Cro über seinen Film, sein Album und Glück

„Zack, Bumm, Los!“ - Multitalent Cro im Interview

Interview: Stephie Fuchs
Fotos: Christoph Voy

Cro ist Rap-Superstar, er kann Graffiti, DJ, Design, Schauspiel und Panda – aber vor allem weiß er, wie man ein unbekümmertes Leben führt: Glücklich zu sein, sagt er, ist gar kein Glück. Es ist eine Entscheidung.

Es war im Jahr 2011, als Cro (alias Carlo W. aus Stuttgart) die rappelvolle Bühne des Deutsch-Rap betrat. Mit dem Debüt-Hit „Easy“ machte er sich zum Hohepriester ungezähmter Lebensfreude, „Raop“ und „Melodie“ tänzelten unbeschwert zu mehrfachem Gold und Platin.

Cros Biopic „Unsere Zeit ist jetzt“ bringt seit Anfang Oktober Zuversicht auf die deutschen Kinoleinwände. Cros künstlerisch erstaunliche Leistung bei all dem: Seine Unbeschwertheit ist intelligent und hintergründig.

Mit The Red Bulletin sprach der 26-Jährige über Spontaneität, den Zusammenhang zwischen einfach machen und Einfachmachen – und wie das wirklich funktioniert mit der Entscheidung, glücklich zu sein.

THE RED BULLETIN: Wenn man’s ernst nimmt, gibt es ja nur eine mögliche Einstiegsfrage für ein Cro-Interview …

CRO: … ob ich gerade eine Freundin habe?

Nicht doch. Wie man es schafft, vier Jahre lang unterbrechungsfrei freundlich lebensbejahende Songs rauszu­hauen. Wie geht so viel gute Laune?

Nenn mir einen Grund, der gegen gute Laune spricht!

Zum Beispiel: Es ist 14 Uhr. Du bist ­gerade erst aufgestanden.

Schlafen kann ich ja richtig gut. Aber wenn ich gerade nicht schlafe, hab ich immer wahnsinnig viel Bock drauf, etwas zu tun. Immer.

Cro

Die Spraydose ist Cros ständiger Begleiter: „Malen ist derzeit meine größte Leidenschaft. Und die beste Ablenkung, wenn’s mal nicht so läuft.“

Jetzt zum Beispiel?

’nen Smoothie trinken. Mit Karotte. Oder ein Bild malen. Ja, ein Bild malen. Malen ist derzeit überhaupt meine größte Leiden­schaft. Sollte ich jemals nicht mehr dauernd durchdrehen, würde ich mich wahrscheinlich durch den Tag malen, bis in den Abend, ganz chillig. Oder nee. Ich kann Stille nicht so gut ertragen.

Du scheinst für jedes Projekt, das du durchziehst, ein goldenes Händchen zu haben: Musik, Graffiti, DJ, Mode, Produzent. Gelingt dir immer alles?

Wenn mich etwas wirklich interessiert, dann häng ich mich da voll rein. Ich kann nicht anders. Und so richtig auf die Fresse gefallen bin ich noch nie, stimmt schon.

Woran liegt das? Irgendeine Idee? 

Wahrscheinlich, weil ich nur Dinge ­mache, die mir wirklich Spaß machen. Und nicht zu viel drüber nachdenke, wie das bei anderen ankommt. Sich mit dem Gerede der anderen zu beschäftigen hält einen nur auf. Lieber dem eigenen Impuls folgen. Zack, bumm, los! Spontan sein. Locker bleiben. Den Moment genießen. Der Impuls weiß schon, was gerade passt.

Cro LIVE

Mit der leichtfüßigen Mischung aus Rap und Pop, kurz Raop, erinnert Cro daran, dass Popmusik ursprünglich vor allem eines wollte: Spaß machen

© picturedesk.com

Klingt ein bisschen zu, hm, einfach.

Ist doch einfach! Leichtigkeit oder ­Optimismus oder Spaß am Leben – nenn es, wie du willst – sind ja keine Gaben, mit denen man geboren wird. Dafür muss man sich entscheiden. Will man das? Dann muss man es tun. So ist das. Was hab ich denn, nur so als Beispiel, davon, wenn ich mich mit der Frage belaste, was ein Kritiker über meinen neuen Film oder das neue Album denkt oder schreibt? Das kann ich sowieso nicht beeinflussen.

Emotionen lassen sich nicht so steuern.

Ich bin nicht 24 Stunden am Tag oberkrass fröhlich, wenn du das meinst. Logisch krieg ich mal schlechte Laune, wenn es mal nicht läuft im Studio. Aber das ist eben der Zyklus. Entscheidend ist die Grundstimmung. Wie man damit umgeht. Ob man sich runterziehen lässt. Oder nicht. Es gibt jedenfalls bessere Hausmittel gegen kreative Löcher oder Stress mit der Freundin, als dämlich rumzuheulen.

#painting #benz #art #schmart

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Zum Beispiel?

Ablenkung! Ich lenk mich mit Musik ab. Wenn das nicht funktioniert: Malen. Wenn das nicht funktioniert: Mit einem abgefuckten VW mit Müll auf der Rückbank zu McDonald’s heizen, mit Blick auf die Stadt das Zeug in sich reinstopfen. Wenn das nicht funktioniert: Feiern gehen. Mädels einladen. Und wenn das nicht funktioniert, was unwahrscheinlich ist, dann ist es okay, sich im Pool in Embryonalstellung zusammenzurollen und stundenlang zu heulen. Ansonsten: Party machen und ja sagen.

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Ja zu …?

Ja zu allem. Grundsätzlich einmal: ja.

Zum Major-Label-Plattenvertrag hast du, als „Easy“ 2011 über Nacht zum Megahit wurde, aber nein gesagt.

Hab ich zu Chimperator (seit 2011 Cros Stuttgarter Label; Anm.) anfangs auch. Weil ich nie den Plan hatte, als Rapper rauszukommen. Musik war mein Hobby. Das zufällig alle gut fanden. Bis ich zwei Tracks im Netz hochgeladen hatte und Chimperator auf mich zukam. Hab sie dann ein Jahr zappeln lassen. Aber sie gaben keine Ruhe. Irgendwann kam die Idee mit dem Video zu „Easy“, und plötzlich ging das Ding auf YouTube durch die Decke. Und dann kam der Tag, an dem ich zum Rappen doch ja gesagt habe.

Wie darf man sich dieses Ja vorstellen?

Ich bin während der Mathearbeit in der Fachoberschule aufgestanden, sagte „Tschüss!“ und bin nach Berlin gefahren.

Eine spontane Lebensentscheidung …

Ich dachte einfach nicht nach. Zu viel Nachdenken korrumpiert Lebensfreude!

© Youtube // Chimperator Channel

Was ist besser: Vieles ausprobieren, bis ein Projekt aufgeht? Oder sich auf eines konzentrieren und warten, bis es klappt? 

Warten bringt einen nirgendwohin. Einfach tun schon.

Mit „einfach tun“ haut man in vier Jahren zwei Platinalben raus?

Nur damit! Ich hab aktuell eine 2-Tera­byte-Platte am Rechner, mit über 2000 Beats. Wäre jeder davon ein Kracher, hätte ich schon 30 Platin­alben. Ich sitze auch mal im Studio und schraube an einem Beat rum, nur um dann zu merken: Das wird nix. Na und? Der Weg dorthin ist auch obergeil.

Cro Konzert

Auf Cro-Konzerten feiern Kids neben Großmüttern, Banker neben Skatern. 2017 wird sein drittes Album erscheinen: „Es wird immer noch Cro sein, aber anders als alles, was vorher da war“, kündigt er an.

© Getty Images

Wenn ich fünf Anläufe bräuchte, um dieses Interview zu schreiben, würde ich das nicht super finden …

Fail-Moments sind die wahren Goldstücke!­ Das neue Album, zum Beispiel, wird das Allerbeste, was ich je gemacht habe. ­Natürlich sind da viele Tracks dabei, die es nicht aufs Album schaffen. Aber: Für uns fünf Jungs, zu der Zeit im Studio, waren sie übergeil. Weil wir uns totlachten, weil wir Fantasietexte raushauten, weil die Sonne gerade so oder so stand. Ich zieh aus solchen ­Momenten echt viel Kraft.

Dein drittes Album erscheint wahrscheinlich irgendwann 2017. Sportjournalistenfrage: Wie steckst du den Druck weg, an die Performance der letzten zwei Alben anzuschließen?

Druck? Die Arbeit an einem Album ist mein Spielplatz. Wir sind die Einzigen im Freizeitpark, und wir haben Freitickets für alle Hochschaubahnen, können alles ausprobieren. Das Album wird der Knaller.

Cro-Filmdebüt 

Unsere Zeit ist jetzt

Cros Ausflug auf die Kinoleinwand ist ein genial komödiantischer Genre-Mix aus Realität und Fiktion.

Handlung: Cro (gespielt von Cro) ruft zum Ideenwettbewerb auf, um sein Leben zu verfilmen. Drei Ideen beeindrucken ihn: die Doku von Filmstudentin Vanessa, ein Comicfilm von Ludwig und das Cro-Zukunftsszenario von Dawid (sehenswert: Cro mit Übergewicht!). Von nun an beginnt sich das Leben aller Beteiligten zu ändern …
 

In Nebenrollen:

  • Til Schweiger
  • Wotan Wilke Möhring
  • Anja Kling
  • Emilia Schüle

Wir müssen jetzt noch über deinen Film „Unsere Zeit ist jetzt“ sprechen, der seit Anfang Oktober läuft.

Stimmt, der Film.

Darin stößt du einen Filmwett­bewerb an, der das Leben junger Filmemacher verändert. Der Plot war deine Idee?

Wir waren fünf, sechs Jungs, die einen Sommer lang haben Zettel an der Wand herumwandern lassen, bis wir loslegen konnten. Und dann hat’s ordentlich ­gedauert, bis es gepasst hat.

Drei Jahre, immerhin. 

So ein Film ist verdammt viel Arbeit. Aber wenn man am Ende ein geniales Movie am Start hat, haben sich Blut, Schweiß und Tränen gelohnt. Jetzt ist aber wieder Mucke machen angesagt. Aufladen und leben. Und später irgendwann wieder eine völlig überraschende Arschbombe machen.

© Youtube // Warner Bros. DE

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11 2016 The Red Bulletin

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