Blake Fuller fährt Rekord am Pikes Peak

Ist Tesla die Zukunft des Motorsports?

Text: Josh Rakic
Foto: Go Puck/Alastair Ritchie 

Ein Tesla bei Pikes Peak Hill Climb? Ein kleiner Schritt für elektrische Fahrzeuge – aber ein großer für die Zukunft des Motorsports.

Mit haarsträubender Power von 750 Pferdestärken ist Teslas neues PKW-Model S P90D definitiv ein straßentauglicher Rennwagen

Und Rennfahrer Blake Fuller bewies am 1. Juli, dass der emissionslose Viertürer absolut tauglich ist, seine Gegner auf der Rennstrecke zu schlagen, als er den Pikes Peak Hill Climb-Rekord für Serienelektrofahrzeuge um mehr als eine Minute unterbot. 

Noch nie zuvor hatte Tesla am härtesten Bergrennen der Welt teilgenommen: Es geht in 156 Kurven knapp 20 Kilometer den Berg hinauf, 1439 Meter Höhenunterschied werden dabei bewältigt, ehe die Fahrer den schneebedeckten, 4301 Meter hohen Gipfel erreichen. Und wer wäre besser dafür geeignet als Fuller, der zusammen mit seinem Team die Braille und GoPuck Batterien entwickelt hat – eine Lithium-Ionen Technologie die sich in jeder Motorsport-Kategorie von IndyCar bis F1 bewährt.

Blake – in dem sowohl ein begeisterter Mechaniker als auch Batterien-Freak steckt - half den ersten Hybrid-Rennwagen in Nordamerika zu bauen, daher war für ihn der nächste Schritt eigentlich vorprogrammiert: Mit einem Tesla in nur 11 Minuten und 48 Sekunden den Berg hinauf zu rasen.

© Youtube // The Fast Lane Car

In puncto Power – wie sehr unterscheidet sich der Wagen von einem Serien-Tesla Model S?

Nur zwei Monate vor dem Bergrennen war das Auto ein siebensitzer Model S mit einem Panoramadach in dem ich meine Familie auf einen Roadtrip durch die Redwoods in Kalifornien mitnahm. Die Spitzenleistung des Wagens liegt etwa bei 450 kW. Und diese Kraft braucht er, denn das Verkaufsmodell wiegt 2,4 Tonnen. Für das Rennen mussten wir immer noch 2,08 Tonnen den Berg hinauf bewegen – mit normalen Straßenreifen!

Hast du schon das volle Potential des Autos ausgeschöpft, oder geht es noch schneller?

Dieser Wagen kann noch viel schneller fahren! Mit der „Ludicrous“-Beschleunigung kann er laut Tesla über 750 Pferdestärken erreichen. Während dem Rennen erreichten wir nur 250-300 PS – genau richtig, um den Rekord zu brechen und die Fähigkeiten des Modells zu präsentieren. Im Tesla Model S steckt unglaublich viel Potential und vieles lässt sich noch weiterentwickeln. Es ist bereits alles Grundlegende eingebaut, das die maximale Sicherheit von Fahrern unter unterschiedlichsten Straßenbedingungen garantiert. Also ja – es ist viel mehr möglich, aber in diesem Rennen war es einfach nicht notwendig, in den „Ludicrous“-Modus zu wechseln.

Fuller mit seinem Rekord-Tesla

©  Go Puck/Alastair Ritchie 

Wieso hast du nicht die ganze Kraft eingesetzt, die zur Verfügung stand?

Wir kennen das Potential durch verschiedenste Test, aber der Zweck des Rennens war es, zu zeigen, was man mit einem straßentauglichen Auto aus der Massenproduktion alles erreichen kann. Ich weiß, wir waren sehr schnell unterwegs, aber ich bin wirklich nur so gefahren, dass da noch eine Kraft-Reserve da war – um sicherzugehen, dass beim ersten Auftritt des Tesla Rennwagens und dem GoPuck Team auch alles erfolgreich abläuft und ich nicht anschließend irgendwo am Straßenrand sitze und aufs nächste Jahr warten muss. Aber da ist genug Raum, um noch mehr zu tun, und mit dem Know-how unseres Teams in Sachen Batterien ist das ganz schön aufregend!

Beim Tesla gibt es keinen Auspuff und er fährt sozusagen mit nur einem Gang. Wie ist das Fahrgefühl im Vergleich zu einem normalen Auto? 

Am Tag des Rennens gibt es nur eine Chance den Rekord zu brechen, nur diesen einen Versuch. Und beim Pikes Peak Hill Climb gibt es 156 Kurven zu bewältigen – harte Arbeit in jedem Auto. Aber mit einem Elektroauto? Das verändert deinen Fahrstil maßgeblich und auch deine Wahrnehmung von Geschwindigkeit, denn es gibt kein Motorgeräusch, das dir ein Gefühl dafür gibt, wie schnell der Wagen eigentlich an Geschwindigkeit zulegt. Außerdem ist der Tesla so effektiv isoliert, dass sich 160 km/h einfach nicht wie 160 anfühlen. Ich bin schon so ziemlich alles gefahren, aber das war, als würde ich mein System und meine Sinne als Rennfahrer wie einen Computer komplett neu aufsetzen.

© Youtube // Toyo Tires

Wie wurde Tesla miteinbezogen?

Unsere Bemühungen waren beim Unternehmen kein Geheimnis. Ich bin ein nach Adrenalin suchender Unternehmer der es liebt, Rennen zu fahren. Die Tatsache, dass das mit Tesla vor mir noch nie jemand getan hatte und das Rennen seinen 100. Geburtstag feierte – zu welchem ich als einer von 100 Gästen eingeladen wurde – spornte mich dazu an. Wir dachten uns, wenn jemand Tesla zum Pikes Peak Hill Climb bringt, dann sind das wir. Ich hatte zuvor Batterien entwickelt, die im Tesla P85D und 90 verwendet werden sollten, weswegen ich genau wusste, wie Tesla Fahrwerke und ihre Batterien aufgebaut sind. Außerdem bin ich sowieso immer schon ein Batterien-Freak gewesen und habe auch die Pikes Peak Challenge schon einmal gewonnen [in der Open Class 2002, dort sind Veränderungen an Serienwagen erlaubt]. Noch nie hatte jemand einen Tesla Rennwagen gebaut, es klang also nach Spaß! Und von Tesla ist das bisher sehr positiv aufgenommen worden. 

Sind Tesla und Autos wie das Model S die Zukunft des serienmäßigen Motorsports?

Es ist eine nie zu Ende gehende Diskussion um die richtige Balance zwischen Motorsport als Entertainment-Faktor und den vielen Umsatz-Vorschriften, der Politik und den wirtschaftlichen- und umweltbezogenen Vorteilen von Elektro-Fahrzeugen zu erreichen. Ich glaube nicht, dass Teslas bald im gängigen Motorsport zu sehen sind, selbst wenn es erlaubt wäre, allein schon wegen ihres Verkaufskonzepts. Deshalb sind Rennen wie Pikes Peak so attraktiv für uns, da sie genauso viele Regeln haben wie Leitplanken.

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08 2016 The Red Bulletin Innovator

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