Claudine Herzog - Uli Herzog - Rolf Studer

Neue Köpfe, neuer Geist

Text: Gisbert L. Brunner

Das Personalkarussell dreht sich in der Uhrenindustrie auch 2015

Nachdem ich erfahren hatte, dass Davide Cerrato bei Tudor ausgeschieden ist, stellte sich natürlich die Frage, wo der stets durchgestylte Mann mit der Fliege als nächstes aufschlagen wird. Seit 19. November 2015 ist klar, dass der VP Marketing, Design und Produktentwicklung, dem Tudor einen wichtigen Teil des aktuellen Erfolgs verdankt, ab 1. Dezember 2015 bei Montblanc in Le Locle die Geschäftsführung des Uhrenbusiness übernehmen und direkt an Jérôme Lambert berichten wird. Nach dem Besuch des International Institute for Management Development (IMD, einer privaten Wirtschaftshochschule in Lausanne) war Davide zunächst für den Süßwarenkonzern Ferrero tätig. Ich lernte ihn in seiner Eigenschaft als Chef-Kommunikator bei Panerai erstmals persönlich kennen. Dort war er zwischen 2004 und 2006 tätig. Mit Wirkung von 1. Januar 2017 wechselte er nach Genf zur Rolex-Tochter Tudor.

Davide Cerrato, ab 1. Dezember 2015 bei Montblanc

Mit dem neuen Job verknüpft sich für Davide eine große Herausforderung, denn sein neuer Chef Jérôme Lambert stellt hohe Anforderungen. Auguri, Davide!

Davides Chef bei Tudor: CEO Philippe Peverelli
 

Davides neuer Chef Jérôme Lambert ist Alexander Schmiedts alter Chef

Bei dieser Gelegenheit kann ich auch vermelden, dass der bei Montblanc für die  Produktentwicklung und weltweite Uhrenstrategie zuständige Österreicher Alexander Schmiedt nach elf Jahren bei Montblanc mit Wirkung vom 1. Februar 2016 zur Schwester Vacheron Constantin wechselt und dort von Dubai aus die Leitung des mittelöstlichen Marktes übernehmen wird. Am Telefon teilte mit Alexander mit, dass er sich schon länger mit dem Gedanken getragen habe, praxisnahe Erfahrungen im Uhrenvertrieb und -marketing sammeln zu wollen. Nun habe sich bei der genfer Nobelmanufaktur eine passende Gelegenheit geboten, die es zu ergreifen galt. In diesem Sinne: Viel Glück und Erfolg im Mittleren Osten, lieber Alexander!

Fortan bei Vacheron Constantin: Alexander Schmiedt

Neuer Chef von Alexander Schmiedt: Juan-Carlos „Charly“ Torres

Oris - real watches for real people - nimmt zum 1. Januar 2016 einen Wechsel in der Geschäftsführung vor. Mit-Eigentümer Uli Herzog konzentriert sich nach 33 Jahren an der Spitze auf seine Rolle als Chairman der Oris Group. Uli war 1978 auf dem Höhepunkt der Quarzkrise zu Oris gestoßen. 1982 beteiligte er sich am Management Buy-out und positionierte die Firma erfolgreich als Hersteller ausschließlich mechanischer Uhren.

Als Geschäftsführer agieren fortan gemeinschaftlich der aktuelle Vizepräsident
Rolf Studer und Claudine Gertiser-Herzog. Die Tochter von Uli Herzog hatte als erfolgreiche Unternehmerin seit 2005 als Verwaltungsratsmitglied bei Oris agiert. Rolf, studierter Jurist und seit zehn Jahren bei Oris, zeichnet in Zukunft auch für den globalen Vertrieb, das internationale Marketing sowie das Produkt- und Supply Chain-Management verantwortlich.

Claudine und Uli Herzog, rechts Rolf Studer

Uli zum Wechsel an der Unternehmensspitze: „Ich kann auf viele aufregende, herausfordernde und bereichernde Jahre in der Entwicklung von Oris zurückblicken. Mit Rolf und Claudine haben wir zwei passionierte und motivierte Führungskräfte ernannt. Ich bin mir sicher, dass wir mit dieser Verjüngung der Oris-Geschäftsführung noch besser für die Zukunft aufgestellt sind.“

Zieht sich zurück, aber nicht ganz: Ulrich Herzog

Alles Gute für Uli, Claudine und Rolf in ihren neuen Positionen. Ich freue mich, euch bald in Zermatt zu sehen.

Über den schon länger vermuteten Wechsel an der Spitze von Cartier hatte ich an dieser Stelle schon berichtet. Als er dann am 6. November 2015 publik wurde, dröhnte es wie ein Paukenschlag durch die Branche. Stanislas de Quercize, der im Frühjahr 2012 von Van Cleef & Arpels zu Cartier gestoßen war, tritt aus persönlichen Gründen als CEO zurück und leitet künftig die französische Richemont-Dependance. Näheres wurde nicht bekannt, aber Insider sprachen von einem massiven Burn-Out-Syndrom, welche Stanislas de Quercize schon länger vom Büro ferngehalten hatte. Auch während der Watches & Wonders in Hongkong wurde er nicht gesehen.

Stanislas de Quersize

Ad interim hatte sein Vorgänger und aktuell einer der beiden Richemont-CEOs Bernard Fornas die Vertretung wahrgenommen.

Bernard Fornas

Richemont-Chairman Johann Rupert kommentierte die Demission mit großem Bedauern: „Ich, meine Kollegen im Aufsichtsrat und im Management, sowie alle Mitarbeiter von Richemont und Cartier, danken für den Einsatz, seine Arbeitsmoral und den Enthusiasmus. Wir bedauern die Entscheidung des Rücktritts zutiefst, müssen sie aber akzeptieren.“

Johann Rupert

Richemont Chairman Johann Rupert

Einen Nachfolger hat Richemont bereits gefunden. Er heißt Cyrill Vigneron, ist bis Ende 2015 noch aktuell Präsident von LMVH Japan, tritt offiziell also am 1. Januar 2016 an und kennt den Juwelier der Könige durch seine insgesamt 25-jährige Tätigkeit bei Richemont (1988 bis 2013), zuletzt als Cartier Europa-Chef bis in die letzte Verästelung. Dazu nochmals Johann Rupert: „Er ist ein alter Kollege und ein hochgradig fähiger und effektiver Leader.“ Auf Cyrill Vigneron warten viele Herausforderungen. Das Geschäft in China und Hongkong ist längst kein Selbstläufer mehr. Und die Uhrensparte verdient ebenfalls ein hohes Maß an Aufmerksamkeit.

Vielleicht hat Heléne Poulit, ihres Zeichens internationale Marketingchefin und Mitglied des Exekutivkomitee bei Cartier, das Haus Ende August 2015 vorschnell verlassen.

Leitet seit September 2015 Boucheron: Helène Poulit

Helène sitzt seit Anfang September 2016 auf dem Chefsessel des französischen Schmuck- und Uhrenlabels sowie Kering-Mitglieds Boucheron. In dieser verantwortungsvollen Position berichtet die charmante Lady an Albert Bensoussan.

Albert Bensoussan

Wäre sie geblieben, aber das ist reine Spekulation, hätte sie möglicherweise auch Chancen auf den Chefposten bei Cartier gehabt. So oder so beherrscht die Mutter zweier Kinder den keineswegs einfachen Spagat zwischen femininem Charme und knallhartem Geschäft schlichtweg perfekt. Und das dürfte einer der Gründe für die beispiellose Blitzkarriere nach dem Studium an der französischen Elite-Akademie ESSEC gewesen sein.

Mit 22 hatte sie das Examen in der Tasche und auch ohne Bewerbung auf Anhieb eine Stabsposition beim Luxusmulti LVMH. Nach einem kurzen Intermezzo bei Dior-Parfüms erfolgte im Oktober 1998 der Wechsel zu Cartier. Dort arbeitete sich Hélène als einzige Frau in einem Team selbstbewusster Männer innerhalb von 13 Jahren in die siebenköpfige Führungsriege empor. Ihre Maximen: eiserne Disziplin, klare Strukturen und der stete, immer aufs Firmenwohl bedachte Blick nach vorne. Und mit einem Lächeln, als sei es die normalste Sache in der Welt, bekennt sie auch, ein unverbesserlicher Workaholic zu sein.

Hinter der Top-Personalie bei Cartier verblassen weitere der vergangenen Monate. Schon länger erwartet worden war das altersbedingte Ausscheiden von Jean-Marc Jacot bei Parmigiani Fleurier.

Jean Marc Jacot

Alles Gute im Ruhestand, lieber Jean-Marc!

Dass der 66-Jährige seine operativen Leitungsfunktionen dann quasi über Nacht niederlegte, verwunderte am Ende doch ein wenig. Ein Zusammenhang mit der Entlassung von rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus ökonomischen Gründen kann an dieser Stelle nicht ausgeschlossen werden. Unbeantwortet ist derzeit die Frage einer Wiederbesetzung der Leitungsfunktion. Schon bislang stand an der Parmigiani-Spitze ein achtköpfiges Direktionsgremium, zu dem auch Jean-Marc Jacot gehörte.

Bei De Bethune, gegründet 2002, gibt Pierre Jacques nach fünf Jahren an der Spitze Ende 2015 den Steuerknüppel ab, um sich anderen Aufgaben zuzuwenden. Vor seinem Engagement hatte er im Medien-Business (Uhrenmagazin GMT) gewirkt und als Leiter der Genfer Dependance von „Les Ambassadeurs” gewirkt.

Bereits Mitte September 2015 hatte die chinesische Citychamp Watch & Jewelry Ltd. (früher China Haidian) die Ernennung von Davide Traxler zum COO der Uhrenmanufaktur Corum bekannt gegeben. Traxler übernimmt in la Chaux-de-Fonds die Leitung des Managements. Außerdem leitet er das Tagesgeschäft und er verantwortet die internationale strategische Ausrichtung. Erfahrungen im Geschäft mit dem Luxus sammelte Davide über 15 Jahre hinweg bei Bulgari und Chopard.

Davide Traxler

Schließlich hat Patrick Kury die Porsche Design-Uhrendependance in Solothurn verlassen, um, wie von Anbeginn vereinbart, neue Projekte in Angriff zu nehmen.

Patrick Kury

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November 2015 The Red Bulletin

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