Greubel Forsey und Richard Mille: Uhren zum Preis von über 1 Million Euro

Uhren für Millionäre:
Greubel Forsey und Richard Mille

Text: Gisbert L. Brunner
Fotos: Gisbert L. Brunner und Marken

Die „Grande Sonnerie“ von Greubel-Forsey und der „RM 50-93 Tourbillon Schleppzeigerchronograph Ultralight McLaren F1“ kosten auch ohne Edelmetallgehäuse jeweils mehr als eine Million Euro.
Gisbert L. Brunner

Gisbert L. Brunner berichtet seit 1981 über Uhren und Zeitmessung.

Träumen ist bekanntlich nicht verboten. Zum Beispiel von Uhren wie diesen beiden. Jede kostet mehr als eine Million Euro. Nichts für Normalsterbliche also, sondern etwas für Zeit-Genossen, die das besonders Exklusive, extrem Teure und deshalb ungemein Seltene zum Maß ihrer bescheidenen Ansprüche machen.

Exakt an diese Klientel wenden sich die beiden relativ jungen Marken Greubel Forsey und Richard Mille. Uhrmacherische Alltagskost ist für die inhabergeführten Unternehmen ein Fremdwort. Sie haben das Außergewöhnliche im Blick und damit ausgesprochen gut betuchte Menschen, welche ihr Handgelenk mit nicht alltäglichen Zeitmessern schmücken wollen.

Natürlich muss man fürs viele Geld auch einiges bieten. In dieser Hinsicht sind die hier vorgestellten Zeit-Boliden grundverschieden. Robert Greubel und Stephen Forsey haben der kostbaren Zeit ein betörend klingendes, jedoch eher klassisches Gesicht verliehen. Richard Mille zelebriert hingegen die ungemeine Leichtigkeit des chronometrischen Seins durch einen Weltrekord. Wovon Mann nun träumt, bleibt ihm nach der Vorstellung der höchst unterschiedlichen Kreationen selbst überlassen. „Ein Auto muss man erst träumen“, hat Enzo Ferrari einmal gesagt. Uhren wie diese logischerweise auch.

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Klangvolles Zeit-Oeuvre

Der Kunst des Erfindens haben sich Robert Greubel und Stephen Forsey verschrieben. Die neueste Schöpfung der in La Chaux-de-Fonds angesiedelten Manufaktur blickt auf elf Jahre Forschung und Entwicklung zurück.

Für ein Exemplar der „Grande Sonnerie“ sind insgesamt 935 Komponenten erforderlich. Ihr funktionales Zusammenspiel bewirkt zwei unterschiedliche, vom Besitzer selbstverständlich individuell wählbare und, wenn Ruhe angesagt ist, auch abstellbare Schlagwerk-Modi: Die Grande Sonnerie tut die Stunden und Viertelstunden „en passant“, also selbsttätig kund. Petite Sonnerie, also das Kleine Schlagwerk beschränkt sich auf die akustische Darstellung allein der vollen Stunden. Wer die aktuelle Zeit minutengenau hören möchte, kann sich der ebenfalls integrierten Minutenrepetition bedienen.

Damit das Ganze klanglich auch wirklich zu Herzen geht, schlagen die kleinen Hämmer auf extra lange Tonfedern vom Typ „Kathedral“. Nicht weniger als elf Sicherheitsmechanismen sorgen dafür, dass falsches Handling keinen Schaden anrichten kann. Selbstverständlich agiert der „Tempomat“, welcher für Gleichförmigkeit beim Ablauf der Schlagfolge sorgt, geräuschlos. Nach Vollaufzug des Schlagwerks-Federspeichers ertönt die „Grande Sonnerie“ rund zwanzig Stunden lang.

 Das koaxial dazu positionierte Zeit-Federhaus hält die Uhr mit geneigtem 24-Sekunden-Tourbillon (86 Teile, 0,37 Gramm) und drei Hertz Unruhfrequenz rund 72 Stunden am Laufen. Neben den Stunden, Minuten und Sekunden zeigt das 43,5 Millimeter große und 16,13 Millimeter hohe Oeuvre die verbleibende Gangreserve von Geh- und Schlagwerk sowie den Schaltzustand der Sonnerie an. Die Wasserdichte der Titanschale reicht bis zu drei bar Druck.

Pro Jahr entstehen maximal acht dieser klangvollen Uhren. Exklusivität ist also gewährleistet. Gerne hätte ich die „Grande Sonnerie“ in Aktion gezeigt. Aber Stephen Forsey bat mich bei der Produktpräsentation von einer Videoaufnahme abzusehen, weil der Prototyp in seinen Augen noch nicht die gewünschte klangliche Perfektion erreicht hatte. Dem Wunsch habe ich natürlich entsprochen.

Ultra-Leichtgewicht

“Ich erinnere mich an einen Kunden“, sagte Richard Mille letztes Jahr bei einem Interview, „dem ich unsere erste Voll-Titan-Konstruktion präsentierte. Er fragte mich, warum das so leicht sei. Das habe doch gar keinen richtigen Wert, denn der verknüpfe sich mit schweren Objekten. Ein paar Jahre später hatten wir eine Uhr in Platin und der gleiche Kunde wollte wissen, warum die so schwer und unkomfortabel sei. Viele unserer Kunden sind leidenschaftliche Uhrenliebhaber und folgen dem, was wir machen. Mit der Zeit wächst das Wissen, aber auch der Anspruch.“

Zum Beispiel auf Ultraleichtes fürs Handgelenk. Mit der Nadal-Edition hatte der clevere Franzose so etwas schon im Programm. Der auf seine Art und Weise bahnbrechende „RM 50-03 Tourbillon Schleppzeigerchronograph ultralight McLaren F1“ wird weltweit 75 Mechanik-Freaks mit dem nötigen Budget beglücken.

Das Handaufzugswerk mit Drehgang, Rattrapante, 30-Minuten-Totalisator, Gangreserve-, Drehmoments- und Funktionsanzeige misst 31,10 x 32,15 x 9,92 mm (Höhe). Ungeachtet seiner vielen Funktionen wiegt es lediglich sieben Gramm. Der anspruchsvolle Trick für solche Leichtigkeit: Hightech-Materialien und extreme Skelettierung. Trotzdem hält der Mikrokosmos Belastungstests von bis zu 5.000 g problemlos stand.

Die Platine, Brücken und Kloben des Uhrwerks bestehen aus stabilem Grade-5-Titan, will heißen einer Legierung aus 90 Prozent Titan, 6 Prozent Aluminium und 4 Prozent Vanadium. Einige Brücken der zeitschreibenden Mechanik lässt Richard Mille analog zum Gestell, welches den gesamten Mikrokosmos birgt, aus TPT-Karbon produzieren.

Bei der Thin Ply Technology legte eine Maschine maximal 30 Mikron dicke und mit einem Harz durchtränkte Karbonschichten abwechselnd jeweils um 45 Grad gedreht aufeinander. In einem Autoklaven wird das Ganze bei sechs bar Druck auf 120 °C erhitzt und so gehärtet. Hierfür hat Partner McLaren Applied Technologies nicht nur zahlreiche Qualitätskontrollen und Prüfverfahren durchgeführt, sondern auch passende Lösungen zur Herstellung dieses exklusiven Werkstoffs beigesteuert.

Durch die Befestigung des Gestells direkt am Gehäusemittelteil aus dem gleichen Material war - ein wichtiger Beitrag zur Gewichtsersparnis - der sonst übliche Werkhalterahmen verzichtbar.

Die Summe dieser technischen Lösungen lassen das komplexe Uhrwerk mit bemerkenswerter Gewichts-Stabilitäts-Relation Belastungstests von 5.000 g problemlos aushalten. Für das Kaliber RM 50-03 haben die Techniker einen neuartigen Schleppzeigermechanismus mit geändertem Design der beiden Zangen entwickelt. Die übliche Feder im Rad für den Einholzeiger wurde durch eine Klinge ersetzt, was Drehmomentschwankungen bei aktivierter Funktion reduzieren soll. Das Schaltrad des Chronographen hat statt bisher acht nur noch sechs Säulen.

Weitere Spezifika des Uhrwerks: Minutentourbillon, Käfigdurchmesser 12,40 mm, Unruh mit variabler Trägheit, Durchmesser 10 mm, Unruhfrequenz drei Hertz. Drehanzeige, welche Informationen liefert über den Spannungszustand der Zugfeder. Funktionsindikation bei „4“: W (Winding – Aufziehen), N (Neutral) und H (Hands – Zeiger). Schnell rotierendes Federhaus. Eine Umdrehung dauert nur sechs Stunden. Modularer, also außerhalb des Werks positionierter Zeigerstellmechanismus am Gehäuseboden zum schnelleren Austausch im Servicefall.

Schließlich verwendet Mille so genannte „Spline“-Schrauben aus Titan. Diese erlauben eine bessere Kontrolle beim Festziehen. Glasrand und Boden der hoch belastbaren und bis fünf bar wasserdichten Schale im typischen Mille-Design sind mit Graph TPT versehen. durch die Zugabe von Graphen, einem revolutionären Nano-Material, sechsmal leichter und 200-mal stabiler als Stahl konnten die physikalischen Eigenschaften des weiter oben beschriebenen TPT Karbon deutlich optimiert werden. Das von der BIWI SA zugelieferte Kautschukband besitzt zur Verbesserung der elastischen Qualitäten sowie der Verschleißfestigkeit ebenfalls Graphen-Anteile. Kurzum: Die mehr als eine Million Euro wird man am Handgelenk hinsichtlich ihres Gewichts kaum spüren. Ultraleichter Auftritt hat nun einmal seinen Preis.

Greubel Forsey und Richard Mille: Uhren zum Preis von über 1 Million Euro

Gegensätzliches für betuchte Zeit-Genossen: Greubel Forsey „Grande Sonnerie“ und Richard Mille „RM 50-03 Tourbillon Schleppzeigerchronograph Ultralight McLaren F1“

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02 2017 The Red Bulletin

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