Green Day

Green Day: „Probiere, was keiner erwartet“

Text: Marcel Anders
Foto: Frank Maddocks, Sony Music 

Green Day sind die größte Punk-Band der Welt. Weil sie keine Angst vor Flops haben. Und Rückschläge zu nutzen gelernt haben. Sagt Frontmann Billie Joe Armstrong.


In ihrer dreißigjährigen Karriere haben Green Day 75 Millionen Platten verkauft. Keine schlechte Bilanz, wenn man bedenkt, dass die Band konsequent mit Erwartungen bricht:

  • 2010 schrieben die Punks ein Broadway-Musical
  • 2012 veröffentlichten sie drei Alben ­innerhalb von vier Monaten

Warum? „Weil man Abenteuer wagen muss, um sich frisch zu halten“,
erklärt Sänger Billie Joe Armstrong. Der Frontmann des Trios spricht im Interview mit The Red Bulletin zudem über den Grat zwischen Befriedigung und dem Gefühl, wenn man sich wie ein Loser vorkommt.

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THE RED BULLETIN: Mister Armstrong, Sie behaupten, dass eine große Karriere nur mit Risikobereitschaft möglich sei. Warum denn?

B. J. ARMSTRONG: Weil nur Wagnisse dein Feuer auf ­Dauer am Lodern halten. Es ist unsere Risikobereitschaft, die die Band über all die Jahre am Leben gehalten hat. 

Welchen Sinn haben denn Risiken, wenn man bereits auf Erfolgskurs ist?

Hey, Sie sprechen wie unsere Plattenfirma! Die wollte schon 1994, dass wir das Erfolgs­album „Dookie“ einfach ­kopieren. Aber hätte uns das befriedigt? Nein. Viel lieber Dinge ausprobieren, die niemand von uns erwartet! Lieber die Fans überraschen! Und wissen Sie, was? Ich bin sicher, dass sie uns genau deshalb die Treue halten.

Schau dir das Musik-Video zu Green Day’s aktueller Single Still Breathing an!

© Youtube // Green Day

Aber Risiko bedeutet auch: Man kann untergehen.

Scheitern gehört dazu. Unser letztes Projekt zum Beispiel war klar überambitioniert (die 2012er-Albumtrilogie „¡Uno!“, „¡Dos!“ und „¡Tré!“ floppte; Anm.). Aber wir fanden die Idee so absurd und so toll, dass wir uns ganz gerne darin verrannten.

Sie bereuen das Projekt?

Aber nein. Wieso denn? ­Scheitern ist wichtig!

Green Day

© Frank Maddocks

Als Multimillionär kann man sich’s auch leisten.

Wir haben bereits riskiert, als wir noch pleite waren. Es geht ums Prinzip, nicht ums Geld. Du kämpfst gegen deine Plattenfirma, die naturgemäß möglichst leicht möglichst viel Geld verdienen möchte und nichts so ungern sieht wie künstlerischen Ehrgeiz. Wenn du dich gegen die Label-Manager durchsetzt, es aber dann nicht läuft, kommst du dir wie ein Loser vor. Ganz unabhängig vom Kontostand, glauben Sie mir.

Was tut man dann?

Aufstehen. Ein neues Wagnis suchen. Und noch härter ­dafür kämpfen. Besser Fehler machen als nichts tun!

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12 2016 The Red Bulletin

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