IWC Da Vinci Chronograph ewiger Kalender und Automatic Moonphase Edition 2017

Vorhang auf für die neuen runden Da-Vinci-Modelle von IWC

Text: Gisbert L. Brunner
Fotos: Gisbert L. Brunner und IWC

Ein Armbanduhr kann jede Form besitzen. Hauptsache, sie ist rund. Das gilt auch für die neue Da Vinci von IWC.
Gisbert L. Brunner
Gisbert L. Brunner

Gisbert L. Brunner berichtet seit 1981 über Uhren und Zeitmessung.

Wer IWC sagt, denkt an Fliegeruhren, Portofino, Portugieser und natürlich auch an Da Vinci. Bei der Schaffhauser Manufaktur besitzt der einprägsame Name eine deutlich längere Geschichte, als man gemeinhin annimmt. Sie beginnt keineswegs mit dem weltweit ersten Automatik-Chronographen, dessen ausgeklügeltes ewiges Kalendarium die aktuelle Jahreszahl voll ausgeschrieben darstellt.

Die Anfänge reichen vielmehr zurück bis 1970, als schwingende Quarze ihren Weg ans Handgelenk fanden. 1967 hatten sich mehrere Schweizer Marken, darunter auch IWC, an der Entwicklung des elektronischen Kalibers Beta 21 beteiligt. „Die einzige Uhrenfabrik im Nordosten der Schweiz“, umfing das große, rechteckige Quarzwerk mit der voluminösen, bewusst unrund geformten Gehäuse-Referenz 9500. Diese Da Vinci, von der etwa 600 Exemplare entstanden, bezeichneten ihre Entwickler damals „als „Spitzenprodukt unter den Quarz-Armbanduhren … und … eine der hervorragendsten Gestaltungs-Leistungen.“ 

Die Publikumspreise lagen zwischen 12.500 und knapp 60.000 Mark. Kleinere Geschwister waren die Referenzen 4181, 4182, 4183 und 4184 (SL) mit dem Form-Handaufzugskaliber c.412 (13,5 x 17,3 x 3,5 mm). Mit Vorstellung des Quarz-Kalibers c.2002, einem modifizierten Beta 21, verschwand der Name „Da Vinci“ 1974 für gut 10 Jahre von der Bildfläche.

1985 kam das runde Erfolgsmodell mit Automatik-Chronograph und immerwährendem Kalender von Chef-Uhrmacher Kurt Klaus. Für die 81-teilige Kadratur mit Präzisions-Mondphasenanzeige beantragte und erhielt IWC patentrechtlichen Schutz. Zu haben war das von einem Valjoux 7750 angetriebene Ganze in Gelbgold für weniger als umgerechnet 10.000 Euro. Kein Wunder, dass diese Da Vinci zahlreiche Freunde fand. 2006 endete der Lebenszyklus nach 21 Jahren. Gut 20.000 verkaufte Exemplare bildeten eine Benchmark, an der sich die tonneauförmige Nachfolgerin von 2007 messen lassen musste.

So wie es 2016 aussieht, konnte sie diesen Wert auch nicht annähernd erreichen. Ein Grund ist in der Tatsache zu sehen, dass eine Uhr jede Form besitzen darf, wenn sie nur rund ist. Diese Erkenntnis bewog Georges Kern zu einer kompletten Überarbeitung des Themas Da Vinci. „Technisch wäre es möglich, eine IWC für Frauen zu machen.“ sagte mir der IWC-CEO schon bald nach seinem Antritt bei dem Richemont-Mitglied im frühen 21. Jahrhundert. „Aber sinnvoll ist das nicht, denn wir von IWC machen Männeruhren, die ja auch von Frauen getragen werden können.“ Damals waren schätzungsweise zwanzig Prozent des IWC-Kundenkreises femininen Geschlechts. Immerhin. Für sie gab es beispielsweise auch die Kleine Da Vinci. Erstaunlicherweise wurde die Fliegeruhr Mark XV 2001 in Österreich zur Damenuhr des Jahres gewählt. Trotz Werbesprüchen wie „IWC seit 1868. Und solange es noch Männer gibt.“

Georges Kern

Georges Kern, vor seiner Beförderung im November noch CEO von IWC, präsentiert in Florenz die neue Da-Vinci-Linie.

Klicken zum Weiterlesen

Mit der Da-Vinci-Renaissance wandelt sich das Blatt. Die wieder runden Newcomer wenden sich, so Georges Kern bei der Kollektions-Präsentation in Florenz, „in allererster Linie an Frauen. Es handelt sich um Damenuhren, es gibt jedoch auch einige wenige Modelle für Männer.“ Einende Elemente sind neben dem runden Gehäuse die - wie schon bei der Da Vinci 1985 - beweglichen Bandanstöße, welche die Ergonomie und damit den Tragekomfort der Zeitmesser erhöht. Allerdings bringt 2016 runde Hörner, während das Gehäuse vor 31 Jahren verdeckte Befestigungen für das Armband besaß. 

Das zarte Geschlecht beglückt IWC mit zwei 36-Millimeter-Armbanduhren:  Da Vinci Automatic 36 und Da Vinci Automatic Moon Phase 36. Einen Sichtboden werden Frauen bei diesen Armbanduhren vergebens suchen. Vielmehr zeigt sich auf der Rückseite eine Gravur der “Blume des Lebens“. Leonardo da Vinci hat sich mit dieser geometrischen Figur, welche seine Suche nach den mathematischen Regeln für Schönheit und Proportion repräsentiert, zeitlebens ausgiebig beschäftigt.

Hinter dem Boden ticken von IWC 35111 bzw. 35800 genannte Automatikwerke mit 42 Stunden Gangautonomie, welche auf dem Sellita SW 300 basieren. Die Mondphasenindikation ist klassischer Bauart. Will heißen, die Scheibe dreht in 59 Tagen (zwei Lunationen) um 360 Grad. Damit ergibt sich übers Jahr eine Abweichung von rund acht Stunden gegenüber der astronomischen Norm. Hochgerechnet muss Frau also nach rund drei Jahren einen Tag nachbessern.

Modelle: Da Vinci 36 Automatic

  • Rotgoldenes Gehäuse und Gliederband sowie 54 Diamanten
  • Edelstahl mit 54 Diamanten Santoni-Krokoband
  • Edelstahl mit vollpoliertem Gliederarmband
  • Edelstahl mit Santoni-Krokoband

Preisspektrum von 38.000 bis 5.900 Schweizerfranken

Da Vinci 36 Automatic Moonphase

  • Rotgold mit bronzefarbenem Santoni-Krokoband
  • Edelstahl mit 54 Diamanten auf der Lünette und dunkelbraunem Santoni-Krokoband
  • Edelstahl mit dunkelblauem Santoni-Krokoband

Preisspektrum von 17.300 bis 9.000 Schweizerfranken

Der ans starke Geschlecht adressierte Da Vinci Perpetual Calendar Chronograph kombiniert Bekanntes wie die Indikation der komplett ausgeschriebenen Jahreszahl mit einer „ewigen“ Mondphasenanzeige unterhalb der konzentrisch angeordneten Zählzeiger des Chronographen bei „12“. Als Grundlage diente den Entwicklern das hauseigene Chronographenkaliber 89360 von 2007 mit beidseitig wirkendem Pellaton-Selbstaufzug, Schaltradsteuerung, Schwingtrieb-Kupplung, Flyback-Funktion sowie 60-Minuten- und 12-Stunden-Zähler. Die Gangautonomie währt ungefähr 68 Stunden.

Nach Addition einer spezifischen Mondphasenanzeige, die rein theoretisch erst nach 577,5 Jahren um einen Tag berichtigt werden muss, heißt die mit vier Hertz tickende Mechanik 89630.

Männer - und natürlich auch Frauen - können wählen zwischen Versionen mit 43 mm großen, bis drei bar wasserdichten Gehäusen aus Rotgold oder Edelstahl. In beiden Fällen sorgt ein Krokoband von Santoni mit Faltschließe für gleichermaßen sicheren wie komfortablen Halt am Handgelenk. Preise 45.000 bzw. 32.000 Schweizerfranken.

Klicken zum Weiterlesen
12 2016 The Red Bulletin

Nächste Story