich will einfach immer da sein.
 
Und wie denkst du über deine allgemeine Stellung in der Gesellschaft?

Ich will ein Auslöser für etwas Großes sein. Als ich Vater wurde, wurde mir bewusst, dass dies nun noch wichtiger wird, weil es auch meinen Sohn betreffen wird. 

© Youtube // SIKE

Hat sich deine Sichtweise geändert, seit du Vater bist?
 
Ein Kind zu bekommen ändert einfach alles. Du denkst, du hast schon richtig geliebt, aber wenn du dann in diesem Krankenhauszimmer bist, und er zum ersten Mal schreit, ändert sich alles und du schätzt das Leben noch mehr.

Hat dich die Vaterschaft dazu gebracht, Dinge anders zu machen?
 
Ich denke, es hat mich dazu gebracht, fokussierter auf die Dinge zu sein, die im Hier und Jetzt geschehen, und diese noch mehr zu unterstützen. Ich weiß, dass für den Rest meines Lebens jemand da sein wird, der zu mir hochsieht, und das spornt mich noch mehr an, das Beste aus mir und meinem Leben zu machen. 

Diese Sportstars haben die Sportart gewechselt

In letzter Zeit sorgten vor allem die Wechselpläne von zwei Sportlern für Aufsehen: NBA-Basketballstar Nate Robinson will zum Football in die NFL wechseln und hat bereits ein Probetraining bei den Seattle Seahawks hinter sich. Hierzulande ist es vor allem Tim Wiese, der mit seinem angestrebten Wechsel zum Wrestling Schlagzeilen macht.

Letzte Frage: Hast du ein Mantra oder einen Satz, nach dem du zu leben versuchst?
 
Ja, einen ziemlich einfachen: “Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.” Ich glaube nicht unbedingt an Karma, aber wenn du eine gute Person bist, wird dir auch Gutes geschehen.

Das Interview ist im Humanity Nr. 9 erschienen: HIER kannst du es in der englischen Original-Fassung noch einmal nachlesen.

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08 2016 The Red Bulletin

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