Hublot Design Prize 2016

Hublot Design Prize 2016

Text: Gisbert L. Brunner
Bilder: Gisbert L. Brunner / Hublot

Der Award für Jung-Designer(innen) wurde zum zweiten Mal vergeben. Und diesmal „konnte nur einer siegen“.
Gisbert L. Brunner

Gisbert L. Brunner schreibt seit 1981 über Armbanduhren. Von ihm stammen mehr als 20 Bücher zu diesem Thema.

Traditionell ist er noch nicht, der „Hublot Design Prize“, dazu muss er in meinen Augen mindestens drei Mal stattfinden. Aber die Genfer Luxusuhren-Manufaktur ist auf dem besten Weg, eine Tradition zu begründen, denn 2016 ging das Event, welches jungen Designerinnen und Designern ein Forum bieten möchte, in die zweite Runde.

Die Idee stammt von Jean-Claude Biver, der dem Hublot-Verwaltungsrat als Präsident vorsteht, Ricardo Guadalupe, dem Hublot-CEO und Pierre Keller, dem einstigen Direktor der Kunst- und Design-Universität Lausanne (ECAL) sowie Verwaltungsratspräsident des Zentrums für Zeitgenössische Kunst in Genf (CAC). Anlass war 2015 der 10. Geburtstag des erfolgreichen Uhr-Knall, besser bekannt als Big Bang.

Beim Preisgeld lässt sich Hublot auch 2016 nicht lumpen. Weil 100.000 Schweizerfranken ausgesprochen attraktiv und lukrativ sind, haben die Initiatoren ein freies Bewerbungsverfahren kategorisch ausgeschlossen. Die Fülle eingehender Mappen hätte Hublot und die von Pierre Keller geleitete Jury heillos überfordert.

Hublot Design Prize Jury

Die Jury (von links nach rechts): Ronan Bouroullec, Michaela de Pury, Lapo Elkann, Marva Griffin Wilshire, Pierre Keller

Apropos Jury. Ihr gehören 2016 wie schon im Vorjahr an:

  • Marva Griffin Wilshire, Gründerin und Kuratorin des „Salone Satellite“, ferner internationale Pressechefin der Mailänder Möbelmesse mit einer Abteilung, welche jungen Designern unter 35 vorbehalten ist
  • Ronan Bouroullec, gebürtiger Bretone, einer der vielversprechendsten Industriedesigner Frankreichs 
  • Lapo Elkann, Unternehmer, Mitgründer von Italia Independent Group und Garaga Italia Customs. Designer, Schöpfer und Stilikone, seit 2015 mit Italia Independent Partner von Hublot

Ausgeschieden auf eigenen Wunsch ist Professor Dr. Peter Zec, Gründer und Präsident des „Red Dot Design Award“, der 2015 sein 25. Jubiläum feierte. 

An seine Stelle sollte eigentlich der Schweizer Simon de Pury treten. Weil der Mitgründer des Auktionshauses Phillips de Pury & Company eine Schlüsselfigur am internationalen Kunstmarkt verhindert war, nahm Ehefrau Michaela de Pury, eine anerkannte Kunstgeschichtlerin, Kunstsachverständige und Auktionatorin an der diesjährigen Jurysitzung teil.

Wie schon im Vorjahr konnte jeder Juror fünf Kandidaten vorschlagen. Aus dieser Anwärterliste wählte die Jury acht Finalisten, welche ihre Arbeit am 10. September direkt in der Hublot-Manufaktur präsentieren konnten.

Melanie Georgacopoulos

Melanie Georgacopoulos, Jahrgang 1979

Ihr Studium am Institut Mokume in Athen (Goldschmiedekunst) und am College of Art in Edinburgh (Bildhauerei) prägen die Arbeit dieser griechisch-französischen Schmuckdesignerin und Absolventin des Royal College of Art.

Stil: Kombination von Metall und Perlen, geformt und verarbeitet auf gänzlich neue Weise 

www.melaniegeorgacopoulos.com

Christophe Guberan

Christophe Guberan, Jahrgang 1985 

ECAL-Absolvent und Industriedesigner, Karriere in der Schweiz und in den USA. Seit 2014 Kooperation mit dem Massachusetts Insitute of Technologie (MIT). 2012 wurde seine Arbeit durch Creative Applications ausgezeichnet, 2013 war er Preisträger der Stiftung Leenards sowie der Ikea Stiftung.

Stil: Experimentieren und Beobachten verschiedener Werkstoffe, zum Beispiel Papier, und ihres Zusammenspiels

www.christopheguberan.ch

Sebastian Herkner

© Ingmar Kurth

Sebastian Herkner, Jahrgang 1981

Absolvent der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. 2006 gründete er nach einer Kooperation mit Stella McCartney in London sein eigenes Studio. Seine Arbeit wurde 2011 mit dem German Design Award und 2015 mit dem EDIDA Award ausgezeichnet. 2016 war er Ehrengast der internationalen Einrichtungsmesse imm in Köln.

Stil: Optimales Verbinden von Funktion, Werkstoff, Details und Farben und die Verbesserung des Zusammenspiels.

www.sebastianhernker.com

Yota Kakuda

Yota Kakuda, Jahrgang 1979

Absolvent des Royal College of Art. Arbeitete zusammen mit den Studios Shin, Tomoko Azumi und Ross Lovegrove. Bevor er 2011 Yota Kakuda Design gründete, war er für das japanische Label MUJI tätig. Seine mehrfach ausgezeichnete Arbeit erhielt 2015 den iF Design Award und 2014 den Good Design Award.

Stil: Eleganz von Alltagsgegenständen. Mit verwirrender Einfachheit betrachtet der Sammler alter Gegenstände die Techniken oder Objekte von gestern mit heutigem Blick. 

www.yotakakuda.com

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Ifeanyi Oganwu

Ifeanyi Oganwu, Jahrgang 1979

Der in Nigeria geborene Designer und Architekt lebt und arbeitet in London. Er studierte Architektur am Illinois Institute, der Architectural Association in London und der Columbia University. Er kooperierte mit den Büros von John Ronan, Zaha Hadid, Hussein Chalayan sowie Adams Kara Taylor und gründete 2008 Expand Design.

Stil: Die kontinuierliche Suche nach der Verbindung von Geschichte, einfachen, elementaren Materialien und neuen Fertigungstechniken.

www.expand-design.com

Felipe Ribon

Felipe Ribon, Jahrgang 1982

Eigentlich studierter Atomphysiker. Der franko-kolumbianische Designer und ENSI-Absolvent arbeitete mit dem Studio Bouroullec zusammen. In der Vergangenheit forschte er an der Villa Medici, aktuell tut er es an der Villa Kujoyama in Japan. 2008 gewann er den Design Parade Publikumspreis, den Red Dot Design Award Best of the Best und den Grand Prix de la Création de Paris. 2015 gesellte sich (als Duo) der 16. Liliane Bettencourt-Preis hinzu.

Stil: Die Beherrschung von Formen und Technik und eine gewisse, spiritistisch angehauchte Experimentierfreude, die Ribon in den Dienst des Strebens nach Wohlbefinden stellt.

www.productdesigncenter.jp

Julie Richoz, Jahrgang 1990

© Stephanie Fuessenich

Julie Richoz, Jahrgang 1990

Franko-schweizerische Künstlerin und ECAL-Absolventin. Sie startete ihre Laufbahn im Studio von Pierre Charpin, bevor sie 2012 ihr eigenes Designbüro eröffnete. 2012 war sie Preisträgerin des Grand Prix Design Parade, 2015 erfolgte die Auszeichnung mit dem Swiss Design Award.

Stil: Das Speil der Wahrnehmung von Räumlichkeit, Leere, Ganzheit und Tiefe.

www.julierichoz.com

Keita Suzuki

Keita Suzuki, Jahrgang 1982

Absolvent der Tama Art Universität, gründete das Product Design Center und eröffnete 2012 The Shop. Seine Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet, etwa mit dem iF Design Award, dem Red Dot Design Award oder aber dem Good Design Award.

Stil: Minimalistisches und existenzielles Design, stark geprägt von der traditionellen japanischen Ästhetik.

www.productdesigncenter.jp

Wie Pierre Keller bei der Bekanntgabe des Siegers betonte, fiel der Jury die Entscheidung wegen der extrem hohen Professionalität aller acht Finalisten und der außerordentlichen Qualität ihres Schaffens ausgesprochen schwer. Ausschlaggebende Kriterien für die Jury waren die Innovation, Kreativität und Originalität der vorgestellten Projekte, die Materialauswahl und Ausführungsqualität sowie die Realisierbarkeit und Nachhaltigkeit der Arbeit und die Nützlichkeit sowie der Mehrwert der Kreationen.

Während man sich 2015 mit BIG-GAME und Daniel Rybakken auf zwei Preisträger verständigte, welche sich den Betrag teilen mussten, durfte Christophe Guberan in diesem Jahr ganz alleine den Scheck über 100.000 Schweizer Franken aus den Händen von Ricardo Guadalupe entgegennehmen.

„Es konnte und sollte diesmal nur einer siegen“, betonte Lapo Elkann im Zuge der Preisverleihung. Vielleicht auch deshalb, weil sich der ausgeschiedene Juror Peter Zec in Tokio kritisch geäußert hatte. „Eine Jury, die sich nicht auf einen Sieger einigen kann, ist eigentlich keine gute Jury.“

Aber letztendlich gewinnen beim „Hublot Design Prize 2016“ in irgendeiner Weise alle ausgewählten Finalisten.

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09 2016 The Red Bulletin

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