Tom Holkenborg aka Junkie XL im Interview

Junkie XL:
Die Entscheidung meines Lebens

Foto: DIRK KIKSTRA
Text: Andreas Tzortzis

Tom Holkenborg opferte eine erfolgreiche Pop-Karriere, um Filmmusik in Hollywood zu ­schreiben. Er weiß, wie man sich neu erfindet.

Die Chancen stehen gut, dass du schon einmal zu einem Song von Tom ­Holkenborg getanzt hast. Mit dem Remix des ­Elvis-Presley-Klassikers „A Little Less Conversation“ toppte der Niederländer ­unter dem Künstlernamen Junkie XL 2002 in 24 Ländern die Charts.

Doch statt seinen Ruhm zu genießen, entschloss sich Holkenborg am vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere zu einem ­ungewöhnlichen Schritt. Er übersiedelte nach Hollywood, um Filmmusik zu schreiben, und ging dabei fast pleite. Mittlerweile läuft Holkenborgs Musik in Blockbustern wie „Mad Max: Fury Road“ oder der Marvel-Comic-Verfilmung „Deadpool“. Wir ­haben ihn gefragt, wie man sich erfolgreich neu erfindet.

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THE RED BULLETIN: Herr Holkenborg, Sie haben eine erfolgreiche Karriere im Pop-Business aufgegeben, um als Neuling in Hollywood Filmmusik zu machen. Wozu das Risiko? 

JUNKIE XL: Ich habe eben eine Tendenz zur Selbst­zerstörung. Aber daraus ergeben sich meist gute Dinge.

© youtube // ElvisPresleyVEVO

Können Sie das genauer erklären?

Als ich noch Produzent war, schrieb ich bis zu zehn Songs pro Tag. Ich spielte sie meinen Freunden vor. Die sagten: „Das ist schon ganz gut. Du musst nur noch ein wenig an den Songs feilen.“ Ich antwortete: „Nein, die sind alle scheiße.“ Und verwarf sie. Wenn ich nicht zu hundert Prozent zufrieden bin, fange ich lieber ganz von vorne an. Von ganz unten kann es nur bergauf gehen.

Die meisten Leute haben genau davor Angst: Wieder von ganz unten anfangen.

Ich sage: Was dich nicht umbringt, macht dich härter. Deshalb auch der Schritt vom erfolgreichen Produzenten zum unbekannten Film-Komponisten. Das Film-Geschäft ist ein komplett anderes Business. Es hat mich gereizt, neu anzufangen.

© youtube // junkiexlofficial

Mittlerweile läuft Ihre Musik vor einem Millionenpublikum in Kinos auf der ganzen Welt. Hatten Sie mit diesem Erfolg gerechnet? 

Auf keinen Fall. Im Jahr 2008 war ich am Boden. Es klappte einfach nicht in Los Angeles. Ich hatte mir ein Haus gekauft, das ich einem Treuhänder überschreiben musste. Mein ­ganzes Studio-Equipment wurde einge­lagert. Ich flog zurück nach Holland und dachte: „Das war’s mit deinem Traum.“ Schließlich reiste ich ein letztes Mal zurück nach Hollywood. Und plötzlich klappte alles. Hätte ich diese Reise nicht riskiert, sähe mein Leben heute anders aus.

Was haben Sie aus dieser Schlüsselphase Ihres Lebens gelernt?

Dass ein wenig Distanz oft schneller zum Ziel führt, als es verbissen zu verfolgen.

Das ganze Interview mit Junkie XL gibt es als The Red Bulletin-­Podcast im iTunes-Store:

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03 2017 The Red Bulletin

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