Montblanc TimeWalker Chronograph

Montblanc TimeWalker Chronograph 1000:
Hommage ans Tausendstel

Text und Video: Gisbert L. Brunner
Fotos: Gisbert L. Brunner und Montblanc

Im Handaufzugskaliber MB M 66.26 von Montblanc oszillieren nach dem Starten des Stoppers zwei Unruhn mit unterschiedlichen Frequenzen.
Gisbert L. Brunner

Gisbert L. Brunner berichtet seit 1981 über Uhren und Zeitmessung. Den SIHH besucht er seit 1992.

Mechanische Ultra-Kurzeitmessung auf die Tausendstelsekunde genau lässt sich uhrmacherisch auf unterschiedliche Weise realisieren. Einmal kann man den hierfür zuständigen Gangregler mit einer Frequenz von 500 Hertz oszillieren lassen. In diesem Fall vollzieht er stündlich 3,6 Millionen Halbschwingungen. Klassische Unruhn müssen in diesem Fall passen. Sie können schlichtweg nicht so schnell schwingen. In diesem Fall reicht eine kurze, breite und feste Spirale in Kooperation mit einer speziellen Ankerhemmung. 

Einen völlig anderen Weg beschreitet Montblanc beim neuen, auf 18 Exemplare limitierten „TimeWalker Chronograph 1000“. Genau genommen ist die Bezeichnung dieses Zeitmessers nicht ganz richtig, handelt es sich doch um zwei separate Uhrwerke in einem Gehäuse. Eines ist zuständig für die Zeitanzeige, ein anderes davon völlig unabhängiges erledigt das Stoppen.

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In diesem Sinne besitzt der komplexe Mikrokosmos aus eigener Manufaktur zwei Schwing- und Hemmungssysteme. Das klassische, welches die Stunden, Minuten und Sekunden durch Zeiger darstellt, hat die Ruhe weg.

Seine große Schraubenunruh oszilliert wie in guten alten Zeiten mit gemächlichen 2,5 Hertz. Und das nach Vollaufzug rund 100 Stunden lang. Ausgesprochen hektisch präsentiert sich hingegen der andere Teil der Kombi-Mechanik. Sein Glucydur-Gangregler ist deutlich kleiner, besitzt keine Schrauben und vollzieht nach Betätigung des Start-/Stopp-/Nullstelldrückers zwischen den Bandanstößen 360.000 Halbschwingungen. Das entspricht einer problemlos beherrschbaren Frequenz von 50 Hertz.

Selbige gestatteten Stoppungen auf die Hundertstelsekunde genau. Jene Mini-Zeitabschnitte stellt ein roter, beständig rund ums Zifferblatt jagender Zeiger auch tatsächlich dar. Logischer Weise ist die zugehörige Skala in 100 Teile graduiert. Dass sich dieser Zeiger in winzigen Trippelschritten vorwärts bewegt, erschließt sich jedoch nur bei sehr genauem Hinsehen. 

Montblanc TimeWalker Chronograph

Im „Süden“ des Zifferblatts finden sich zwei koaxial angeordnete Totalisatoren. Der schwarze mit roter Spitze erfasst die Rotationen des zentral positionierten Sprinters bis hin zu einer Minute. Konzentrisch dazu gibt es noch einen roten 15-Minuten-Zähler. So weit, so gut. Die Raffinesse des Manufakturkalibers MB M 66.26 erschließt sich beim Blick auf den segmentförmigen, markant rot gestalteten und mit 1000 gekennzeichneten Zifferblattausschnitt unterhalb der „12“. 

Hier tut sich nach dem Starten des Stoppers erst einmal gar nichts. Die weiße Pfeilspitze verharrt bei „N“ und bewegt sich keinen Millimeter. Erst nach dem Anhalten springt sie unter eine der Ziffern von 0 bis 9. Selbige repräsentieren die Anzahl der Tausendstelsekunden nach dem letzten vollen Hundertstel. Der Rest ist reine Addition: Angefangen ganz unten bei den Minuten, dann den Sekunden, dazu die zentral erfassten Hundertstel und schließlich als kleinste Einheit die Tausendstel. Mit anderen Worten: Diese Armbanduhr bildet drei Stellen nach dem Komma ab.

Falsch wäre übrigens die Behauptung, der Montblanc „TimeWalker Chronograph 1000“ würde auf die Tausendstelsekunde genau stoppen. Genau das tut er nicht. Vielmehr stoppt er auf die Hundertstelsekunde genau. Darüber hinaus stellt eine ausgeklügelte Mechanik mit intelligent gestaltetem zehnstrahligen Stern erst nach (!) dem Anhalten noch die Tausendstelsekunden dar.

Montblanc TimeWalker Chronograph

Bedingt durch die hohe Unruhfrequenz des Stoppers beträgt seine Gangautonomie lediglich 45 Minuten. In aller Regel sollte das locker ausreichen. Wenn es wider Erwarten länger dauern sollte, kann man auch während des aktivierten Stoppers durch Bewegung der Krone entgegen dem Uhrzeigersinn „nachtanken“. Drehungen in die andere Richtung versorgen das Uhrzeit-Federhaus mit Energie.

Die Steuerung der Stoppfunktionen obliegt einem zweigeschossigen Schaltrad. Das Stoppen auf die Hundertstelsekunde genau hat bei Minerva, deren Team in Villeret für die Konstruktion verantwortlich zeichnet, übrigens Tradition. Man schrieb das Jahr 1936, als die Montblanc-Tochter eine Stoppuhr mit zentralem Hundertstelsekundenzeiger präsentierte, verewigt im Guinness Buch der Rekorde. Das 38,4 mm große, 10,6 mm hohe Gesamtkunstwerk tickt bi-frequent in einem DLC-beschichtetem Titangehäuse mit Keramiklünette, Durchmesser 46,4 Millimeter, wasserdicht bis drei bar Druck.

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Montblanc TimeWalker Chronograph 1000 
Montblanc Kaliber MB M 66.26 mit zwei Federhäusern und separaten Gangreglern

UHRWERK ZEITANZEIGE:

  • Handaufzug
  • Gangautonomie ca. 100 Stunden
  • Glucydur-Schraubenunruh, Ø 11,4 mm, Trägheitsmoment: 26 mg.cm²
  • Frequenz: 2,5 Hertz oder 18.000 Halbschwingungen/Stunde
  • Flachspirale
  • Anzeigen: Stunden und Minuten aus der Mitte, kleine Sekunde bei „9“

UHRWERK STOPPFUNKTION:

  • Handaufzug
  • Gangautonomie ca. 45 Minuten, Gangreserveanzeige
  • Glucydur-Ringunruh, Ø 6 mm
  • Flachspirale
  • Frequenz 50 Hz oder 360.000 Halbschwingungen/Stunde
  • Ein-Drücker-Stopper (drei Funktionen Start, Stopp und Nullstellung) mit Schaltradsteuerung
  • Anzeigen: Hundertstelsekunde aus der Mitte (1 Umdrehung/Sekunde),
  • koaxial angeordnete Totalisatoren bis 60 Sekunden und 15 Minuten
  • Tausendstelsekunden-Indikator bei „12“
Montblanc TimeWalker Chronograph
  • Ensemble-Dimensionen: Durchmesser 38,4 mm; Höhe 10,60 mm
  • 488 Komponenten, davon 46 Steine
  • Platine, Brücken und Kloben aus rhodiniertem Neusilber
  • Anzahl der Rubine: 46

GEHÄUSE:

  • satiniertes, schwarz DLC-beschichtetes Titan
  • Keramiklünette
  • Saphirglas
  • Titan-Sichtboden
  • Durchmesser 46,4 mm, Höhe 17,34 mm
  • Wasserdicht bis drei bar Druck

Krokoband

limitiert auf 18 Exemplare, zertifiziert durch den Montblanc Laboratory Test 500

Preis: 175.000 Euro

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01 2017 The Red Bulletin

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