Speedski-Fahrer Manuel Kramer: Starke Zahlen

Speedski in Zahlen: So schnell ist Manuel Kramer

Foto: FRAEM
Text: Christian Eberle

Mit über 250 km/h den Berg hinunter - das ist Speedski. Vizeweltmeister Manuel Kramer über die Zahlen der extremen Skisportart und das Gefühl, wenn ein Fehler der letzte sein könnte.

Rückblick ins Jahr 2009, alpine Ski-Junioren-Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen: Der Österreicher Manuel Kramer holt Gold im Super-G. Geschlagen um 41 Hundertstel auf Platz 2: ein gewisser Marcel Hirscher. Acht Jahre später ist jener Hirscher sechsfacher Weltcup-Gesamtsieger. Der schnellere Skifahrer ist aber immer noch Kramer. 

„Ich war immer schon ein Speed-Junkie und habe die schnellen Strecken geliebt - Haneggschuss in Wengen, wo der Wind so richtig pfeift, oder den Schlusshang von Kitzbühel“, erklärt der 28-Jährige und ist zufrieden mit dem neuen Betätigungsfeld, in dem er dieser Leidenschaft fröhnen kann: Speedski.

Uns erklärt Kramer anhand von beeindruckenden Zahlen die Besonderheiten des Sports, in dem er sich 2017, in seiner erst zweiten vollen Saison, zum Vizeweltmeister gekrönt hat.

246,914

km/h - persönlicher Rekord

„Ich habe meine Bestzeit zuletzt in Vars auf die Tausendstel genau eingestellt. Allerdings bin ich nicht dorthin gefahren, um meinen persönlichen Rekord zu verbessern, sondern um den Weltrekord zu knacken. Das hat aufgrund der Verhältnisse heuer leider nicht funktioniert. Der Schnee war zu weich. Nichtsdestoweniger muss ich zufrieden sein, weil ich mir erst am 8. Jänner den Knöchel gebrochen habe. Somit bin ich zumindest der schnellste Skifahrer der Welt mit einer Titanplatte und sieben Schrauben im Fuß.“

3 Männer, 1 Ziel: Geschwindigkeit!

© YouTube // SpeedSkiAustria

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„Der Wind versucht dich ständig aufzurichten und noch ein paar andere Sachen mit dir. Da bist du dann in einer Phase, in der der Körper auf Überlebensmodus schaltet.“
Manuel Kramer über das Gefühl jenseits von 230 km/h
70

Prozent, die das Material ausmachen

„Für einen Weltrekord muss alles zusammenpassen: Ski, Wachs, Equipment, Helm, Anzug, Spoiler, Stöcke und die richtige Schuheinstellung für das Rennen. Und dann kommt, was wir gar nicht beeinflussen können: Das Wetter und die Schneeverhältnisse. Das sind die Grundvoraussetzungen für schnelles Fahren. Der Rest bin dann ich. Und für den Fahrer gilt in erster Linie: Du musst im Kopf brutal stark sein.“

Manuel Kramer beim Speedski

Manuel Kramer, als Athlet nur ein Teil der „Beschleunigungsmaschine“

© Remí Morel

7

Sekunden von 0 auf 200 km/h

„Am Anfang fährst du gemütlich weg, auch wenn es extrem bergab geht. Bis 230 km/h, so sage ich immer, ist es ein wenig wie Zugfahren. Durch den aerodynamischen Helm hörst du den Wind nicht so. Es ist wie im ICE, wenn du aus dem Fenster schaust. Da passt alles. Erst ab 230 km/h fängst du dann zu kämpfen an. Der Wind versucht dich ständig aufzurichten und noch ein paar andere Sachen mit dir. Da bist du dann kurzzeitig in einer Phase, in der der Körper auf Überlebensmodus schaltet.“

Speedski

Geschwindigkeitsskifahren (Speed Ski) ist eine Sportart, bei der Sportler auf Skiern und mit besonderer Ausrüstung eine speziell präparierte Piste hinab fahren und dabei versuchen, möglichst hohe Geschwindigkeiten zu erzielen. Der aktuelle Weltrekord, aufgestellt vom Italiener Ivan Origone, liegt bei 254,958 km/h.

Mehr Infos unter speedskiing.at

92

Kilogramm Gewicht

„Wenn die Masse einmal zum Laufen beginnt, dann hilft’s, wobei ab 200 km/h nur mehr die Aerodynamik wichtig ist. Auf den letzten 100 Metern, auf denen dann die Geschwindigkeit gemessen wird, hast du dann noch eine leichte Kompression. Da musst du extrem kompakt durchfahren. Bis 230 km/h hast du, wie gesagt, alles noch relativ gut unter Kontrolle. Dann fängt noch einmal ein neues Leben an. Woran ich dann denke? An nicht viel! Am ehesten noch ans Abbremsen nach Ende der Messung. An die Kontrolle, die du brauchst, um nicht zu Sturz zu kommen.“

Manuel Kramer

Let's go!!!!

2

Tage Schneetraining

„Es gibt keine 15 Strecken, auf denen du 150-180 km/h fahren kannst und die Sicherheit gewährleistet ist. Mein Training beschränkte sich demnach auf ein Wochenende mit Klaus Schrottshammer (Teamkollege und österreichischer Geschwindigkeits-Rekordhalter, Anm.) im Jänner in Vars. Das zweite Wochenende musste ich aufgrund meiner Verletzung auslassen. Diese 12-14 Fahrten reichen aber aus – da heißt es dann, das Beste daraus zu machen.“

What a day for Speedski Austria 2. Manuel

What a day for Speedski Austria 2. Manuel Kramer , 3. Klaus Schrottshammer bei der WM in Idre Fjäll nur knapp geschlagen vom Franzosen Bastien Montès Herzliche Gratulation!

3 - 5

einbeinige Kniebeugen pro Serie

„Auch abseits des Skifahrens betreibe ich viel Sport, Radfahren, Wandern, etc. Dazu kommt noch Workout im Fitnesscenter. Da jetzt Speedskifahren nicht so anstrengend ist, trainiert man eigentlich für seine eigene Sicherheit. Wenn du in Vars bei 240 bis 250 Stundenkilometern dem Druck nicht standhältst, wird es gefährlich. Das Training ist also meine eigene Versicherung. Und Training heißt in erster Linie: Maximalkrafttraining. Man muss nicht viel Kraft-Ausdauer trainieren. Rumpf, Bauch, Rücken sind die wichtigsten Bereiche, die gestärkt sein müssen, um zu bestehen, wenn es dich in die Kompression reindrückt. Das Standard-Workout: Einbeinige Kniebeugen auf instabilem Untergrund mit Gewichten.“

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03 2017 The Red Bulletin

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