TAG Heuer Autavia 2017

TAG Heuer Autavia: Neuinterpretation einer Legende

Text: Gisbert L. Brunner
Fotos: Gisbert L. Brunner und TAG Heuer

1962 wurde mit der Heuer Autavia eine Legende geboren. 55 Jahre später hat die Armbanduhr nichts von ihrer Faszination verloren - wie das neueste Modell beweist.
Gisbert L. Brunner

Gisbert L. Brunner schreibt seit 1981 über Armbanduhren. Von ihm stammen mehr als 20 Bücher zu diesem Thema.

Über die Geschichte der legendären „Heuer Autavia“ habe ich an anderer Stelle schon berichtet. 2017, 55 Jahre nach der ersten Auflage, kehrt die „Autavia“ nun in nie dagewesener Weise, nämlich mit einer echten Manufaktur-Automatik, zurück in die Uhrenszene.

Gestalterisch lag CEO Jean-Claude Biver und Generaldirektor Guy Sémon ein reinrassiges Retromodell absolut fern. Vielmehr ging es dem Führungsduo um eine Neuinterpretation unter altbekannten Gesichtspunkten.

Zu diesem Zweck fand eine Befragung passionierter „Autavia“-Kenner statt. Puristen lehnten ein Fensterdatum kategorisch ab. Letzten Endes ging der Entscheid aber doch zugunsten dieser beliebten Anzeige aus. Das Anwachsen des Durchmessers von seinerzeit 38 auf nunmehr 42 mm verlangte dem Designer-Team um Christoph Behling einiges ab. Mehr Größe bedingt beispielsweise auch andere Proportionen, damit das Ensemble am Ende auch wirklich gut aussieht.

TAG Heuer Designer Guy Semon

TAG-Heuer-Generaldirektor Guy Sémon

Im Inneren der Edelstahl-Schale kommt eine an sich alte, aber bislang noch nicht benutzte Chronographen-Bekannte zum Einsatz. Sie entstand noch unter der Ägide des früheren CEO Jean-Christophe Babin, der mittlerweile Bulgari leitet. Jean-Claude Biver legte den mit vier Hertz tickenden Mikrokosmos jedoch vorübergehend auf Eis. Einmal, um dem exklusiven, auf einer Seiko-Konstruktion basierenden Automatikkaliber 1887 keine Konkurrenz im eigenen Haus zu machen. Andererseits, das erfuhr ich aber erst während ausgiebiger Recherchen bei TAG Heuer, kam die 2013 zunächst als 1969 vorgestellte und nach Protesten der Schwester Zenith in CH-80 umgetaufte Mechanik mit insgesamt fünf Kinderkrankheiten zur Welt.

TAG Heuer Autavia 2017
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Die Konstruktion zielte auf ein kostengünstig herstellbares Chronographenwerk mit Schaltradsteuerung, um kostengünstig herstellbare Schaltrad-Kaliber mit Vertikalkupplung sowie 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler in horizontaler Anordnung.

Auf diese Weise entsteht die fälschlicherweise oft so bezeichnete Tri-Compax-Optik, während die Totalisatoren beim 1887 analog zum Valjoux 7750 in senkrechter Linie verlaufen. Das Spannen des großen Federhauses, welches beruhigende 80 Stunden Gangautonomie sicherstellt, besorgt ein Kugellagerrotor. Der wirkt, wie auch das Pendant im bewährten 7750, nur in einer Richtung, was der Aufzugs-Effizienz keinen Abbruch tut.

TAG Heuer Autavia 2017 - Chronographenmechanismus

Damit es die neue, ab 2017 erhältliche „Autavia“ mit Leben erfüllen darf, musste das aus 233 Komponenten zusammengefügte Oeuvre einen gründlichen Optimierungsprozess durchlaufen. Im Zuge dessen erhielt das Uhrwerk eine dickere und damit auch stabilere Chronographenbrücke. Neben dem Schaltrad ist sie das einzige Bauteil, das von Schauben gehalten wird. Ansonsten kommt das zeitschreibende Schaltrad komplett ohne Schrauben aus.

TAG Heuer Autavia 2017 - unter Zifferblatt

Alle anderen Bauteile werden dank genialer zukunftsweisender Konstruktion lediglich zusammengesteckt. In ihrer Position bleiben sie beispielsweise durch die funktionsbedingten Halte- oder Druckfedern. Das reduziert die Montagezeit gegenüber Konventionellem um etwa die Hälfte, was sich logischerweise positiv auf den Publikumspreis auswirkt.

Selbiger soll, wie mir Jean-Claude Biver verdeutlichte, spürbar unter 5.000 Euro liegen Der aktuellen Kaliber-Klassifizierung folgend, wird dieses Uhrwerk fortan „Heuer 02“ heißen. 

Jean-Claude Biver

Jean-Claude Biver verspricht für die neue „Autavia“ einen Preis unter 5.000 Euro.

Seine tragenden Teile, also die Platine, Brücken und Kloben entstehen in Chevenez. Dort, wo TAG Heuer seit 2013 eine eigene Fabrikationsstätte unterhält, erfolgt künftig auch die Montage der Werke. Die Räder und Stahlteile liefern, wie auch anderswo, erfahrende Fabrikanten zu.

Zu haben sein wird der Newcomer in zwei Versionen: einmal unlimitiert mit Sichtboden und zum anderen als Hommage an den 85. Geburtstag von Jack W. Heuer im Jahr 2017 in einer Auflage von 1.932 Exemplaren. In diesem Fall erinnert der massive Boden an den betagten, aber weiterhin ungemein engagierten Vater der „Autavia“.

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09 2016 The Red Bulletin

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