Emmy Rossum about seizing the day

„Eitelkeit ist dein Feind“

Text: Rüdiger Sturm
Bild: John Russo/Corbis Outline

Emmy Rossum, die attraktivste Antiheldin des Fernsehens, bezaubert nicht nur in der Serie „Shameless“, sondern auch im Interview.

Vom Leinwand-Star mit Filmen wie Beautiful Creatures, The Day After Tomorrow oder Das Glück an meiner Seite mit Hilary Swank, zur TV-Berühmtheit durch den jüngsten US-TV-Serien-Hit Shameless: Die amerikanische Schauspielerin Emmy Rossum lernt stets neue Lektionen fürs Leben. 

THE RED BULLETIN: Sie kennen mich.

EMMY ROSSUM: Ach ja? 

Sie sagten in einem Interview: „Männer brauchen nur zwei Dinge zum Glücklichsein, Käsetoast und Sex.“

Das war doch ein Scherz.

Oh. Aber ich darf Ihnen verraten: Sie liegen da nicht ganz falsch.

Stimmt schon, Männer sind von ihrer biologischen Programmierung her einfacher gepolt. Normalerweise denken sie entweder an Essen oder an Sex.

Bereits die sechste Staffel von „Shameless“ erscheint im US-amerikanischen TV.

© YouTube // Shameless

Wie ist das mit Frauen?

Wenn ich jetzt mal zu einer lächerlichen Verallgemeinerung greifen darf: Frauen sind viel komplizierter. Vor allem emotionaler. Du musst zu uns das Richtige im richtigen Moment sagen. 

Brauchen wir wirklich nur Käsetoast oder nette Worte für ein erfülltes Leben?

Klar. Ich versuche nach dem Motto „Carpe diem“ zu leben. Nütze den Tag, lebe bewusst in der Gegenwart. Denn wir wissen nicht, wie viel Zeit wir haben. Als ich „Das Glück an meiner Seite“ drehte, begegnete ich vielen ALS-Patienten [die tödliche Nervenlähmung Amyotrophe Lateralsklerose, Anm.]. So eine Erfahrung erdet dich.

Wie äußert sich die ­Erdung bei Ihnen, konkret gefragt?

Ich fürchte mich weniger vor Krankheit als früher. Und ich versuche, mich emotional noch stärker für Menschen zu engagieren, die Probleme ­haben. Wenn ich jemanden sehe, der Hilfe braucht, bin ich die Erste, die aufsteht und Hilfe anbietet. Es ist das Einfachste, einen Bogen um Leute zu machen, die krank oder einfach nur anders sind. Aber es braucht nur einen kleinen Ruck, eine Unter­haltung zu beginnen: „Was ist es, woran Sie leiden?“ Und dann sprechen wir darüber.

„Sei die beste Version deiner selbst“
Emmy Rossum

#tca #aboutlastnight #davidkoma

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Ihr Leben besteht ja nicht nur aus solchen Begegnungen. Was tun Sie, wenn gerade kein notleidender Mensch in Ihrer Nähe ist?

Es geht um eine Grundeinstellung im Leben, verstehen Sie? Ein anderes Beispiel: In der Serie „Shameless“ spiele ich eine Frau, die zum Mindestlohn arbeitet, um ihre fünf Geschwister durchzubringen. Total unglamourös, aber durch sie habe ich gelernt, Eitelkeit völlig aufzugeben. Denn Eitelkeit ist dein Feind. In der Sekunde, wo du überlegst, wie du aussiehst, ist dein Hirn für alles andere blockiert.

Sie sagten einmal, Ihre jüdische Herkunft habe Ihre Sicht aufs Leben beeinflusst. 

Ich identifiziere mich mehr mit der Kultur als mit der Religion. Ich spreche nicht Hebräisch, ich esse nicht koscher. Aber darum geht es auch überhaupt nicht. Die jüdische Moralethik findet sich im Kern der meisten Religionen: Betrüge nicht. Sei gut zu deinem Nächsten. Arbeite hart. Wenn du jemanden siehst, der Hilfe braucht, hilf ihm. Sei die beste Version deiner selbst.

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10 2015 The Red Bulletin

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