Sinn 6200 Meisterbund I Gehäuse Rotgoldm gefertigt von der SUG

Von Hand gespannt

Text: Gisbert L. Brunner
Bilder: Uhrenmarken und Gisbert L. Brunner

In der neuen „6200 Meisterbund I“ von Spezialuhren Sinn in Frankfurt tickt ein Groß-Kaliber der Uhren-Werke-Dresden (UWD)

Bis zur Lieferung dieser Armbanduhr dauert es noch einige Monate. Aber voraussichtlich im Frühjahr 2016 will die in Frankfurt am Main beheimatete Firma Sinn Spezialuhren ihr brandneues, auf 55 Gold-Exemplare limitiertes Modell „6200 Meisterbund I“ liefern. Ein echtes Foto gibt es noch nicht. Aber ein Rendering kann ich an dieser Stelle schon zeigen. Der Preis steht ebenfalls noch nicht fest. Aber er wird sich vermutlich in einer Größenordnung deutlich jenseits von 10.000 Euro bewegen.

Für dieses ambitionierte Made-in-Germany-Projekt kooperiert Sinn einmal mit der Sächsische Uhrentechnologie Glashütte (SUG), welche das massiv rotgoldene Gehäuse herstellt. Dieses Unternehmen, welches seit 1998 aktiv ist, gehört mehrheitlich dem Sinn-Inhaber Lothar Schmidt. Zum anderen sind die Uhren-Werke-Dresden (UWD) mit im Boot. Letztere entwickeln und fertigen in einer hochmodernen Produktionsstätte Komponenten und natürlich auch komplette Uhrwerke, wie das 33 Millimeter große Handaufzugswerk in der „6200 Meisterbund I“ verdeutlicht.

Sinn 6200 Meisterbund I mit Handaufzugskaliber der UWD

Sinn: „6200 Meisterbund I“

Zu den weiteren Kaliber-Merkmalen gehören:

  • Durchmesser 33 Millimeter
  • Savonnette-Bauweise mit kleiner Sekunde bei der „6“
  • „fliegend“ gelagertes Federhaus
  • 55 Stunden Gangautonomie
  • Unruh mit variablem Trägheitsmoment durch verdrehbare Masselots
  • frei schwingende Unruhspirale
  • Rücker mit Feinregulierung zur Einstellung des Anker-Abfalls für ein gleichmäßiges Tick-Tack

Auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag: Der Rädersatz stammt nicht vom Unitas Kaliber 6498. Die UWD haben das Kaliber komplett selbst aus der Taufe gehoben. Kein einziges Teil liefert die Eta zu. Auch konstruktiv haben die UWD keine Anleihen bei der Eta genommen.

Diesbezüglich habe ich am vergangenen Freitag mit Oliver Giesenberg, dem Geschäftsführer der UWD sprechen können.

Details zum Handaufzugskaliber der UWD

Details zum UWD-Handaufzugskaliber

Hier die Fakten zum Uhrwerk:

  • Fertigungstiefe mehr als 95 Prozent
  • nur Steine, Zugfeder und Unruhspirale werden zugekauft
  • im Vergleich zum Unitas/Eta 6498 besitzt dieses Kaliber eine Getriebekette mit anderer   Verzahnung
  • Das Uhrwerk ist vorbereitet für Zentralsekunde, was sich beispielsweise daran erkennen lässt, dass das Minutenrad kleiner ausgeführt ist als das Kleinbodenrad
  • NIHS- und keine Eta-Verzahnung, Räder sechsschenklig ausgeführt
  • zum 6498 unterschiedliches Gesperr
  • speziell entwickelte Feinstellung für den Anker-Abfall
  • Sekundenstopp
  • neu konstruierte Hemmung mit anderen Sicherheitswinkeln

Neu und unbekannt ist das Kaliber freilich nicht. Leinfelder Uhren in München verbaut es als UWD L-H01 in der „Elysium Classic“, deren Preis in Roségold bei 16.800 Euro liegt.

Leinfelder Elysium mit dem UWD L-H01

Leinfelder Elysium mit dem UWD L-H01

Damit tritt das Uhrwerk in Konkurrenz zu vier ebenfalls großvolumigen Handaufzugskalibern in Savonnette-Bauweise mit kleiner Sekunde bei der „6“, allesamt aus sächsischen Gefilden:

I von Lang & Heyne (Durchmesser 36,6 Millimeter, ¾-Platine, ein Federhaus, Gangautonomie 46 Stunden, Unitas-Rädersatz). Mit Weißgoldgehäuse verlangt die „Friedrich August I.“ nach einem Investment in Höhe von 26.100 Euro.

Lang & Heyne Friedrich August I. mit dem Caliber I

Lang & Heyne Friedrich August I. mit dem Caliber I

100.0 von Moritz Grossmann (Durchmesser 36,4 Millimeter, ⅔ Platine, ein Federhaus, Gangautonomie 42 Stunden, Unitas-basierter Rädersatz). Die auf 50 Exemplare limitierte Platin-„Benu“ ist für 22.300 Euro zu haben.

Moritz Grossmann "Benu" Platin, Kaliber 100.0

Moritz Grossmann „Benu“ Platin, Kaliber 100.0

DUW 1001 von Nomos (Durchmesser 32 Millimeter, ⅚-Platine, Doppelfederhaus, Gangautonomie 84 Stunden). Samt Roségold-Gehäuse schlägt die „Lambda“ mit 12.800 Euro zu Buche.

Nomos "Lambda" Kaliber DUW 1001

Nomos „Lambda“ Kaliber DUW 1001

RMK 02 von Mühle Glashütte (Durchmesser 36,6 Millimeter, ⅗-Platine, ein Federhaus, Gangautonomie 56 Stunden). In diesem Uhrwerk verwendet Mühle ebenfalls den Unitas-Rädersatz. Die damit ausgestattete „Robert Mühle Kleine Sekunde“ kostet mit Stahlgehäuse 4.500 Euro.

"Robert Mühle Kleine Sekunde" Kaliber RMK 02

„Robert Mühle Kleine Sekunde“ Kaliber RMK 02

Für 21.000 Euro gibt es beispielsweise in Rotgold aber auch noch die „1815 von A. Lange & Söhne, Durchmesser 38,5 mm, mit dem 30,6 mm großen Handaufzugskaliber L051.1, ein Federhaus und ca. 55 Stunden Gangautonomie.

A. Lange & Söhne 1815 mit Kaliber L051.0

A. Lange & Söhne 1815 mit Kaliber L051.0

Wer schließlich etwas Mut besitzt, mit 47 Millimetern Gehäusedurchmesser, mit Umschalthebel für die Zeigerstellung und ohne Stoßsicherung leben kann, findet mit etwas Glück eine derartige Mariage. Zusammengebaut aus einem Lange 1A-Kaliber von 1900, dessen ursprüngliches Rotgold-Savonnette-Gehäuse vom Typ „Imperial“ in schlechten Zeiten zum Überleben eingeschmolzen wurde, makellosem Emailzifferblatt und neuer Rotgold-Schale. Ein Unikat, aber halt kein Original und damit eine Frage der persönlichen Uhrenphilosophie. Preispunkt um die 5.000 Euro.

Rotgold-Mariage mit 1A-Kaliber von A. Lange & Söhne

Rotgold-Mariage mit 1A-Kaliber von A. Lange & Söhne

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12 2015 The Red Bulletin

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