Fabergé Visionnaire Chronograph - Kaliber AgenGraph 6361

Das innovative Automatikkaliber AgenGraph 6361 im Fabergé Visionnaire Chronograph

Text: Gisbert L. Brunner
Fotos: Gisbert L. Brunner, AgenHor und Fabergé

Wegen seiner außergewöhnlichen Mechanik gehört der Visionnaire Chronograph zu meinen zeitschreibenden Helden des Jahres 2017 - dem Automatikkaliber AgenGraph 6361 mit völlig neu entwickeltem Chronographenmechanismus sei Dank.
Gisbert L. Brunner

Gisbert L. Brunner berichtet seit 1981 über Uhren und Zeitmessung

Die lange Geschichte der Menschheit belegt: Jedes Jahr bringt seine Helden hervor. Das gilt natürlich auch für die Uhrenindustrie. Und zwar Helden auf ganz unterschiedlichen Gebieten. Heldenhafte Leistungen können sich mit Materialien, Design, Uhrwerken, Funktionen, Preis-Leistung, Philosophien, Kooperationen oder auch Menschen verknüpfen.

In den kommenden Monaten werde ich an dieser Stelle in lockerer Reihenfolge meine ganz persönlichen Helden der Zeit vorstellen. Den Anfang machen drei außergewöhnliche Chronographen, die mir während meiner diesjährigen Messebesuche aufgefallen sind. In alphabetischer Reihung stammen sie von Agenhor/Fabergé, Tudor und Tutima.

Heute ist der „Visionnaire Chronograph“ von Fabergé an der Reihe.

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Vor uhrmacherischen Herausforderungen sind Jean-Marc Wiederrecht und sein Team vom Atelier GENevois d’HORlogerie, kurz AgenHor noch nie zurückgeschreckt. Auf ihr Konto gehen zahlreiche Mechanik-Kreationen, mit denen sich in der Regel renommierte Uhrenmarken schmücken.

Mit der neuesten Entwicklung, AgenGraph genannt, bleibt der geniale Techniker seinen Prinzipien insofern treu, als die damit debütierenden Armbanduhren den Schriftzug Fabergé tragen. Allerdings verbleibt das Uhrwerk im Eigentum seines geistigen Vaters. Die Gründung dieses Labels geht auf den Goldschmied Gustav Fabergé, das Jahr 1842 und die Stadt St. Petersburg zurück.

Nach der Oktoberrevolution von 1917 emigrierte Sohn Carl Fabergé über Riga, Berlin, Wiesbaden nach Lausanne, wo er am 24. September 1920 verstarb. Die anschließenden Jahrzehnte verliefen streckenweise turbulent. Seit 2013 befindet sich Fabergé unter dem Dach von Gemstone, einer Minengesellschaft. Auf das 2015 lancierte „Visionnaire 1“–Tourbillon, die erste Fabergé mit Komplikation und die 2016er „Visionnaire DTZ“ mit Zeitzonen-Dispositiv folgt nun der „Visionnaire Chronograph“, in dem das während acht Jahren entwickelte AgenGraph Kaliber 6361 mit drei Hertz tickt. Unruh und Unruhspirale stammen von Atokalpa. Anker und Ankerrad entstehen aus Nickelmaterial im LIGA-Verfahren.

Auch wenn es beim Blick durch den Sichtboden nicht so scheint: Das aus 477 Teilen assemblierte Oeuvre besitzt einen Selbstaufzug. Die in beiden Drehrichtungen aufziehende Kugellager-Schwungmasse dreht unter dem Zifferblatt. Sind beide Zugfedern voll gespannt, stehen rund 60 Stunden Gangautonomie zur Verfügung.

AgenGraph Kaliber 6361

Beim AgenGraph-Kaliber 6361 dreht die Schwungmasse unter dem Zifferblatt. dadurch kann sie den Blick auf die und das Studium des Chronographen-Schaltwerks nicht stören.

Das Filetstück des 34,40 Millimeter großen, 7,17 Millimeter hoch bauenden Uhrwerks besteht im rückseitig positionierten Schaltwerk des Stoppers. Hier verwendet Jean-Marc Wiederrecht neben überlieferten Elementen wie Schaltradsteuerung auch gewissermaßen revolutionäre Neuerungen. Zu letztgenannten gehört jene Kupplung, welche den Stoppmechanismus auf Knopfdruck mit dem eigentlichen Uhrwerk verbindet.

Geläufig sind drei unterschiedliche Typen: die horizontale Räderkupplung, der Schwingtrieb und die vertikale Friktionskupplung. Letztere agiert energieeffizient und gestattet ruckfreies Starten, baut jedoch vergleichsweise hoch. Außerdem lässt sich das Ein- und Auskuppeln mit den Augen kaum verfolgen. Der Schwingtrieb war Jean-Marc Wiederrecht zu simpel. Grundsätzlich liebäugelte er mit der klassischen, in allen Details optisch nachvollziehbaren Räderkupplung. Aber es störte ihn beispielsweise, dass der Chronographenzeiger einmal zu unpräzise startet und zum anderen nicht hundertprozentig gleichförmig läuft.

Also machte er sich daran, diese chronographische Baugruppe so zu überarbeiten, dass die grundsätzlichen Nachteile verschwinden. Anstelle von Zahnrädern drücken nach dem Einkuppeln zwei Räder mit rauer, das heißt Reibung gewährleistender Oberfläche gegeneinander. Der Chronographenzeiger setzt sich nicht nur akkurat in Bewegung, sondern schreitet auch so voran. Zur Sicherheit gibt es aber auch noch zwei speziell gezahnte Räder. Sollte die Friktion versagen, verhindern sie Fehlfunktionen.

AgenGraph Kaliber 6361

Seine Umläufe zählen zwei, in diesem Fall möchte man sagen selbstverständlich springende Totalisatoren, die bis 60 Minuten und – ebenfalls einzigartig – 24 Stunden reichen. Möglich machen es kleine Schnecken, die in einer Minute bzw. einer Stunde um 360 Grad drehen. Auf ihrer Oberfläche gleiten Hebel, die während besagter Zeitspannen langsam angehoben werden und so Kraft sammeln. Schlagartig freigesetzt wird die Schalt-Energie dadurch, dass das Hebelende über die Stufe in der Schneckenscheibe nach unten fällt. Nach dem Stoppen heißt es Nullstellen. Hämmer, die auf Knopfdruck gegen herzförmige Scheiben schlagen, sucht man beim AgenGraph vergebens. Zu unpräzise, zu ineffizient, bekundet Jean-Marc Wiederrecht. Im Kaliber 6361 erfüllen Nocken und Spiralfedern diese Aufgabe nach seinen Aussagen geschmeidiger und weniger belastend für die gesamte Mechanik.

Fabergé Visionnaire Chronograph

Der Fabergé Visionnaire Chronograph - hier in Roségold

Beim Blick aufs Zifferblatt stellt sich beim Kenner ein gewisses Dejà-vu-Erlebnis ein. Die Zeigerstummel zur Indikation von Stunden und Minuten sowie die in der obersten Ebene positionierten Chronographenzeiger wecken Erinnerungen an den „Rotonde de Cartier Chronographe Central“ allerdings mit rotierender Minutenzähl-Scheibe. Der Vorteil dieser Anordnung steht außerhalb jeglichen Zweifels: Die Zeit-Zeiger können das Ablesen des Chronographen samt seinen Totalisatoren niemals beeinträchtigen.

Das AgenGraph-Kaliber 6361 im Detail

© YouTube // AGENHOR TV

Fabergé liefert den „Visionnaire Chronograph“ mit 43 mm großem und 14,7 mm dickem Gehäuse, ausgeführt in Roségold oder Titan. Die Preise liegen bei 39.500 bzw. 34.500 Schweizerfranken.

Fabergé Visionnaire Chronograph in Titan und Roségoild

Den Fabergé Visionnaire Chronograph gibt es in Titan und Roségoild

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05/2017 The Red Bulletin

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