Panerai PAM 00700 LAB-ID Luminor 1950 Carbotech 3 Days

Panerai: Zentrum für Innovationen

Text: Gisbert L. Brunner
Fotos: Gisbert L. Brunner und Panerai
 

Neue Werkstoffe in der Panerai „LAB-ID Luminor 1950 Carbotech 3 Days“ machen Schmiermittel überflüssig. Und das ist noch lange noch nicht alles, was bei der italienischen Manufaktur neu ist.
Gisbert L. Brunner

Gisbert L. Brunner berichtet seit 1981 über Uhren und Zeitmessung.

Im neuen Panerai-Hauptquartier kommt der Abteilung Forschung & Entwicklung ganz besondere Bedeutung zu. Beinahe alles ist den mehr als 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Ideenwerkstatt für neue Uhren und Kaliber erlaubt, wenn es um Produktinnovation geht. Dafür, dass in den klugen Köpfen und danach im Computer sowie dem Prototypenbau sehr viel Brauchbares entsteht, spricht eine Realisierungsquote von ungefähr 80 Prozent des Vorgeschlagenen.

Auf das Innovations-Konto der in Pierre-à-Bot Tätigen geht zum Beispiel das „Carbotech“-Gehäuse aus leichter, hoch belastbarer Karbonfaser. Für den Rohling der leichten Schale finden besonders leistungsfähige, mit Polyether ether ketone (PEEK) Polymer hergestellte Karbonfasermatten Verwendung. Selbige werden um jeweils 15 Grad verdreht aufeinander gelegt und dann unter Druck bei einer vorgegebenen Temperatur untrennbar miteinander verbunden. 18 mm Gehäusehöhe verlangen nach insgesamt 126 Schichten. Anschließend fräsen und bearbeiten Spezialwerkzeuge das Gebilde.

Analog zu Keramikschalen verwendet Panerai einen Metallkern, in dem Uhrmacher das Uhrwerk unterbringen. Mit diesem Ring sind der Titanboden sowie die Karbon-Drehlünette verschraubt. Die Inlays im Glasrand bestehen aus kratzfester Keramik, der Kronenschutz samt Andruckbügel wiederum aus Karbonfaser. Montage, Qualitätskontrolle und der Check auf die angegebene Wasserdichtigkeit bis zehn bar finden unter dem Dach dieses Manufakturgebäudes statt.

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Die neue „LAB-ID Luminor 1950 Carbotech 3 Days“

Exakt dieses neuartige Gehäuse verwendet Panerai auch für eine Ausnahme-Armbanduhr, die während des Genfer Uhrensalon SIHH zu sehen war. Darüber hinaus repräsentiert die 49 Millimeter große „LAB-ID Luminor 1950 Carbotech 3 Days“ ein breites Spektrum weiterer Innovationen. Alles zusammen beweist, dass die mechanische Uhrmacherei mit ihrem Latein noch lange nicht am Ende ist. Kohlenstoff, das Grundmaterial der gleichermaßen leichten wie belastbaren Schale kommt auch beim tiefschwarzen Zifferblatt im Panerai-typischen Sandwich-Aufbau zum Einsatz. In diesem Fall dienen Kohlenstoffnanoröhrchen zur Beschichtung der Trägerplatte. Auf diese Weise wird das Licht absorbiert und kaum reflektiert. Die solcherart erzeugte matte Oberfläche kontrastiert extrem stark mit dem blauen Super-LumiNova für Zeiger, Stunden- und Sekunden-Indexierung.

Panerai PAM 00700 LAB-ID Luminor 1950 Carbotech 3 Days

Zifferblatt und Zeiger der Panerai PAM 00700 LAB-ID Luminor 1950 Carbotech 3 Days

Zum Dritten kann Karbon seine vielfältigen Vorteile beim neuen Handaufzugskaliber P.3001/C mit drei Tagen Gangautonomie ausspielen. Diese Mechanik kommt ohne die üblichen flüssigen Schmiermittel aus. Voraussetzung hierfür sind verschiedene technische und technologische Kunstgriffe der Techniker. Die Platine und die Brücken fertigt Panerai aus einem reibungsarmen Verbundwerkstoff mit integrierter Keramik auf Tantalbasis. Ein hoher Kohlenstoffanteil minimiert die Schwenkreibung. Klassische Lagersteine und Öl sind entbehrlich. Das trifft auch auf Silizium, das Material für Ankerrad und Anker zu.

Hinzu gesellen sich ultraharte DLC-Beschichtungen (Diamond Like Carbon) einmal beim Federhaus-Duo und zum anderen bei den vier funktionalen Steinen in der Stoßsicherung. Der Sichtboden des Gehäuses gestattet Blicke auf die Rückseite des Uhrwerks und der dort positionierten Gangreserveanzeige.

Beim Ziehen der Krone zum Zweck der Zeigerstellung wird nicht nur die 13,2 Millimeter große, mit drei Hertz oszillierende Unruh angehalten, sondern auch der Sekundenzeiger zum präzisen Einstellen der Uhrzeit in die Senkrechte bewegt.

Von der Leistungsfähigkeit der nur fünfzig Exemplare dieses tickenden Oeuvre ist Panerai-CEO Angelo Bonati derart überzeugt, dass er eine besondere 50-jährige Gewährleistung ausspricht. Sollte während dieser langen Zeitspanne irgendein Mangel auftreten, der auf die Manufaktur und die Ausführung dieses Produkts zurückzuführen ist, gibt es ohne Wenn und Aber eine neue Panerai „LAB-ID Luminor 1950 Carbotech 3 Days“.

Dieses langfristige Versprechen hat natürlich schon jetzt seinen Preis. Und der liegt bei rund 50.000 Euro.

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01/2017 The Red Bulletin

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