Tudor Heritage Black Bay Chronograph Kaliber MT5813

Stoppendes Gemeinschaftswerk: Tudor trifft Breitling
 

Text: Gisbert L. Brunner
Fotos: Gisbert L. Brunner, Breitling und Tudor

Zur Baselworld 2017 präsentierte Tudor mit dem Heritage Black Bay einen preiswerten Stahl-Chronographen mit exklusivem Innenleben - dem modifizierten Automatikkaliber Breitling B01.
Gisbert L. Brunner

Seit 1981 berichtet Gisbert L. Brunner über Uhren und Zeitmessung.

Breitling wird, das habe ich kürzlich hier gepostet, vermutlich ab Juni einen neuen Mehrheitseigentümer haben. An der in Basel verkündeten und natürlich schriftlich verbrieften Kooperation des bisherigen Familienunternehmens mit der ehrgeizigen Rolex-Tochter Tudor wird sich, das scheint in jedem Fall sicher, aber wohl nichts ändern.

Deshalb gehört der stählerne Heritage Black Bay Chronograph mit dem modifizierten Automatikkaliber Breitling B01, das bei Tudor MT5813 heißt, nicht zuletzt auch wegen des Kampfpreises zu meinen Chrono-Helden des Jahres 2017. Für eine moderate Summe gibt es nämlich bemerkenswert viel Uhr.

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Die Geschichte von Breitling ist ohnehin geschrieben. Und dort steht zu lesen, dass die 1884 gegründete Firma im Jahr 1915 den ersten Armbandchronographen mit unabhängigem Drücker vorstellte. Mit dem 125. Jubiläum im Jahr 2009 ging die Vorstellung des ersten Manufaktur-Chronographen von Breitling einher.

Bei 7,2 mm Bauhöhe misst das selbst entwickelte und gefertigte B01 exakt 30 Millimeter. Hat der beidseitig wirkende Kugellagerrotor den Energiespeicher voll gespannt, tickt das Oeuvre ohne weiteren Energienachschub gut 70 Stunden am Stück. Natürlich obliegt die Steuerung der drei zeitschreibenden Funktionen Start, Stopp und Nullstellung einem traditionellen Schaltrad.

Die Verbindung zwischen Stopper und „Motor“ stellt eine energieeffiziente Reibungskupplung her. Zu den innovativen Elementen des mit vier Hertz tickenden und damit auf die Achtelsekunde genau stoppenden Uhrwerks gehört ein patentiertes Selbstzentrierungssystem mit neuartigem Herzhebel zur Nullstellung des Chronographenzeigers sowie des Minuten-Totalisators.

Automatikkaliber Breitling B01

Das 2009 vorgestellte Chronographenkaliber Breitling B01: links als Explosionsdarstellung, rechts am Montageband

Breitling B01 vs Tudor MT5813

Links: Kaliber Breitling B01, rechts das modifizierte Pendant Tudor MT5813
 

Im Zuge eines Tausch-Abkommens ist die bewährte zeitschreibende Kreation künftig auch im stählernen „Heritage Black Bay Chrono“ von Tudor erhältlich. Im Gegenzug liefert die Rolex-Tochter das Manufaktur-Automatikkaliber MT5612 nach Grenchen.

Kleine Unterschiede mögen freilich auch sein. Sie äußern sich einmal in der Finissage des Mikrokosmos. Des Weiteren besitzt der Stopper keinen 30- sondern einen 45-Minuten-Zähler, der seinen besonderen Nutzen beispielsweise im Fußballstadion an den Tag legt.

Bleibt schließlich der Gangregler. Unter der bei Tudor langgesteckten Brücke oszilliert eine Glucydur-Unruh mit variabler Trägheit. Den Rückschwung bewirkt eine amagnetische Silizium-Unruhspirale. Im Gegensatz dazu verwendet der Konstrukteur und Hersteller des Kalibers einen Unruhkloben und ein konventionelles Rückersystem. Wie bei Breitling üblich, muss jedes Uhrwerk, also auch das so genannte MT5813 vor dem Einbau ins 41 mm große Stahlgehäuse mit Saphirglas, Schraubkrone und -drückern die offizielle Schweizer Chronometerprüfung bei der COSC bestehen.

Hinsichtlich der Produktgestaltung haben die Designer gewisse Anleihen bei den ersten Tudor-Chronographen von 1970 genommen. Die Lünette der bis 20 bar Wasserdruck dichten Schale trägt eine Tachymeterskala zum Messen von Durchschnitts-Geschwindigkeiten.

Bei der Preisgestaltung haben die Kaufleute im Hause Tudor mit extrem spitzem Bleistift kalkuliert. Der ab Juli 2017 erhältliche Kooperations-Held ist mit Lederband für 4.410 Euro erhältlich. Die Version mit stählernem Gliederband verlangt nach einem Investment von 4.700 Euro. Bei den Preisen, die Breitling für seine Chronographenwerke verlangt, muss und wird sich Tudor vermutlich mit sehr geringen Margen begnügen.

Demnächst an dieser Stelle: Mein Gespräch mit Ander Ugarte, dem Tudor-Chefdesigner während der Baselworld 2017.

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05 2017 The Red Bulletin

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