Nigel Sylvester Pharrell Williams

Krass anders

Text: Andreas Tzortzis

Ein Rad zu fahren ist keine Kunst, sagen Sie? Nun, hier ist Nigel Sylvester: Was er mit seinem BMX-Bike tut, hat weniger mit Sport oder Entertainment zu tun. Es ist Kunst. Er ist wie ein verrückter Wissenschaftler, der die Grenzen der menschlichen Möglichkeiten nicht akzeptiert. Damit begeistert er nicht nur Superstar Pharrell Williams, der ihn wärmstens als Inspiration empfiehlt.

New York City ist meine Leinwand

Als Nigel Sylvester mit dem BMX-Rad durch seine Nachbarschaft in Queens, New York, kurvte und seine Tricks trainierte, erntete er alles andere als Respekt. „Die Leute machten sich über mich lustig“, sagt er. „BMX wird dort ja als weißes Ding wahrgenommen, ,Weißbrot!‘ riefen sie mir nach und lachten. Die hatten von der Kultur keine Ahnung. Ich war damals noch sehr jung, und ich erinnere mich, wie mich Pharrell in meiner Leidenschaft bestärkte. Weil er ein BMX-Fahrer war, der aussah wie ich.“

Getting fame

„Der traditionelle BMX-Weg ist: Du trainierst hart, damit du Sponsoren findest, machst bei Contests mit und wirst umso berühmter, je mehr du gewinnst. Bei mir war das anders. Ich hatte keine Möglichkeit, an Wettkämpfen teilzunehmen. Ich hatte keinen Zugang zu den Skateparks, in denen diese Contests stattfanden. Damals wurde Street-Riding immer ­populärer: Treppengeländer runter­fahren, mit dem Rad die Umgebung trickreich erkunden, all das. Das tat ich. New York City war sozusagen meine Leinwand, ich malte mit dem Bike meine Bilder in die Stadt. Ich machte kurze Filme und stellte sie auf YouTube. Mit ­jedem der Videos versuchte ich etwas Neues zu kreieren – und neue Menschen zu erreichen. Sehr bald stießen auch große Firmen auf meine Clips und meinten: „Wow, der Junge ist krass anders.“

Zusammenarbeit mit Pharrell Williams

„Ich möchte möglichst viele Kids für den Sport begeistern und ganz allgemein das Standing der BMX-Gemeinde verbessern. Mit einem Aushängeschild wie Pharrell geht das. Da erreichst du ein viel breiteres Publikum und hast die Chance, der Welt zu zeigen, worum es in der BMX-Kultur wirklich geht. Viele haben nämlich ein ziemlich klischeehaftes Bild von unserer Szene. Und das will ich ändern. Als er sich damals für Skateboarding starkmachte, fingen die Kids in meiner Nachbarschaft plötzlich damit an. Weil er es tat, war Skateboarding automatisch cool. Das zeigt seinen Einfluss. Übrigens ist ja auch er schon lange Teil ­unserer Kultur. 2001 fuhr er mit einem BMX-Rad durch das Musikvideo „Pro­vider“ (von Williams’ Band N.E.R.D.; Anm.).“

05/2014 The Red Bulletin

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