Shailene Woodley

Shailene Woodley: „Sex ist in den USA unterdrückt“

Interview: Rüdiger Sturm
Foto: Flickr/alien_artifact

Es ist kein Zufall, dass Shailene Woodley in „Snowden“ die weibliche Hauptrolle spielt. Denn die 24-jährige folgt ihren ganz persönlichen Regeln.

Im Interview mit der amerikanischen Schauspielerin erfährst du:

  • warum sie sich mit einem Präsident Trump anlegen würde
  • ​was sie von dem Fall „Snowden“ gelernt hat
  • worum sie Europäer beneidet
  • warum du deine E-Mails verschlüsseln solltest
  • wieso sie ungeniert in öffentliche Saunas geht

THE RED BULLETIN: Im Film spielen Sie Edward Snowdens Freundin. Was haben Sie von dem echten Whistleblower gelernt?

SHAILENE WOODLEY: Dass Privatsphäre kein menschliches Recht mehr ist, sondern ein Privileg. Wenn du eine E-Mail verschickst, dann haben alle möglichen Leute Zugang zu dieser Information. Das Problem ist, dass wir eine Technologie nutzen, die wir nicht voll verstehen und folglich wissen wir auch nicht, welche Auswirkungen sie haben kann. 

Verschlüsseln Sie jetzt Ihre E-Mails?

Ich gebe zu, dass ich in der Richtung mehr tun könnte. Wenn ich selbst technische Unterlagen zu dem Thema studiere, dann tut sich mein Gehirn schwer, die zu verarbeiten. Eigentlich sollte ich jemand anheuern, der mir ein Verschlüsselungssystem einrichtet. Aber es gibt nicht so viele vertrauenswürdige Spezialisten, zu denen du als Normalverbraucher Zugang hast.

© Youtube // KinoCheck

Hat der Fall Snowden Ihren Blick auf den amerikanischen Staat verändert?

Ich bin mir auf jeden Fall noch mehr bewusst, dass wir nicht wie eine normale Demokratie funktionieren. Da können Leute von der NSA unter Eid die Öffentlichkeit anlügen, und sie werden trotzdem nicht zur Rechenschaft gezogen. 

Was ist Ihre persönliche Konsequenz? 

Wir haben als Bürger die Verantwortung, unsere Freiheit einzufordern. Ich engagiere mich politisch, aber ich versuche mich auch unabhängig zu machen. Ich will wissen, wie ich überleben kann, wenn der Staat eines Tages nicht mehr funktioniert.

Was haben Sie da gemacht?

Ich habe Pflanzenkunde studiert, habe mich mit Überlebenstechniken beschäftigt – wie du Feuer machen kannst, wie du ohne Kühlschrank oder ein Dach über deinem Kopf klar kommst.

Noch ist es ja nicht soweit. Aber jetzt könnte Ihnen ein Präsident Trump drohen. Würden Sie auswandern wollen?

Ich glaube nicht, dass er eine Chance hat. Aber ich würde bleiben und jeden Tag kämpfen, um das Leben der Menschen in diesem Land zu beschützen, und auf den Kongress und den Senat einzuwirken.

Sie haben beim Dreh zu „Snowden“ viel Zeit in Bayern verbracht. Gefällt es Ihnen da besser?

Ich war auch sonst schon viele Male in Europa. Ich mag hier, dass es eine größere Freizügigkeit gibt, körperlich, künstlerisch und so weiter. Ich kann hier auch nicht so viel von dem Überlebenskampf erkennen, der in der Gesellschaft vor sich geht. In München zum Beispiel habe ich kaum Obdachlose gesehen. In den USA ist das komplett anders. Aber das bedeutet, dass du auch viel mehr für die Menschen ausrichten und verändern kannst.

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Sie halten ja mit Ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Vor kurzem machten Sie Schlagzeilen mit der Aussage, dass man im Sexualkundeunterricht auch Masturbation lernen sollte …

Weil das hilft, Geschlechtskrankheiten und unerwünschte Schwangerschaften zu verhindern. Immer wenn du in Amerika das Wort ‚Sex’ in den Mund nimmst, dann wird jemand großes Aufheben darum machen, denn in diesem Land ist Sex einfach unterdrückt. Genau deshalb haben wir diese ganzen Probleme.

Nach der Promotion-Tour für „Snowden“ kehren Sie ja wieder aus Deutschland zurück. Gibt es etwas, was Sie konkret vermissen werden?

Ihr Leute habt diese Einrichtungen, wo sich zwei meiner absoluten Lieblingsdinge unter einem Dach befinden: Da kann ich eine Stunde lang schwimmen und eine Stunde lang in die Sauna gehen. So etwas gibt’s in den USA nicht. 

Sie meinen im Luxushotel?

Nein, ich meine öffentliche Badeanstalten. Da war ich ständig. 

Sie als Hollywoodstar trauen sich da einfach rein?

Klar. Ich lebe mein ganz normales Leben. Da hält mich nichts zurück.

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09 2016 The Red Bulletin

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