Charly Kleissner, der gute Börsianer

Gewinn mit Gewissen: Charly Kleissner, der gute Börsianer

Interview: Elisabeth Oberndorfer
Foto: Charly Kleissner

Charly Kleissner hat die Vision einer guten Börse, die Profit mit gesellschaftlichem Gewissen vereint. Dafür will er sogenannte „Impact Investments“ salonfähig machen.

Die Börse ist nicht böse. Das will Unternehmer Charly Kleissner mit „Impact Investing“ zeigen. Gemeint ist damit der Börsenhandel von nachhaltigen Unternehmen: „Diese bringen neben finanzieller Rendite auch positive ökologische und soziale Auswirkungen”, erklärt der Österreicher, der seit den 80er Jahren in Kalifornien lebt. Die Mission, die Kleissner mit seiner KL Felicitas Foundation verfolgt: Durchschnittsanleger für nachhaltiges Aktiengeschäft begeistern. 

Kleine Ideen für große Probleme: Böse Börse

"Sustainable Stock Exchange" soll nachhaltig den Ruf der Börse verbessern. The Red Bulletin Innovator, das Magazin für Menschen, die an die Zukunft glauben.

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THE RED BULLETIN INNOVATOR: Was verstehen Sie unter „Impact Investing“? 

CHARLY KLEISSNER: Impact Investments bringen nicht nur finanzielle Rendite, sondern auch nachweisbare positive ökologische und bzw. oder soziale Auswirkungen. Sind keine positiven Effekte messbar, kann man auch nicht von Impact Investments sprechen.

Natürlich hat jedes Investment positive und negative Auswirkungen. Impact-Investoren verlangen aber das Minimieren der negativen Effekte und das Maximieren der positiven Effekte. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Absicht des Investors, also welchen positiven Einfluss will er mit seinem Investment erreichen.

Impact Investments

Anleger beteiligen sich an sozial motivierten Unternehmen, die eine positive gesellschaftliche Wirkung erzielen wollen.

Das kann von der Aufbereitung von Schmutzwasser in Entwicklungsländern über den Bau von Schulen bis hin zur Integration hochbegabter Autisten in der IT-Branche gehen.

Wie kann das Interesse der Durchschnittsanleger für diese Impact-Finanzprodukte geweckt werden? 

Der Durchschnittsanleger mit einigen zehntausenden oder vielleicht 100.000 Euro interessiert sich noch nicht sehr für diese Art des Investierens, da für ihn noch relativ wenige Produkte auf dem Markt sind. Das enorme Wachstum der deutschen GLS Bank und ihres Impact-Angebots zeigt aber, dass das Interesse steigt. Der Durchschnittsanleger wird auch bald über Crowdfunding- und Crowdraising-Plattformen investieren können. 

Eines Ihrer Ziele ist es, den Markt des Impact Investments zu demokratisieren und Sie haben in diesem Bereich auch schon investiert. Wie treiben Sie das Thema konkret voran? 

Ich leite das Investment-Kommitee des amerikanischen Unternehmens Impact Assets, das kürzlich zwei Produkte auf den Markt gebracht hat, die für „normale“ Investoren zugänglich sind: Eine „Sustainable Agriculture Note“ und eine „Microfinancing Note(unterstützen Kleinbauern bzw. Einzelunternehmer in Mittel- und Südamerika, Anm.). Anleger können mit 25.000 US-Dollar in diese beiden innovativen Produkte investieren. Außerdem haben wir in die Sustainable Stock Exchange Initiative in London investiert, die Public Equity mit Impact für die breite Masse zugänglich macht.

Welche Auswirkungen wird Impact Investing haben? Kommen nachhaltige Unternehmen dadurch aus der Nische, um so gegen Großkonzerne wettbewerbsfähig zu sein? 

Erstens werden nachhaltige Unternehmen tatsächlich aus der Nische kommen, und zweitens werden nicht nachhaltige Unternehmen viel mehr Druck spüren, auch Nachhaltigkeit zu zeigen, was leider auch sehr negative Auswirkungen haben kann, wie zum Beispiel Volkswagens gefälschte CO2-Werte.

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01 2017 THE RED BULLETIN INNOVATOR

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