Audemars Piguet Royal Oak ewiger Kalender Keramik

Audemars Piguet „Royal Oak“: Hart im Nehmen

Text: Gisbert L. Brunner
Fotos: Gisbert L. Brunner und Audemars Piguet

Hightech-Keramik für Gehäuse und Armband beschert der neuen Royal Oak von Audemars Piguet extreme Kratzfestigkeit. Und: Erst 2100 muss das Kalendarium dieser sportlich-eleganten Armbanduhr um einen Tag korrigiert werden.
Gisbert L. Brunner

Gisbert L. Brunner schreibt seit 1981 über Uhren und Zeitmessung. Seit 1992 besucht er ununterbrochen den Genfer Uhrensalon SIHH.

Viele einleitende Worte über die Royal Oak von Audemars Piguet verlieren zu wollen, hieße Eulen nach Athen tragen. In ihrer klassischen Ausführung ist und bleibt die 1972 lancierte Armbanduhr eine echte Ikone. Ziemlich exakt 75 Prozent steuert sie zum Gesamtumsatz von Audemars Piguet bei. Und der bewegte sich 2016 in einer beachtlichen Größenordnung von rund 800 Millionen Schweizerfranken.

Als François Bennahmias, der heutige CEO 1994 bei AP begann, konnte er sich mit diesem Zeitmesser übrigens gar nicht anfreunden. „Ich bevorzugte eine klassisch runde Edward Piguet mit ewigem Kalender, weil ich diesen nostalgischen Stil liebte. Sechs Monate später wurde ich dann doch sanft gezwungen, eine ‚Royal Oak‘ zu tragen. Und dann ist diese Uhr förmlich an mich herangewachsen. So geht es vielen. Wenn sie die Uhr in der Vitrine sehen, denken sie sich okay, aber nichts für mich. Erst die direkte Begegnung und das Tragen führen zur Liebe. Das erlebe ich unglaublich oft. Am Handgelenk erblüht die Royal Oak zum wahren Leben, nicht im Schaufenster.“

Nach dem Lancement des Royal Oak Offshore Chronographen im Jahr 1993 hatte der gleichermaßen wuchtige wie markante Bolide im Rennen um die Käufergunst übriges recht bald die Nase vorn. „Aber seit dem 40. Jubiläum der ‚Royal Oak‘ hat die klassische Version wieder Fahrt aufgenommen.“ betont der 50-jährige Chef. „Wir bei Audemars Piguet sagen nämlich nie, dass die ‚Royal Oak‘ 45 Jahre alt ist. Für uns ist sie 45 Jahre jung.“

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Jugendliche Frische bringt die neueste Kreation zum Ausdruck, welche Audemars Piguet kürzlich während des Genfer Uhrensalons SIHH zeigte. Schwarz, also ganz im Trend der Zeit. Wer glaubt, dass es sich um entsprechend beschichteten Edelstahl handelt, irrt gewaltig. Das Ur-Material der „Royal Oak“ kommt nur diskret in den Hintergrund zum Einsatz. An seine Stelle tritt Keramik. Dieser High-Tech-Werkstoff bringt gewaltige Vorteile mit sich. Einmal ist er leicht und antiallergisch. Zum anderen, und das ist ein weitaus wichtigeres Argument, zeigt er allem, was die Oberfläche von Armband, Gehäuse sowie Glasrand verkratzen möchte, unerbittlich die kalte Schulter.

Damit beseitigt AP eine nicht zu unterschätzende Schwachstelle seines Bestsellers. Ausgiebiges Tragen im alltäglichen Leben konnte er kaum verleugnen. Jene 100 Zeit-Genossen, denen es gelingt, eines der nur hundert Exemplare mit ewigem Kalender, astronomischer Mondphasenindikation und Wochenanzeige zu ergattern, können sich glücklich schätzen.

Zu haben ist die mit der flachen manufaktur-Automatik ausgestattete Referenz 26579CE.OO.1225CE.01 nur in Audemars Piguet-Boutiquen. Womit nicht gesagt sein soll, dass es sich um eine limitierte Edition handelt. Die Beschränkung auf diese Jahresproduktion resultiert aus dem hohen Fertigungsaufwand für das Outfit einschließlich Gliederband. Dem Lancement gingen etwa 600 Stunden Forschung und Entwicklung voran. Im Vergleich zum überlieferten Stahlband, dessen Teileproduktion und Finissage samt der anschließenden Assemblage alles in allem sechs Stunden beansprucht, veranschlagt AP beim Keramik-Pendant den fünffachen Aufwand. Ergo kommen hier 30 Stunden zusammen.

Näheres zum Uhrwerk lässt sich nach dem Anklicken des Links in Erfahrung bringen. Das rare Keramik-Kunstwerk schlägt mit 91.800 Euro zu Buche. Das sind gut 40.000 Euro mehr als die Version in Edelstahl. Sorge um den Verkauf muss sich François Bennahmias keine machen. Die knappe Produktion wurde dem Familienunternehmen förmlich aus den Händen gerissen. Die Zahl derjenigen, welche ein derartiges Statement am Handgelenk tragen möchte, übersteigt das verfügbare Quantum bei weitem. Es ist also vermutlich absehbar, dass im Parallelmarkt irgendwann Aufpreise gezahlt werden müssen.

FAKTEN:

  • Automatikwerk, Kaliber 5134 
  • Durchmesser 29 mm
  • Bauhöhe 4,31mm
  • 374 Komponenten, davon 38 Steine
  • Gangautonomie 40 Stunden
  • Unruhfrequenz 2,75 Hertz oder 19.800 A/h
  • Gehäuse aus schwarzer Keramik, Durchmesser 41 mm, Sichtboden, Wasserdichte bis fünf bar Druck
  • Armband aus schwarzer Keramik mit Titan-Faltschließe
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01 2017 The Red Bulletin

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