HUNGER Band

7 Dinge, die du als junge Band tun musst, um in Los Angeles Aufmerksamkeit zu bekommen

Text: Alexander Dollischal
Bilder: Christian Lamb

Jeder Musiker will den Schritt über den großen Teich wagen und in L.A. sein Talent entfalten. Die Jungs der österreichischen Band HUNGER haben genau das getan. Und es kommt noch besser: Jetzt verraten sie euch, wie es funktionieren kann (und wie es auf keinen Fall funktioniert). Ein Guide von Musikern für Musiker.

Fuck it – ich mach mein Ding und geh nach L.A.!

Ein Gedanke, der sich automatisch im Unterbewusstsein einer Band verankert. Das - meist zu hoch gesteckte - Ziel lautet, in Los Angeles mit den besten Songwritern und Produzenten dieses Planeten zu arbeiten und die eigenen Träume zu verwirklichen. In Österreich gibt es eine Band, die diesen Gedanken verwirklicht hat. Die Jungs von HUNGER haben im Gespräch mit The Red Bulletin erklärt, was bei einem Projekt dieser Größe wirklich entscheidend ist.

  • Mehr zum Projekt „HUNGER“ liest du auf redbull.com!

Hier sind 7 Dinge, die du als junge Band tun musst, um dich in der kalifornischen Musik-Metropole zu beweisen:

Lucas Fendrich
Lucas Fendrich

Frontman

1 Den Fokus richtig setzen 

„Viele Bands verhaspeln sich mit dem Gedanken, dass in den USA alles leichter und besser ist. Bullshit.“ Mit diesem Satz startet Frontman Lucas in das Gespräch und warnt vor einem Musiker-Tunnelblick, in dem der amerikanische Musikmarkt idealisiert wird. Es stimmt, dass es – speziell in Kalifornien – ein unfassbar riesiges Angebot für Musiker und Acts gibt, allerdings wird es auf keinen Fall leichter. Im Gegenteil: In Österreich musst du dich mit den österreichischen Bands messen, in L.A. misst du dich mit der ganzen Welt. Warum? Weil jeder dorthin will.

Kurz gesagt: Ja, es ist wichtig, den Sprung über den großen Teich zu wagen. Aber schreibt den heimischen Markt niemals ab, denn bei jedem Meeting mit Produzenten oder Managern wird man euch fragen, wie gut ihr in eurer Heimat ankommt.

HUNGER Band
Johannes Herbst
Johannes Herbst

Keyboard/Synths

Daniel Rumpel
Daniel Rumpel

Guitars

2 Rechtzeitig Schritte nach außen machen 

Es gibt nichts Wertvolleres, als die Offenheit für fremde Dinge. Während der Produktion müsst ihr eure musikalischen Fühler über die Landesgrenzen hinweg austrecken, um ein international konkurrenzfähiges Sound-Design zu bekommen. Das soll nicht heißen, dass die Produzenten in Österreich nicht gut genug sind, sondern, dass ein britischer oder amerikanischer Produzent einen ganz anderen Zugang zur Musik und im Endeffekt zu euren Demos hat. „Letztendlich kochen alle mit Wasser. Der größte Unterschied zwischen einem britischen und einem österreichischen Produzenten ist der Background.“, verrät Keyboarder/Gitarrist Johannes Herbst.

3 Do What You Love

Wenn du mit deiner Musik lediglich nach L.A. gehst, um reich zu werden, wirst du mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit unter der Brücke landen. Die Schlüsselwörter zum Erfolg lauten „Leidenschaft“ und „Spaß“. Du musst das lieben, was du tust. Im Prinzip ist es wie im Sport: Du brauchst ein unheimliches Commitment, um dir deine Träume tatsächlich erfüllen zu können. „Trotzdem musst du natürlich eine Vision haben“, sagt Gitarrist Daniel Rumpel. „Man muss groß denken, aber trotzdem kleine Schritte machen.“

Schau dir das Musikvideo zur Debütsingle „Gravity“ von HUNGER an.

© H U N G Ξ R // Youtube

4 Die Sache mit dem Talent

Es reicht absolut nicht, gute Songs und einen USB Stick mit den Demos als Präsentationsmaterial im Gepäck zu haben. Du brauchst einen richtigen Plan oder wie man in Firmen gerne sagt, ein „Konzept“. Was gehört da dazu?

  • Musik: Demos in semi-professioneller Qualität
  • Message: Was möchtest du den Leuten vermitteln?
  • Branding: Wie trittst du auf?
  • Referenzen: Wie bist du am Heimatmarkt positioniert?

Trotzdem warnt Gitarist Daniel Rumpel vor dem Gedanken, sich mit einem fertigen Konzept in Sicherheit zu wiegen: „… selbst wenn du das alles hast und super aufgestellt bist, gibt es keine Garantie für den Erfolg. Das Musik-Business ist schlichtweg nicht planbar.“

Auf die Frage, was das Schlimmste an diesem nicht-vorhersehbaren Musik-Business ist, antwortet die Band mit folgendem Zitat:

„The Music Business is a cruel and shallow money trench, a long plastic hallway where thieves and pimps run free, and good men die like dogs. There’s also a negative side.“
Hunter S. Thompson / amerikanischer Schriftsteller & Journalist

5 Bitch Better Have My Money

Die oft gestellte Frage „Wie viel Geld brauch ich für L.A.?“ ist schwer zu beantworten, aber eines ist sicher: Billig ist es nicht. Vom Flugticket bis zum Fotografen musst du versuchen, Deals auszuhandeln. Der Vorteil hier ist, das freischaffende Menschen oft sehr einsichtig sind, was Discounts und Freundschaftsdeals angeht. Dabei weist Gitarrist Daniel Rumpel auf einen Haken hin: „Ohne Freunde bekommst du keine Freundschaftsdeals. Da kämen wir zum nächsten Punkt …“

AMUSED.

A photo posted by H U N G Ξ R (@hungertheband) on

6 Ohne Internet geht’s nicht

So ein Projekt ist mit der Entwicklung des World Wide Web zu einer echten Research-Aufgabe geworden. Bands mit Kohle haben dafür Leute, die das erledigen, aber als Newcomer musst du das selbst machen. „Es geht darum, unzählige Emails an interessante und relevante Personen zu schicken und sie nach Feedback zu fragen. Da wird es zu Beginn jede Menge Absagen hageln, aber irgendwann beißt ein Fisch an und du knüpfst einen Kontakt“, erklärt Sänger Lucas Fendrich. Und das machst du dann solange, bist du eine ganze Excel-Tabelle gefüllt mit solchen „Fischen“ hast. Klingt langweilig, ist es auch. Aber aus diesem Kontaktpool wählst du später vielleicht sogar deine Partner für die Zusammenarbeit, also solltest du großen Wert darauf legen.

7 Feiert und begeistert euch selbst

Das ist ganz wichtig für den Spirit der Band und letztendlich auch für den emotionalen Erfolg des Projekts. Du musst von dem, was du da tust, restlos überzeugt sein und du solltest damit beginnen, die Menschen in deinem Umkreis dafür zu begeistern, damit diese positive Energie weitergetragen werden kann. Da geht es weniger um Mundpropaganda, sondern um die Tatsache, dass du dich selbst feierst und dich nicht in Demut übst, beziehungsweise deine Herkunft als Grund für den Misserfolg siehst. „Man muss nicht aus Amerika stammen, um ein Feuer zu starten. Man kann ein Feuer auch aus Österreich starten.“ (Johannes Herbst, Gitarrist)

Klicken zum Weiterlesen
07 2016 The Red Bulletin

Nächste Story