Tissot Ballade Chronometer 2017 mit Silizium-Unruhsprale

Tissot „Ballade“ Powermatic 80: Silizium für Einsteiger

Text: Gisbert L. Brunner
Fotos: Tissot, Breguet

Für rund 900 Euro ist die chronometerzertifizierte Tissot „Ballade“ mit Powermatic 80-Kaliber und Silizium-Unruhspirale erhältlich.

Gisbert L. Brunner berichtet seit 1981 über Uhren und Zeitmessung. Die Basler Uhrenmesse besucht er seit 1982.

Jahrhundertelang beherrschten Messing, Stahl und synthetischer Rubin die Fertigung mechanischer Uhrwerke. Ab 2001 wehte ein frischer Wind durch die Uhrenszene. Ulysse Nardin präsentierte neue die „Dual Direct Hemmung“ mit Hemmungsrädern aus Silizium. In monokristalliner Form besitzt dieser Werkstoff die gleiche Kristallstruktur wie Diamant. Das heißt: Es ist sehr hart - 60 Prozent härter als Stahl, zudem sehr leicht - 70 Prozent leichter als Stahl. Silizium ist amagnetisch, korrosionsfest und verfügt auch ohne aufwändige Nachbearbeitung über eine extrem glatte, die Reibung beträchtlich reduzierende Oberfläche. Und das wiederum macht Öl entbehrlich. Silizium ist auch hoch elastisch, aber nicht plastisch verformbar. Letztgenannter Sachverhalt ließ Ulysse Nardin als weltweit erste Uhrenmanufaktur auch Unruhspiralen aus thermisch stabilisiertem Silizium fertigen. Nur die Anmeldung eines Patents versäumte das Unternehmen.

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Anfang des 21. Jahrhunderts kooperierten Patek Philippe, Rolex und die Swatch Group in Sachen Silizium mit dem Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik (CSEM) und dem Institut für Mikrotechnik der Universität Neuenburg. Ab 2005 standen erste Komponenten aus „Silinvar“, also von Temperaturschwankungen so gut wie nicht beeinflusstem Silizium zur Verfügung. Zu diesem Resultat führt das Aufbringen einer stabilisierenden Oxidschicht. „Silinvar“ (invariables Silizium) ist um zwei Drittel leichter als Nivarox, antimagnetisch, korrosionsfest und Temperaturschwankungen selbst kompensierend. Bei wechselnden unterschiedlichen Temperaturen bleiben derartige im so genannten DRIE-Verfahren hergestellte Spiralen mit unveränderlicher Länge immer gleich elastisch. Während Invar-Spiralen bereits auf Stöße mit etwa 1000 G, also dem tausendfachen Eigengewicht mit makroskopischen Verformungen reagieren, können Silinvar-Spiralen bis zu 5000 G vertragen. Wiederholte kleine Stöße, welche eine Uhr im täglichen Gebrauch immer wieder abbekommt, ziehen keine Beeinträchtig der Ganggenauigkeit nach sich.

Silizium Unruhspirale von Breguet

Silizium-Unruhspirale

© Foto: Breguet

Bislang fanden sich patentrechtlich geschützte „Silinvar“-Unruhspiralen aus Kostengründen nur in sehr hochwertigen und deswegen auch entsprechend teuren Armbanduhren. Das ist nun Vergangenheit. Im Vorfeld der Baselworld 2017, die am 23. März ihre Türen öffnet, stellt das Swatch Group-Mitglied Tissot die neue „Ballade“ mit dem an dieser Stelle bereits ausführlich beschriebenen „Powermatic 80“ Kaliber vor. Die Besonderheit des Newcomers mit sehr klassischem Outfit: eine Silizium-Unruhspirale. Diese Armbanduhr ist in verschiedenen Ausführungen in Größen für Damen und Herren verfügbar. Bevor die Uhrwerke sich in den Schutz des Gehäuses begeben dürfen, müssen sie bei der Offiziellen Schweizer Chronometerkontrolle COSC während 15 Tagen ihre Präzision unter Beweis stellen. Nach Vollaufzug durch den Rotor gewährleistet das Automatikwerk eine 80-stündige Gangautonomie.

In Edelstahl kostet die 39 Millimeter große, bis fünf bar wasserdichte sowie mit Saphirglas und Lederband ausgestattete „Ballade“ (abhängig vom Mehrwertsteuersatz) rund 900 Euro.

Bicolor-Versionen mit gelb- und roségoldfarbener PVD-Beschichtung sind ebenfalls erhältlich.

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03 2017 The Red Bulletin

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