Schweizer Uhrenexporte November 2015 bis November 2016

Schweizer Uhrenexporte: Der Abwärtstrend hält an

Text: Gisbert L. Brunner
Fotos/Grafiken: Gisbert L. Brunner, FHS, Marken  

Am 16. Januar 2017 startet der Genfer Uhrensalon SIHH unter negativen Vorzeichen. Grund zur Panik besteht freilich nicht.
Gisbert L. Brunner

Gisbert L. Brunner berichtet seit 1981 über Uhren und Zeitmessung sowie seit 1992 über den Genfer Uhrensalon.

Bevor ich zum Thema komme, möchte ich meinen hoch geschätzten Leserinnen und Lesern nur das Allerbeste für 2017 wünschen: Erfolg, Gesundheit, Glück, Liebe und viel Freude am Leben.

Noch wenige Tage, dann öffnet der Genfer Uhrensalon SIHH am 16. Januar 2017 erneut seine Türen. Zunächst einmal vier Tage lang nur für akkreditierte Fachbesucher. Am Freitag, den 20. Januar 2017 findet dann erstmals ein Publikumstag statt.

Zu den bislang schon vertretenen Marken A Lange & Söhne, Audemars Piguet, Baume & Mercier, Cartier, Greubel Forsey, IWC, Jaeger Le Coultre, Montblanc, Panerai, Parmigiani, Piaget, Richard Mille, Roger Dubuis, Vacheron Constantin sowie van Cleef & Arpels gesellen sich erstmals die Keiring-Mitglieder Girard Perregaux und Ulysse Nardin. Gezeigt werrden ferner Produkte von Christophe Claret, Grönefeld, Hautlence, H. Moser, HYT, Kari Voutilainen, Laurent Ferrier, MB & F, MCT, Ressence, Romain Jerôme, Urwerk und Peter Speak-Marin. Die Zunahme der Anzahl kleiner unabhängiger Marken in Genf hat dazu geführt, dass die Baselworld 2017 den weißen Zelt-Palast neben dem Parkhaus nicht mehr aufbauen wird. Ganz abgesehen davon haben sich einige andere Aussteller nicht zuletzt wegen der hohen Kosten ganz aus Basel verabschiedet. Selbige, bekam ich in diesem Zusammenhang zu hören, stünden in keinem Verhältnis mehr zu den während der Messe erzielbaren Umsätzen. 

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Natürlich steht der SIHH als erste Branchenshow des Jahres im Fokus besonderen Interesses. Schließlich zeigt die Kurve der Schweizer Uhrenexporte seit Juni 2015 kontinuierlich nach unten. Im November 2016 hat sich der Rückgang mit 5,6% auf knapp 1,9 Milliarden Schweizerfranken zwar etwas verlangsamt, aber der negative Trend setzte sich dennoch fort. Besonders markant: der Einbruch am US-amerikanischen Markt mit minus 18 Prozent. Hierbei handelte es sich um das schlechteste Resultat seit März 2016. Im Gegensatz dazu scheint Hongkong langsam die Talsohle erreicht zu haben. Am weiterhin weltweit wichtigsten Uhrenmarkt lagen die Rückgänge nur noch bei 0,7 Prozent.

Großbritannien profitiert weiterhin vom Brexit-bedingten schwachen Pfund, was sich in 6,5 Prozent Wachstum niederschlug. Die Ausfuhren nach China konnten um 7,9 Prozent zulegen. Bei den Preiskategorien wuchs nur jene im Bereich zwischen 500 und 3.000 Franken - Export- nicht Publikumspreis. Woraus sich schließen lässt, dass die potenziellen Kunden definitiv preissensibler geworden sind. Es wird stärker hinterfragt, was man für sein Geld bekommt.

Insofern wundert es nicht, dass Marken wie TAG Heuer entgegen den allgemeinen Trends um mehr als zehn Prozent zulegen konnten. Die Schwester Hublot wuchs ebenfalls, wenn auch nur einstellig, wie mir Jean-Claude Biver und Ricardo Guadalupe berichteten. Apropos: Nach der Demission von Zenith-CEO Aldo Magada zu Beginn des Jahres 2017 kommen auf Jean-Claude Biver noch mehr Aufgaben zu. Ad interim, sprich bis zur Ernennung eines Nachfolgers, wird er höchstpersönlich die Leistungsaufgaben bei der El Primero-Manufaktur übernehmen. Dort wartet ganz offensichtlich jede Menge Arbeit.

Stahl-Armbanduhren, die in der FHS-Novemberstatistik - neben Stahl kombiniert mit Gold - als einzige ein Plus vorweisen, hat Zenith genug im Programm. Nur fehlt es, und das ist die Misere, dem mehr als 150 Jahre alten Unternehmen an Sexappeal. Gelungene Retromodelle wie die „Cairelli“ können da durchaus helfen. Erfolgreich sind auch Kooperationen beispielsweise mit Cohiba. Was fehlt, sind preislich attraktive Top-Seller in der Brot- und Butter-Kollektion.

Was sich bei den Uhrenpreisen ganz allgemein tut, ob Veränderungen in den Kollektionsstrukturen das Einstiegsniveau absenken, wird sich demnächst in Genf zeigen. Extrem reiche Zeit-Genossen lassen sich wohl nicht davon abhalten, das zu kaufen, was ihnen gefällt. Viel wichtiger für die Industrie sind jedoch Zielgruppen, welche sehr wohl überlegen (müssen), wofür sie ihr Geld ausgeben. Wenn die Preise unerschwinglich werden, verlieren tendenziell potenzielle Käufer irgendwann ganz die Lust. Somit lautet die gute Frage: Wie komme ich herunter von einem selbst gesetzten Preisniveau, ohne Existentes billiger machen zu müssen? Nicht zuletzt auch durch die veränderte Situation in China muss die Uhrenindustrie mehr oder minder leidvoll erfahren, dass die Bäume auch hier nicht in den Himmel wachsen.

In diesem Sinne wird das Stühlerücken in den Chefetagen der Uhrenindustrie im Laufe des mit Sicherheit nicht einfachen Jahres 2017 weitergehen. Aldo Magada war nur der Anfang,   

Über das Geschehen in Genf werde ich an dieser Stelle selbstverständlich in gewohnter Weise zeitnah berichten. Bleiben Sie mir bitte gewogen.

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01/2017 The Red Bulletin

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