Minutenrepetition Tonfeder

Uhrenwissen kompakt: M-P

Text und Bilder: Gisbert Brunner

Experte Gisbert Brunner erklärt die Uhr von A bis Z. Teil fünf: Die Begriffe von M bis P.
Gisbert Brunner

Gisbert Brunner, Jahrgang 1947, beschäftigt sich seit den 60er-Jahren mit Präzisionszeitmessern aller Art, vornehmlich mit Armbanduhren. Inzwischen hat Brunner mehr als 15 Büchern zum Thema veröffentlicht. Er ist weltweit gefragt als Vortragsredner.

Manufaktur

Ein Uhrenhersteller darf sich nach den ungeschriebenen Gesetzen der Uhrmacherei nur dann Manufaktur nennen, wenn er von mindestens einem Uhrwerk die tragenden Teile (Platine, Brücken, Kloben) selbst fertigt. Im Laufe der vergangenen Jahre wurde der Begriff zunehmend verwässert. Inzwischen nennen sich auch Marken mit exklusiven, also von anderen Herstellern eigens für sie gefertigten Uhrwerken gerne Manufaktur. Bei den Manufakturen ist zu unterscheiden zwischen solchen, die ausnahmslos alle Uhrwerke selbst fertigen, also zum Beispiel A. Lange & Söhne, Glashütte Original, Jaeger-LeCoultre, Patek Philippe, Rolex oder Zenith und jenen, die neben eigenen auch fremde Kaliber verbauen.

Mikron

Mikrometer oder Tausendstelmillimeter. Die Stärke der Goldauflage bei Doublé-Uhrengehäusen wird in Mikron (µ) angegeben. Früher betrug sie in der Regel mindestens 20 µ. Heute sind 5 µ an der Tagesordnung.

Mikrorotor

In die Werksebene integrierter Rotor bei besonders flach bauenden Uhrwerken mit automatischem Aufzug. 

Minutenrepetition

Uhren mit Minutenrepetition geben die Stunden, Viertelstunden sowie die danach noch verstrichenen Minuten auf Anforderung akustisch wieder. Dazu schlägt das komplizierte Werk in den meisten Fällen mit zwei Hämmern auf zwei Tonfedern. Die Stunden gehen aus der Anzahl tiefer, die Minuten aus derjenigen hoher Töne hervor. Dazwischen kommen die Viertelstunden durch Doppelschläge (hoch/tief) zum Ausdruck.

Minutenzähler

Totalisator bei Stoppuhren und Chronographen zur Erfassung der seit Beginn eines Stoppvorgangs verstrichenen Minuten. Die größte Verbreitung haben 30- und 45-Minuten-Zähler gefunden. Daneben gibt es auch 15- oder 60-Minuten-Zähler. Bei Nullstellung des Chronographen springt auch der Minutenzähler wieder in seine Ausgangsposition.   

Modul

Baugruppe. Die Uhrmacherei verwendet Module zum Beispiel für Chronographen, Kalendarien oder Schlagwerke. Sie lassen sich zusammen mit gängigen Uhrwerken verwenden.

Mondaltersanzeige

Die Mondaltersanzeige ist eine Indikation zum Ablesen der Anzahl von Tagen, die seit dem letzten Neumond vergangen ist.

Mondaltersanzeige

Indikation zum Ablesen der Anzahl von Tagen, die seit dem letzten  Neumond vergangen ist. Im synodischen Monat beträgt das Zeitintervall von Neumond zu Neumond, exakt 29 Tage, 12 Stunden und 44 Minuten und 3 Sekunden. Einfach Anzeigen dieser Art bestehen aus einer Scheibe mit 59 Zähnen, auf deren Oberfläche sich gegenüberliegend zwei Vollmonde befinden. Angetrieben durch das Uhrwerk bewegt sie sich innerhalb von zwei Lunationen einmal um ihre Achse. Die aktuelle Stellung ist durch einen speziell geformten Zifferblattausschnitt ablesbar. Mitunter überspannt ihn eine entsprechend graduierte Skala. Derartige Mondaltersanzeigen weichen jährlich etwa acht Stunden von der Norm ab. Neben diesen einfachen Ausführungen gibt es inzwischen auch komplexe Konstruktionen, deren jährliche Fehlerquote im Minutenbereich liegt. 

Mondphasen

Der Mond durchläuft seine von der Stellung Sonne/Mond/Erde abhängigen Licht- (Mond-) Phasen (Neumond/erstes Viertel, Vollmond/letztes Viertel, Neumond) innerhalb einer Lunation von etwa 29,5 Tagen.

Mysterieuse

Möglichst transparente Uhr, bei der Werk und Antrieb nicht sichtbar sind.

Parachrom Spirale

Hier ist eine Parachrom-Spirale zu sehen.

Nivaflex

Liebhaber betagter Handaufzugsuhren kennen das knackende Geräusch mit anschließendem Stillstand und Besuch beim Uhrmacher zur Genüge. Es zeugt vom Reißen der energiespendenden Zugfeder. Jahrzehntelang bestanden jene aus reinem Kohlenstoffstahl. Dieser Werkstoff stand für eine relativ hohe Rost- und vor allem auch Bruchgefahr. Längst haben struktur- und kaltgewalzte Legierungen die anfälligen Federspeicher abgelöst. Bei ihnen treten besagte Schwierigkeiten nur noch sehr selten auf. Und zwar dann, wenn extrem ungünstige Temperatur-, Konstruktions- und Umgebungseinflüsse zusammenkommen. Zu den Pionieren des Besseren gehörte 1948 einmal mehr der Schweizer Ingenieur Reinhard Straumann. Zu seinen Erfindungen gehört neben „Nivarox“ auch „Nivaflex“, legiert aus 42 bis 48% Kobalt, 15 bis 25% Nickel, 16 bis 22% Chrom sowie je 2 bis 6% Molybdän, Wolfram und Eisen; außerdem Spuren von Titan und Beryllium. Der Kohlenstoffanteil liegt unter 0,1 Prozent. Ein höherer Grad an Beryllium steigert übrigens die Festigkeits- und Härtewerte zusätzlich, was Miniaturisierungsanforderungen gerecht wird. Daraus gefertigte Zugfedern sind amagnetisch, bestechen durch extreme Zugfestigkeit, über 800 Vickers Härte, hohe Biegewechselfestigkeit, exzellente Korrosionsbeständigkeit und gute Temperaturbeständigkeit von -50 bis 350 °Celsius. 

Nivaflex Zugfeder

Der Schweizer Ingenieur Reinhard Straumann ist der Erfinder von „Nivaflex“.

Nivarox

Dem Werkstoff Elinvar mangelte es an Härte. Dadurch reduzierte sich die Unruh-Amplitude im Vergleich zu Stahlspiralen spürbar. Der Schweizer Ingenieur Reinhard Straumann (1892 – 1967) glänzte 1933 durch die Entwicklung des patentierten und bis heute verwendeten Werkstoffs „Nivarox“ für selbstkompensierende Unruhspiralen. Dieses neuartige Material, „nicht variabel, nicht oxidierend“, geheimnisvoll legiert aus Stahl und Nickel unter Beigabe von Kobalt, Beryllium, Molybdän, Wolfram sowie Titan, ist temperaturstabil (Temperaturkoeffizient 0,5 sec/°C in 24 Stunden), hochelastisch, weitgehend unmagnetisch und rostfrei. Es machte die teuren Kompensationsunruhn überflüssig und bewirkte trotzdem stabiles Gangverhalten mechanischer Uhren. 

Parachrom

Bei Rolex wird zeitbewahrende Mechanik seit 1908 groß geschrieben. Daher strebt die Genfer Uhrenmanufaktur seit deutlich mehr als einem Jahrzehnt in Richtung Autonomie. In diesem Sinne brillierte das eigene Chronographenkaliber 4130 Chronographenkaliber 4130 ab 2000 mit der blauen „Parachrom“-Spirale, die Magnetfelder und Stöße gelassen hinnimmt. Der Grund: Die Ingenieure hatten aus Niobium und Zirkonium ein exklusives Material entwickelt. Und dazu die Verfahrenstechnik zur Produktion in einem hochmodernen Schmelzofen bei 2.400 Grad Celsius. Wie es geht, können Eingeladene durch ein dick verglastes Guckloch ein wenig nachvollziehen. Vorausgesetzt sie tragen eine fast schwarz getönte Brille. Im raumhohen Ofen, der gleichfalls Rolex-eigener Kompetenz entstammt, herrscht Höllenglut. 2.400 Grand und Hochvakuum sorgen dafür, dass zwei 30 cm lange Stangen Niobium und eine ebenso lange Stange Zirkonium unter leichter Drehung beim Passieren des Elektronenfeuers miteinander verschmelzen. Das Legierungsverhältnis beträgt 85 Prozent Niobium und 15 Prozent Zirkonium. Sauerstoff ist ebenfalls mit von der Partie. Drei Passagen durch den glühenden Feuerring sind nötig, bis das Material die nötige Homogenität erreicht hat. Was dann aus dem Ofen kommt ist weiterhin 30 cm lang, nun aber einen Zentimeter dick. Zeitraubende Verfahren machen daraus am Ende rund 10.000 hauchdünne Bänder mit (ab 2006) hauchdünner blauer Oxidschicht, welche auf manuellem Wege eine spiralförmige Gestalt erhalten.

Platin Moser

Der hohe Preis für Platin-Uhren resultiert aus dem höchst aufwändigen Gewinnungsprozess und der großen Seltenheit.

Perpetual, Perpetuale

Uhr mit Selbstaufzug, zum Beispiel „Rolex Perpetual”.

Platin

Gleichermaßen dezentes wie kostbarstes Edelmetall zur Herstellung von Uhrengehäusen. Der hohe Preis resultiert aus dem höchst aufwändigen Gewinnungsprozess und der großen Seltenheit. Für ein Gramm Platin müssen mehr als 300 Kilogramm Erz abgebaut werden, für ein Gramm Gold reichen hingegen schon 100 kg. Daneben ist Platin auch schwer zu verarbeiten. Mit 1.7730C besitzt es den höchsten Schmelzpunkt (Gold 1.0630C, Silber 960 0C). Zudem ist es fester, zäher und schwerer als andere Schmuckmetalle, weshalb spezielle Werkzeuge und Fertigungstechniken zur Anwendung kommen müssen. Schließlich weisen Platingehäuse meist einen Feingehalt von 950/1000 auf, d.h. sie bestehen zu 95 Prozent aus diesem Edelmetall. Ein Platin-Uhrengehäuse wiegt rund 35 Prozent mehr als ein Pendant aus 18-karätigem Gold.

Platine Bulgari

Die Vorder- und Rückseite einer Platine.

Platine

Metallplatte, welche die Brücken, Kloben und die sonstigen Bestandteile eines Uhrwerks trägt. Zifferblattseitig befindet sich das Zeigerwerk. Rückwärtig ist das gesamte Räderwerk samt Federhaus sowie dem Schwing-und Hemmungssystem unter befestigt. 
In der Werkplatte befinden sich neben den Gewindebohrungen für die Schrauben auch Bohrungen für Stellstifte sowie die Lager des Räderwerks. 

Präzision

Die tickende Uhr gehört zu den ältesten und gleichzeitig genauesten mechanischen Maschinen. Ein Werk, das pro Tag, also innerhalb von 86.400 Sekunden (stattliche) 30 Sekunden von der offiziellen Zeitnorm abweicht, besitzt eine arithmetische Fehlerquote von 0,035%. Mit anderen Worten: Ihr Genauigkeitsgrad liegt bei erstaunlichen 99,965 Prozent. Moderne mechanische Armbanduhren gehen deutlich genauer. Wenn sie ein offizielles Chronometerzertifikat besitzen, liegt die tägliche Gangabweichung bei weniger als 0,005 Prozent. 

Prototyp

Der aus dem griechischen stammende Begriff steht für Ur- oder Vorbild. Beim Prototypen handelt es sich um das erste Muster einer Uhr, welches vor Aufnahme der Serienproduktion zumeist in Handarbeit hergestellt wird. 

Pulsometer

Zusätzliche Zifferblatt-Skalierung zum Messen der Pulsfrequenz. Zu finden meist bei Chronographen. Abhängig von der Graduierung sind nach dem Starten 20 oder 30 Pulsschläge zu zählen. Dann zeigt die Spitze des angehaltenen Chronographenzeigers auf die hoch gerechnete Pulsfrequenz pro Minute.

PVD

Die Oberfläche von Uhrengehäusen oder Werkskomponenten lässt sich durch Beschichtung einfärben. Sehr häufig kommt hier die „Physical Vapour Deposition“ (PVD) zur Anwendung. Das gewünschte Material wird durch Verdampfen oder Zerstäuben in einen Plasma-Zustand versetzt, damit es sich hauchdünn niederschlägt. Hierfür eignen sich fast alle Metalle, besonders gut jedoch Kohlenstoff in sehr reiner Form.

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08 2015 The Red Bulletin

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