Swiss Connect Analytics

Ins Herz mechanischer Uhren gelauscht

Text: Gisbert L. Brunner
Fotos: Gisbert L. Brunner
Screenshots: Watch Tuner Timegrapher und Swiss Connect Analytics

Ist die mechanische Armbanduhr gesund und munter? Smartphone, Mikrophon und die passende Applikation liefern wertvolle Informationen.
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Gisbert L. Brunner

Gisbert L. Brunner beschäftigt sich seit 1964 mit mechanischen Zeitmessern.

Viele Liebhaber mechanischer Uhren möchten liebend gerne wissen, wie genau ihre tickenden Schätzchen gehen. Wer eine Funkuhr besitzt oder ein Smartphone mit Atomuhr-App kann die Performance unter realen Tragebedingungen ganz leicht durch einen Sicht-Vergleich feststellen.

Unverzügliche Informationen liefern so genannte Zeitwaagen. Diese erfassen und zählen die Schlaggeräusche tickender Uhren, vergleichen sie mit einem quarzgesteuerten Zeitnormal und rechnen die solcherart ermittelten Werte auf 24 Stunden hoch.

Derartige Messungen erfolgen unter der fiktiven Annahme gleichbleibender Bedingungen über einen ganzen Tag hinweg. Solche sind, wie jeder an seinen fünf Fingern abzählen kann, natürlich nicht gegeben. Zum Beispiel verändern sich das von der Zugfeder abgegebene Drehmoment sowie die Positionen der Uhr. Trotzdem liefern solche Instrumente umfassende und wertvolle Informationen über den Zustand eines mechanischen Uhrwerks.

Bei eBay lassen sich Einsteiger-Exemplare wie der chinesische „Timegrapher“ von Weishi ab ungefähr 170 Euro erwerben. Professionelle Geräte wie der komfortable „Watch Expert IV“ des Schweizer Marktführers Witschi schlagen logischerweise mit einem Vielfachen dieses Preises zu Buche. Der Nachteil: Im Rahmen von Zeit-Reisen zu Uhrenbörsen oder -messen sind diese Geräte nur eingeschränkt nutzbar.

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Als Alternativen bieten sich smarte Telefone und darauf geladene Zeitwaage-Apps an. Dieses Equipment ist praktisch überall im Handumdrehen zur Stelle.

Der „Watch Tuner Timegrapher“, erhältlich im iTunes App Store für 12,99 Euro, nutzt für seine Messungen standardmäßig das eingebaute Mikrophon. Aussagekräftige Resultate setzen folglich eine hinreichend leise Umgebung voraus. Störgeräusche können die Messergebnisse mehr oder minder stark verfälschen.

Die professionelle Version dieser Applikation bietet zunächst einmal wichtige Einstellmöglichkeiten:

  • Anzeige der Durchschnittswerte
  • Unterdrückung der Nebengeräusche beim Belauschen des Probanden
  • Reduzierung der Nebengeräusche im Diagramm
  • Messdauer
  • Automatische Ermittlung oder manuelle Eingabe der Unruhfrequenz
  • Empfindlichkeit des Mikrophons
  • Hebewinkel der Ankerpaletten (Standardeinstellung 52 Grad)
  • Unruhfrequenz in Spektrum zwischen 200 und 43.200 Halbschwingungen/Stunde.

Nach Vornahme der Basis-Einstellungen erfolgt das Messen.

Die Werte erscheinen wie bei einer großen Zeitwaage auf dem Display des Smartphones. Selbstverständlich lassen sie sich speichern.

Im Programm selber sind Referenzwerte hinterlegt. Mit ihrer Hilfe errechnet die App Prozentwerte hinsichtlich der Qualität.

Diese sind bezüglich

der Gangabweichung

+/- 5 Sekunden/Tag: gut

+/- 20 Sekunden/Tag: akzeptabel

des Ankerabfall-Fehlers (Zeitunterschied zwischen dem Tick - Tack - Tick – Tack)

0,0 – 0,5 Millisekunde: gut

0,6 – 1,0 Millisekunde: akzeptabel

der Unruh-Amplitude (Winkel zwischen den extremen Auslenkungen)

310 – 270 Bogengrade: gut

270 – 250 Bogengrade: akzeptabel

Hier ist unbedingt zu unterscheiden zwischen flacher und hängender Lage. In waagrechter Position bewegt sich die abgerundete Stirnseite eines Zapfens der Unruhwelle auf dem Deckstein, während sich die zylindrischen Flächen beider Zapfen in der Senkrechten auf die Steinbohrungen stützen.

Logischerweise entsteht so eine höhere Reibung. Meiner Auffassung nach deuten Amplituden zwischen 260 und 300 Grad auf einen guten Zustand hin. Massive Unterschiede zwischen Flach- und Hängelage sollten in jedem Fall zu denken geben. Zu viel des Guten ist ebenfalls ungünstig. Jenseits von 310 Grad in Flachlage kann es durch ein Übermaß an Energie zum so genannten Prellen kommen. In diesem Fall stößt die Ankergabel gegen ihre Begrenzungen. Ist die Amplitude in Flachlage unter 230 Grand gesunken, sollte man einen Uhrmacher zu Rate ziehen.

Swiss Connect Analytics Frédérique Constant
Swiss Connect Analytics Frédérique Constant Device

Seit kurzem bietet Frédérique Constant für 129 Euro das „Swiss Connect Analytics“-Paket an. Fürs Geld gibt es einen Mikrophon-Clip für die Uhr. Selbiger wird mit der Mikrophon-Buchse verbunden. Hinzu gesellt sich eine einfach handhabbare App zum Ermitteln der Ganggenauigkeit und -stabilität. Die Registrierung in der Cloud erfolgt durch Eingabe der Seriennummer und eines Passworts. Dann kann man die gemessenen Präzisionswerte zusammen mit einem Foto sowie der Marke und dem Modellnamen der Uhr online speichern.

Wer mehrere registrierte Smartphones besitzt, kann die Daten mit jedem abrufen. Die Frequenz wird automatisch erkannt, lässt sich aber auch manuell eingeben. Aussagen über Unruh-Amplitude und Fehler des Unruh-Abfalls liefert diese Applikation hingegen nicht.

Aus diesem Grund habe ich mich für eine Kombination aus beidem entschieden. Will heißen: Den „Watch Tuner Timegrapher“ nutze ich zusammen mit dem neuen Clip-Lauscher „Swiss Connect Analytics“. Die Kombination für 141,99 Euro überzeugt. Sie liefert jederzeit und überall genügend Informationen über die Gesundheit mechanischer Zeitmesser.

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01 2017 The Red Bulletin

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