Interview mit Poldarks Eleanor Tomlinson

Eleanor Tomlinson: „Es ist Zeit, neue Grenzen auszuloten“

Interview: Holger Potye
Foto: Getty Images/Mike Marsland / contributor

The Red Bulletin hat die Poldark-Beauty beim TV-Festival in Monte Carlo getroffen und mit ihr über die Rolle ihres Lebens gesprochen. Bei der Gelegenheit hat Sie uns auch gleich verraten, wie es ist, sich mit einem Sex-Symbol den Haushalt zu teilen.

Im Vereinigten Königreich sorgte die Neuauflage des 70er-Jahre-Kostümdramas Poldark für Rekordquoten und machte deren Hauptdarsteller über Nacht zu Stars. Wir haben uns mit Eleanor Tomlinson getroffen, um mit ihr über das TV-Phänomen zu sprechen.  

THE RED BULLETIN: Sie haben ihre Rolle der Demelza mit jener von Scarlet O’Hara verglichen. Winston Graham, der die Romanvorlagen zu Poldark geschrieben hat, diente seine Frau Jean Mary als Inspiration für Demelza. Hat das ihre Performance beeinflusst?
 
ELEANOR TOMLINSON: Ja, ich habe sie in meine Recherchen miteinbezogen. Wir haben sehr eng mit Winstons Sohn, Andrew Graham, zusammengearbeitet. Das war großartig, weil ich dank ihm viel über seine Mutter erfahren habe. Ich finde es schön, dass sie die Vorlage für meine Figur war. Sie war eine starke Frau.

Die Presse feiert Poldark als das neue Downton Abbey. Haben Sie mit diesem Hype um die Serie gerechnet?

Ja, ein bisschen schon. Aber Poldark unterscheidet sich grundsätzlich von Downton Abbey. Ich glaube, im Vorhinein weiß man nie, ob etwas erfolgreich werden wird. Du machst einfach dein Ding so gut wie möglich und hoffst das Beste. Und wenn du Glück hast und dir gegenüber stets ehrlich bleibst, dann kann alles passieren. Man weiß es leider nie vorher: Dein Projekt könnte ein Millionen-Blockbuster werden oder ein echter Flop.

© YouTube // BBC

Hat sich ihr Leben seit Poldark stark verändert? Erkennt man Sie auf der Straße?

Manchmal werde ich auf der Straße von Fans angesprochen. Aber es bleibt in einem Rahmen, der für mich OK ist. Mein Leben als Schauspielerin hat sich allerdings stark verändert. Ich bekomme zurzeit viele Rollenangebote, kann also viel mehr ausprobieren.

Warum glauben Sie, haben Sie die Rolle in der Neuauflage des britischen Kostümdramas bekommen?

Ich schaue mir selbst gerne Kostümdramen im TV an und ich liebte schon als kleines Mädchen alte Filme. Außerdem fasziniert mich Geschichte. Aber es war keine bewusste Entscheidung von mir, eines Tages in einem großen Kostümdrama mitzuspielen. Es ist einfach passiert. Ich denke, mein Auftritt beim Vorsprechen hat die Poldark-Produzenten überzeugt.

Welches war die größte Herausforderung für Sie beim Dreh?

Die Dreharbeiten ziehen sich lange hin. Wir drehen ungefähr sechs Monate an einer Staffel.

Wie viele Stunden pro Tag?

Ich stehe jeden Tag um 3:30 Uhr auf und komme um 21:30 wieder heim. Ich bin also die meiste Zeit während der Dreharbeiten ziemlich müde. Aber das ist Teil des Jobs. Wir drehen nicht in aufeinanderfolgenden Sequenzen, also musst du stets das gesamte Drehbuch im Kopf haben. Wenn du also Szenen aus der 2. Folge und der 10. Folge am selben Tag drehst, musst du wissen, was in der Zwischenzeit mit deinem Charakter passiert ist, wo er sich gerade befindet und wie er sich fühlt. Man muss sich also gut vorbereiten und viel Lesen. Dein Sozialleben geht während dieser Zeit natürlich den Bach runter. Aber so ist das eben bei Poldark. Trotzdem liebe ich es. 

„Dein Sozialleben geht den Bach runter“

Wie würden Sie die Beziehung zwischen Demelza und Elizabeth beschreiben?

Nun, sie ist auf jeden Fall schwierig. In der zweiten Staffel tut sich in dieser Richtung sehr viel. Ich bin schon gespannt, wie das Publikum darauf reagieren wird. Ich würde sagen, dass Demelza und Elizabeth übereinkommen, dass Ross (Poldark) immer etwas für Elizabeth empfinden wird. Zugleich weiß Demelza aber, dass Ross sie wirklich liebt. Und durch diese Liebe schafft sie es auch, sich mit einer Portion Selbstvertrauen und Sicherheit in den sozialen Kreisen zu bewegen, in denen man auch Elizabeth findet. Wenn sie nicht an diese Liebe glauben würde, wäre das für sie schlicht unmöglich.

In welche Richtung entwickelt sich ihre Rolle in Staffel 2?

Unsere Drehbuchautorin Debbie Horsfield schafft es auf wunderbare Weise, die Beziehung zwischen Ross und Demelza stets im Fokus zu behalten - auch wenn Poldark-Autor Winston Graham in den Büchern von einem Charakter zum nächsten hüpft. Ross und Demelzas Ehe und ihre gesamte Beziehung wird hart auf die Probe gestellt - wie das nun mal im Leben so ist. Und auch Demelzas Beziehung zu Elizabeth wird geprüft. Außerdem muss Demelza damit zurecht kommen, dass sie ihr Baby in der ersten Staffel verloren hat. Und ihr Ehemann sitzt im Gefängnis. Wenn wir Demelza in der zweiten Staffel also wieder begegnen, ist ihr Leben komplett aus dem Ruder geraten. Sie muss sich weiterentwickeln, muss jeden Tag tapferer und stärker werden und ganz nebenbei auch noch ihre Mutter unterstützen. Sie entwickelt sich zur selbstbewussten Frau, die bereit ist, für ihre Ziele und ihre Liebe zu kämpfen.

„Es ist an der Zeit, neue Grenzen auszuloten“

Wie viel mussten Sie über die Gepflogenheiten und Umgangsformen der damaligen Zeit lernen?

Es war taff. Da ich bereits in einigen Kostümdramen gespielt habe, wusste ich bereits viel über die Regeln und gesellschaftlichen Gepflogenheiten dieser Epoche. Was ich an Demelza liebe, ist, dass sie sich ihnen nicht beugt. Während Elizabeth (gespielt von Heida Reid) viel über die Umgangsformen der damaligen Zeit nachlesen musste - zum Beispiel, wie man korrekt sitzt - und sogar einen historischen Berater zur Seite gestellt bekam, kann Demelza im Grunde tun, was sie will. Sie will zu einer Lady werden, realisiert aber auf dem Weg dort hin, dass sie schon jetzt viel besser als eine Lady ist.

Haben Sie das Gefühl, dass mittlerweile interessantere Rollen für Frauen geschrieben werden?

Ja, definitiv. Jetzt ist die Zeit gekommen, um neue Grenzen auszuloten. Starke, weibliche Rollen gibt es immer noch zu selten, aber es tut sich gerade etwas. Mein Herz hüpft vor Freude, wenn ich Drehbücher lese und die Frauen darin nicht mehr nur Sidekicks, Nebendarsteller oder in Not geratene Fräuleins sind, die von einem starken Mann gerettet werden müssen. Wir befinden uns, was das betrifft, in einer guten Zeit. 

 

Ihre Eltern sind ebenfalls Schauspieler. War es für Sie klar, dass Sie eines Tages in ihre Fußstapfen treten würden?

Ja, immer. Es war toll, in dieser kreativen Atmosphäre aufzuwachsen. Als kleines Mädchen bin ich oft mit meinem Vater ins Theater gegangen und habe meiner Mutter bei Bühnenauftritten zugesehen. Ich bin mit Filmen wie Vom Winde verweht aufgewachsen. Ich sah die fantastischen Rollen und die tollen Schauspielerinnen aus der Zeit und dachte mir: „Das ist es, was ich machen will.“ Für mich ist es ein Traumjob.

Haben ihre Eltern ihnen Ratschläge gegeben, als Sie ihnen sagten, dass auch Sie Schauspielerin werden möchten?

„Ich will, dass mich die Menschen wegen meiner Arbeit kennen, nicht wegen meines Privatlebens“

Ja, mach es nicht! Die Schauspielerei ist ein hartes Geschäft mit viel Konkurrenz. Sie wollten nicht, dass ich leide. Und sie hatten recht. Wenn du ins Schauspiel-Biz einsteigst und glaubst, dass es dir etwas schuldet, dann wirst du versagen. Die Branche kann brutal und entmutigend sein. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wie oft ich nach Vorsprechen Absagen bekommen habe. Es zieht dir manchmal den Boden unter den Füßen weg. Es ist schwer, im Schauspielberuf erfolgreich zu sein. 

Ihre Serienkollegin Heida Reed (sie spielt Elizabeth) hat von den Fans via Twitter & Co viel Kritik einstecken müssen, weil sie Aidan Turner (er spielt Ross Poldark) in der Serie so schlecht behandelt hat. Es scheint, dass das Publikum bei Poldark nicht immer zwischen Realität und Fiktion unterscheidet …

Ich bin nicht auf Social Media. Es interessiert mich nicht. Aber ich kann nachvollziehen, warum Leute es nutzen. Es ist der Lauf der Zeit. Ich will, dass mich die Menschen wegen meiner Arbeit kennen, nicht wegen meines Privatlebens. Was die Serie betrifft, finde ich es aber toll, dass so viele Leute auch via Social Media mitfiebern. 

Kann der ganze Wirbel um die Serie manchmal bedrohliche Dimensionen annehmen?

Ja, absolut. Ich stamme aus einem kleinen Dörfchen im Osten Yorkshires. Für mich ist das alles bizarr. Wenn ich zum Beispiel zu einem Event fahre und draußen warten bereits zig Fans, die mich erkennen und meinen Namen schreien. Das ist irgendwie nett, aber zugleich auch sehr surreal. 

Wie war es, mit Aidan Turner (er spielt den Hauptcharakter Ross Poldark) vor der Kamera zu stehen?

Aidan und ich sind gute Freunde. Wir verbringen viel Zeit damit, am Set Szenen zu besprechen und zu proben, bevor wir sie umsetzen. Das Besondere an unserer Beziehung ist, dass wir im Umgang miteinander total relaxt sind. Eigentlich ist unsere Serien-Ehe ziemlich authentisch. Wir sind wie ein altes, verheiratetes Pärchen. Wir sind prima aufeinander eingespielt.

Aber Aidan gilt in England als Traummann. Sie sind also mit einem Sexsymbol verheiratet.

(Lacht.) Ja! Das ist echt komisch. Haben Sie die romantischen Youtube-Videos von uns gesehen? Da gibt es eines, das mit einem Song von Céline Dion unterlegt wurde. Ich kann darüber nur lachen. Es macht Spaß, mit Aidan zu arbeiten und herumzublödeln. Man weiß nie, was im nächsten Moment passiert.

© YouTube // jacaranda2bloom

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08 2016 The Red Bulletin

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