Larent Ferrier Schuluhr - Baume & Mercier My Classima - Parmigiani Tonda 1950

5 schlichte, elegante Armbanduhren

Text: Gisbert L. Brunner
Fotos: Gisbert L. Brunner, Uhrenmarken

Neuer chronometrischer Minimalismus für jeden Anspruch. Highlights von Baume & Mercier, Laurent Ferrier, Parmigiani, Piaget und Ulysse Nardin.
Gisbert L. Brunner

Gisbert L. Brunner berichtet seit 1981 über Uhren und Zeitmessung.

„Vollkommenheit“, hat Antoine de Saint-Exupéry einmal gesagt, „entsteht nicht dann, wenn sich nichts mehr hinzufügen lässt, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann.“ Besagte Reduktion auf das Unabdingbare gelingt auch fürs Handgelenk, wie sich beim diesjährigen Genfer Uhrensalon SIHH einmal mehr herauskristallisierte.

Es gibt im täglichen Leben nun einmal Situationen, wo der Sport-Bolide oder die hoch komplizierte tickende Begleiterin fehl am Platz sind, wo das Gebot schlicht und einfach dezente Zurückhaltung lautet. Das Thema Minimalismus haben sich 2017 unter anderem Baume & Mercier, Laurent Ferrier, Parmigiani, Piaget und Ulysse Nardin auf die Fahne geschrieben.

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Eleganz für Einsteiger

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo Mann sich die erste Schweizer Luxus-Armbanduhr guter Provenienz leisten möchte. Im Portfolio des Richemont-Konzerns heißt die Einsteigermarke Baume & Mercier. Gegründet vor 187 Jahren. An die Schlichtheit der 1940er Jahre erinnert dort die erfolgreiche „Classima“ Linie ganz generell und damit auch die neue „My Classima“ mit Stahlgehäuse und einem zuverlässigen Eta Quarzwerk. Für Männer stehen zwei Größen zur Verfügung, Durchmesser entweder mit 42 oder 40 Millimeter. In beiden Fällen liegt der Preis mit Kalbslederband knapp unter 1.000 Euro. Das Stahlband schlägt mit 200 Euro Aufpreis zu Buche.

In der Schule lernen wir

In unseren Breitengraden ist jeder einmal oder gleich mehrere Male zur Schule gegangen. Laurent Ferrier beispielsweise hat die Genfer Uhrmacherschule besucht und dort sein Handwerk gelernt. An diese Zeit und die Abschlussarbeit, welche in einem eigenen Zeitmesser gipfelt, erinnert die stählerne Galet Micro Rotor „Montre Ecole”, also „Schuluhr“. Bei einem Preis von 35.000 Schweizerfranken muss man entweder gut geerbt, eine exzellente Schul- und Universitätsbildung oder viel Glück und Erfolg im Beruf haben.

Fürs gute Geld tickt im 40-Millimeter-Gehäuse das 14-linige Automatikkaliber FBN 229.01 mit 72 Stunden Gangautonomie, drei Hertz Unruhfrequenz und einer speziellen Silizium-Hemmung, welche die Unruhschwingungen mit direkten Impulsen aufrechterhält. Uhrmacherei auf allerhöchsten handwerklichen und technischen Niveau sowie jede Menge Exklusivität sind bei dem aus 186 Teilen assemblierten Mikrokosmos Ehrensache.

Tonda heißt rund

Michel Parmigiani ist bekanntlich italienischer Herkunft. Deshalb trägt die klassische Linie von Parmigiani Fleurier auch den Namen „Tonda“. Auf gut Deutsch heißt das nichts anderes als rund. Genauso und keinen Deut anders hat die Manufaktur das 40-mm-Gehäuse der stählernen „Tonda1950“ gestaltet. Ans Jahr 1950 erinnern die markanten Bandanstöße dieses Zeitmessers, der durchaus auch an feminine Handgelenke passt. Ein Mikrorotor versorgt das 2,6 mm flache Automatikkaliber PF702 mit frischer Energie. Für ein Exemplar des Uhrwerks mit 48 Stunden Gangautonomie braucht es 160 Komponenten. Am Handgelenk trägt das bis drei bar wasserdichte Gesamtkunstwerk insgesamt 8,2 Millimeter auf. Preis: 8.950 Euro.

Hochebene am Handgelenk

Das Altiplano, eine majestätische Hochebene, erstreckt sich von Peru bis Chile. Mit durchschnittlich 3.500 Metern über dem Meeresspiegel zählt es zu den höchsten Siedlungsgebieten der Menschheit. Diese Region dient Piaget als Namenspatin für eine Uhrenlinie, erstmals vorgestellt streng genommen im Jahr 1998 unter der Ägide von Philippe-Léopold Metzger. Wenn die Luxusmanufaktur, welche Chabi Nouri als erste weibliche Piaget-Chefin in die Zukunft steuern wird, aktuell vom 60. Altiplano-Jubiläum und den Anfängen im Jahr 1957 spricht, dann meinen sie die Anfänge der Ära ultraflacher Kaliber.

Los ging es mit dem Handaufzugskaliber 9P, gefolgt 1960 vom 12P als damals weltweit flachstem Automatikwerk mit Mikrorotor. Viele Armbanduhren der damaligen Zeit bestachen durch extreme gestalterische Zurückhaltung. Das trifft logischerweise auch auf die während des Genfer SIHH vorgestellte Altiplano-Generation zu. Aber das Jubiläum bringt auch Farbe ans Handgelenk. Beim 43-Millimeter-Weißgoldmodell drehen die beiden Zeiger vor einem tiefblauen Zifferblatt. Vergangene Zeiten leben wieder auf im überlieferten „Automatik“-Schriftzug. Er weist in diesem Fall hin auf das 2,35 Millimeter flache Mikrorotor-Kaliber 1200P, vorgestellt 2010 zum 50. Geburtstag des unangefochtenen Superlativs mit dieser Art Schwungmasse.

Eleganz aus dem Feuer

Donzé gehört zu Ulysse Nardin und Donzé versteht sich seit Generationen auf Emailzifferblätter. Die Kompetenz beider Traditionsunternehmen findet zusammen in der neuen „Classico Manufacture“. Letztgenanntes Wort bringt zum Ausdruck, dass das Mitglied der Kering-Gruppe im runden Stahlgehäuse mit Sichtboden ein Uhrwerk eigener Provenienz verbaut. Ganz genau handelt es sich um das 11½linige UN-320 Automatik mit Silizium Schwing- und Hemmungssystem, dessen Gangautonomie ca. 48 Stunden beträgt.

Auf seiner Vorderseite trägt es ein transluzides blaues “Grand Feu“- Zifferblatt. Will heißen, durch die Emailschicht sieht man die guillochierte Struktur der metallenen Trägerplatte. Bei einem Preis von 8.600 Euro für diese 40-Millimeter-Armbanduhr kann man freilich keine Handguillochierung erwarten. Aus Kostengründen wird sie gestanzt. Und das gibt CEO Patrick Hofmann auch unumwunden zu. Ganz neu: Ab sofort gewährt Ulysse Nardin auf alle Uhren eine fünfjährige, weltweit gültige Garantie.

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02 2017 The Red Bulletin

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