Heuer Autavia

55 Jahre Heuer Autavia

Text: Gisbert L. Brunner
Fotos: Heuer und „Heuer Autavia Chronographs 1962 – 1985“

Vom Armaturenbrett ans Handgelenk: Ein Streifzug durch die Geschichte der legendären Heuer Autavia.
Gisbert L. Brunner

Gisbert L. Brunner schreibt seit 1981 über Armbanduhren. Von ihm stammen mehr als 20 Bücher zu diesem Thema.

An eine Uhr fürs Handgelenk dachte im Hause Heuer beim „Autavia“-Debüt im Jahr 1933 noch niemand. Vielmehr handelte es sich um chronometrische Bordinstrumente für Automobile und die Aviatik, also Luftfahrt. Aus den beiden Wörtern generierten Charles-Edouard und Hubert-Bernard Heuer kurzerhand „Autavia“.

Anfang der 1960er Jahre gefiel das einprägsame Kürzel Jack W. Heuer derart gut, dass er es für eine neue Linie von Armband-Chronographen nutzte. Die stählernen Zeitschreiber gaben 1962 ihren Einstand. In den Referenzen 2446 (30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler) und 3646 (30-Minuten-Totalisator) tickte das feine Handaufzugskaliber Valjoux 72 mit Schaltradsteuerung und horizontaler Räderkupplung.

Mit der Vorstellung dieser Stopper begann die Geschichte eines chronographischen Mythos, der, wie sich beim diesjährigen Collectors Summit in La Chaux-de-Fonds zeigte, zahlreiche Sammler rund um den Globus begeistert.

Heuer Autavia Kaliber Valjoux

Bei vielen stellt die „Autavia“ andere Klassiker weit in den Schatten. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass sich internationale Größen im Automobilsport für diesen ausdruckstarken Zeitmesser begeisterten. Zu ihnen gehörte Jochen Rindt, der die Referenz 2446 in der dritten Ausführung am Handgelenk trug. Nicht zuletzt deshalb besitzt das Rindt-Modell echten Kultstatus. Mario Andretti setzte auf die 3646 in der dritten Ausführung.

Im Laufe der Jahre erfuhren die beiden Start-Referenzen mehrere gestalterische Metamorphosen. 1968 brachte zum Beispiel die Referenz 2446 GMT. Ihr Handaufzugskaliber Valjoux 724 verfügte über einen zusätzlichen 24-Stunden-Zeiger.

Jo Siffert
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Bekanntlich hatte sich Jack W. Heuer Ende der 1960er Jahre an der Arbeitsgemeinschaft zur Entwicklung des weltweit ersten Armband-Chronographen mit Mikrorotor-Aufzug beteiligt. Das 1969 lancierte Kaliber 11 fand logischerweise auch in die Autavia. Zunächst in die Referenz 1163, welche Jo Siffert, Clay Regazzoni, Derek Bell und Graham Hill am Handgelenk trugen.

Jack Heuer mit Niki Lauda und Clay Regazzoni

Trotzdem verlief der Verkauf dieser Stopper auf normalem Weg eher schleppend. Infolge der Quarzrevolution und ihrer Auswirkungen auf den Markt mechanischer Uhren entschloss sich Jack W. Heuer zu sehr unkonventionellen Vertriebsmethoden. In diesem Sinne legte Reynolds Tobacco in den USA einige Monate lang jeder Stange seiner Zigarettenmarke Viceroy einen Gutschein bei. Dieser autorisierte den Besitzer zum Erwerb eines modifizierten „Autavia”-Chronographen für lediglich 88 Dollar. Das Resultat konnte sich sehen lassen. Am Ende der Aktion hatte Heuer immerhin 16.000 Exemplare verkauft.

Viceroy-Kampagne von Heuer

Bleibt der Rennfahrer Gilles Villeneuve, der ab 1964 auf eine „Autavia“ Referenz 73663 mit dem Handaufzugskaliber Valjoux 7736 blickte. 

Wer mehr zur Genese der Heuer „Autavia“-Armbanduhren wissen möchte, sollte sich das extrem informative Buch „Heuer Autavia Chronographs 1962 – 1985“ von Richard Crosthwaite und Paul Gavin zulegen. An dieser Stelle danke ich Richard und Paul sehr herzlich für die freundliche Genehmigung, Fotos aus ihren reich bebilderten Werk zu verwenden.

Autavia-Buch

Eine erste Autavia-Renaissance brachte das Jahr 2003. An diesem Hommage-Modell mit dem „Calibre 11“, einem Mix aus Eta-Automatik und Dubois-Dépraz-Modul, hatte Jack W. Heuer in seiner damaligen Rolle als Ehrenpräsident von TAG Heuer mitgewirkt. Durch die modulare Bauweise des Innenlebens konnte die wegen des Selbstaufzugs eher selten benötigte Krone wie bei der Referenz 1163 auf der linken Gehäuseseite positioniert werden.

2017 kehrt die „Autavia“ nun in nie dagewesener Weise, nämlich mit einer echten Manufaktur-Automatik zurück in die Uhrenszene. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

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09 2016 The Red Bulletin

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