Neues Material zur Selbstheilung: Nie mehr gesprungene Displays

Das Wolverine-Display: Neues Material repariert Kratzer und Sprünge von selbst

Foto: Pixabay/Freetagger

Nie wieder Kratzer auf dem Smartphone, nie wieder gesprungene Bildschirme. Laut amerikanischen Wissenschaftlern könnte ein neuartiges Material diesen Traum wahr werden lassen.

Die unbeliebteste App, die niemand auf seinem Smartphone haben möchte? - Richtig, die „Spider App“!

Dass dieser scherzhafte Ausdruck für gesprungene Displays in unseren Sprachgebrauch eingegangen ist, verdeutlicht, wie viele von uns sich schon mit diesem Problem herumschlagen mussten. Da kaufst du dir ein sündteures neues Allzweck-Gadget, ein Hightech-Phone, dem du jeden Tag Stunden widmest. Und dann fällt es dir einmal runter und fortan nervt dich jeder Blick auf den Bildschirm. 

Findigen Forschern der University of California ist es allerdings zu verdanken, dass kaputte Bildschirme bald der Vergangenheit angehören dürften. Sie haben ein neuartiges Material kreiert, durch das sich Displays selbst heilen können.

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Der Stoff ist eine bislang einzigartige Kombination eines Polymers und einer ionischen Flüssigkeit. Nach einer Beschädigung werden Moleküle und Ionen durch einen elektrischen Impuls aktiviert, sich gegenseitig anzuziehen und wieder zu verbinden – Risse und Kratzer sind so nach 24 Stunden wieder Geschichte.

Materialien, die sich selbst heilen bzw. nach einer Beschädigung wieder ihre Ursprungsform annehmen, gibt es bereits. LG verwendet beispielsweise schon ein ähnliches für die Rückseite einiger seiner Smartphones, um kleine Kratzer zu beseitigen. Im Gegensatz dazu zeichnet sich der neue Stoff der kalifornischen Forscher aber vor allem durch seine Transparenz und Leitfähigkeit aus, die ihn zu einem geeigneten Bestandteil von Screens macht. Zudem ist er flexibel (bis zum 50-fachen seiner Originalgröße dehnbar) und günstig in der Herstellung. 

Das Material könnte aber auch in der Medizin eingesetzt werden, oder um etwa die Haltbarkeit von Lithium-Ionen-Akkus in Elektroautos zu steigern. 

„Ein Material mit diesen Eigenschaften zu schaffen, war lange Zeit ein großes Rätsel. Uns ist es gelungen und jetzt beginnen wir, die Anwendungsmöglichkeiten zu erforschen“, erklärt Chao Wang, einer der beteiligten Wissenschaftler, dessen Interesse an selbstheilenden Materialien aus seiner Vorliebe für Wolverine entstand.

A Wolverine-inspired material

A self-healing, transparent and stretchable material can power artificial muscles.

Ob wir Menschen uns einmal ebenso schnell von Verletzungen erholen werden wie der Comic-Held? Wangs Einschätzung zufolge sind die Errungenschaften seines Teams jedenfalls ein erster Schritt zu einer Vielzahl solcher intelligenter Stoffe.

„Selbstheilende Materialien mögen für alltägliche Anwendungen vielleicht wie ferne Zukunftsmusik klingen, aber ich denke, sie werden schon bald für Smartphones verwendet werden“, prophezeit er gegenüber Business Insider. „Innerhalb der nächsten drei Jahre werden viele selbstheilende Produkte auf den Markt kommen und unseren Alltag verändern. Sie werden unseren Smartphones dabei helfen, deutlich mehr Leistung zu erreichen, als heute.“ 

Bleibt zu hoffen, dass sich diese Prognose bewahrheitet. Bis dahin versuchen wir weiterhin, die „Spider App“ von unseren Geräten zu deinstallieren.

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