Amy MacDonald im Interview

Amy Macdonald: „Fußball kommt aus Schottland!“

Interview: Holger Potye
Foto: Universal Music 

Sängerin Amy Macdonald über die wahren Wurzeln von Fußball, warum sie stolz auf die Highlands ist und worum sich ihre Single „Dream on“ dreht

Die 29-jährige Beauty aus Bishopbriggs war vom Tag ihrer Geburt an Fußballfan. Sie verzichtete allerdings auf den Ruhm am grünen Rasen, um sich auf eine Karriere auf der Bühne zu konzentrieren. Zehn Jahre nachdem ihr Debütalbum „This Is the Life“ erschienen ist, meldet sich Amy Macdonald mit ihrer neuen CD „Under Stars“ zurück. Wir haben uns mit ihr zusammengesetzt, um mit ihr über die drei zentralen Themen des Lebens zu plaudern: Fußball, Drinks und Musik

THE RED BULLETIN: Warum sind die Schotten so fußballverrückt?

AMY MACDONALD: Schottland kann getrost als die Heimat des Fußballs betrachtet werden. Die ersten Bücher, die sich mit dem Regelwerk von Fußball befasst haben, stammen aus Schottland. Daher sagt man, der Fußballsport sei in Schottland erfunden worden. Wir Schotten waren immer leidenschaflichte Fans. Als ich noch nicht auf der Welt war, war der schottische Fußball übrigens auch noch richtig gut. Wir hatten ein großartiges Team mit Spielern wie Kenny Dalglish und Gordon Strachan.

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Sie sind fußballverrückt, obwohl das schottische Nationalteam momentan nicht gerade seine glorreichsten Tage erlebt.

Stimmt. Wir stehen momentan ein bisschen neben der Spur. Aber Schottland war immer schon leidenschaftlich, was Fußball betrifft. Als ich aufwuchs, waren alle um mich herum fußballverrückt. Fußball wird einfach zu einem Teil von dir. Entweder du gehst jedes Wochenende auf den Platz und jubelst deiner Mannschaft zu - wie ich. Oder du machst es wie meine Schwester und hasst Fußball. (Lacht.)   

Wann waren Sie das letzte Mal stolz auf ihr Land?

Das war letzten Sommer, im Juni 2016, als ganz Schottland einstimmig dafür stimmte in der EU zu bleiben. Ich war wahnsinnig gerührt. Eigentlich war es eine schreckliche Nacht, weil England sich für den Brexit entschieden hatte. Aber dieses Bild der britischen Inseln am TV-Schirm - auf dem zu sehen war, dass ganz Schottland - jedes kleine Dörflein - sich für den Verbleib in der EU entschieden hatte. Ich war an diesem Abend so unglaublich stolz auf mein Land. 

Sie haben vor 10 Jahren ihr Debütalbum veröffentlicht. Wenn Sie einen Brief an ihr jüngeres Ich schreiben könnten, welche Tipps würden Sie sich geben?

Ich würde meinem jüngeren Ich wahrscheinlich empfehlen, die Dinge ein bisschen mehr zu genießen. Ich war noch ein Teenager, als mein erstes Album herauskam. Alles passierte so schnell und plötzlich hatte ich einen Nummer-eins-Hit in mehreren Ländern. Mir schien das alles fast selbstverständlich: ‚Das passiert halt. Du schreibst einen Song, er wird megaerfolgreich und das alles ist ganz leicht.‘ Heute ist mir klar, wie viel Glück ich damals hatte. Das Musik-Biz ist so verdammt hart. Ich würde gerne in der Zeit zurückgehen und diese frühe Phase meines Erfolgs angemessen genießen. 

© Youtube // AmyMacdonaldVEVO

Wer ist das coolste Mitglied ihrer Band?

Abgesehen von mir? Das wäre dann wohl unser Bassist Jimmy. Er hat rötlich-braunes Haar und einen fetten Bart. Aber er hatte den Bart schon lange bevor Bärte cool wurden. Er ist quasi der Mann aus den Bergen - mit Vollbart, Jeans und Hosenträgern. Er ist so was von überhaupt nicht cool, aber genau das macht ihn schon wieder cool. 

Die letzte Runde Drinks in einem Pub besteht gewöhnlich aus …

… einer Menge Fläschchen Jägermeister. Ich weiß, es ist die schlimmste Wahl, die man am Ende eines Abends treffen kann.

Worum geht es in ihrer ersten Single „Dream On“?

Dieses Lied wurde von einer guten Freundin von mir inspiriert. Sie machte gerade eine sehr schwere Zeit durch. Sie hatte ihren Job verloren und gleichzeitig wurde ihre Mutter schwer krank. Es schien so, als ob ihr das Leben einen Schicksalsschlag nach dem anderen verpassen würde, nur um zu sehen, wie viel sie einstecken kann, ohne liegenzubleiben. Und ich stand daneben und fühlte mich einfach nur hilflos. Aber meine Freundin reagierte ganz erstaunlich. Neben all den schlechten Nachrichten hatte sie eine klitzekleine positive Botschaft bekommen und sie konzentrierte sich von nun an komplett auf diesen kleinen Hoffnungsschimmer. Und plötzlich begann sich ihr gesamtes Wesen zu verändern. Es prasselte weiterhin viel Mist auf sie ein, aber sie hatte für sich beschlossen, sich nur auf die positiven Dinge zu konzentrieren. Und so veränderte sich ihr Leben zum Positiven. 

Inwiefern?

Sie bemühte sich, allem etwas Gutes abzugewinnen. Diese positive Grundstimmung gab ihr Hoffnung. Und diese Hoffnung veränderte ihre Lebensweise. Sie dachte sich stets: ‘Ok, ich bin jetzt hier und ich lebe im Moment. Im Hier und Jetzt. Und ich will diese Augenblicke genießen. Alles wird gut. Ich schaue stets nach vorne.’ Dieses bedingungslose positive Denken beeindruckte mich schwer. Es inspirierte mich dazu, „Dream on“ zu schreiben. Das Lied klingt zwar nach einem Upbeat-Happy-Song, aber eigentlich wird nur im Refrain von dieser Hoffnung erzählt. Den Rest des Liedes geht es um Traurigkeit. Es ist lustig, ich scheine das immer zu tun. Ich schreibe diese wahnsinnig fröhlichen Upbeat-Lieder, aber im Hintergrund verbirgt sich immer eine traurige Geschichte. Was sagt das wohl über mich? 

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02 2017 The Red Bulletin

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