Jon Rose surft um die Welt und bringt Menschen sauberes Wasser - Waves for Water

Surfend zu sauberem Trinkwasser: Wie Ex-Profi Jon Rose die Welt verbessert

Foto: Robbie Stauder/Red Bull Content Pool

13 Jahre lang war Jon Rose Profisurfer. Heute fröhnt er immer noch seiner Leienschaft auf dem Board, verteilt nebenbei Wasserfilter und verbessert damit das Leben von Millionen Menschen.

Jahrelang durchquerte Jon Rose als Profisurfer die Welt auf der Suche nach perfekten Wellen. Seine Abenteuer führten ihn in einige der atemberaubendsten und entlegensten Winkel der Welt. Doch nach seiner aktiven Karriere sollte Wasser eine ganz andere, wenngleich nicht weniger bedeutende Rolle in seinem Leben einnehmen. Heute bereist er immer noch die Erde, er surft immer noch und ganz nebenbei hilft er Millionen Menschen.

„Das war nicht als Job geplant, nur als Projekt, um einigen Regionen der Welt unter die Arme zu greifen, in denen wir gerne gesurft sind“, sagt Rose über „Waves for Water“. Die Hilfsorganisation hat sich der Mission verschrieben, auf der ganzen Welt Menschen in Not mit sauberem Wasser zu versorgen. Die Grundidee: Reisende nehmen Wasserfilter mit zu ihren Destinationen und bilden so ein Do-It-Yourself-Distributionsnetzwerk. „Wir nennen das ‚Guerrilla Humanität‘“, erklärt er. Eine Naturkatastrophe im September 2009, die Rose hautnah miterlebte, sollte aus diesem Projekt aber mehr machen. 

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„Ich war auf einem Surftrip und gerade an Bord eines Schiffes vor der Küste Sumatras, als ich ein leichtes Rütteln spürte. Damals konnte ich das nicht wissen, aber gleichzeitig zerstörte ein Erdbeben der Stärke 7,6 die nahegelegene Stadt Padang“, erinnert er sich.

Er hatte zehn Wasserfilter dabei, die er nach Bali bringen wollte - der erste „Waves for Water“-Trip. So aber brachte Rose die Filter direkt nach Padang, wo ihn eine völlig zerstörte Stadt erwartete. Ein einschneidendes Erlebnis in Roses Leben und „der eigentliche Start von ‚Waves for Water‘.“ Rose erkannte, dass er größer denken musste.

Waves for Water - Der Film

Die Dokumentation über Jon Rose und sein Projekt. On Demand auf Red Bull TV.

„Wir alle haben die Fähigkeit, unseren Beitrag zu leisten, wenn wir das beeinflussen, was direkt vor uns passiert. Und davon ausgehend können wir uns steigern. Ich kann zehn Wasserfilter in meinen Rucksack packen und damit vielleicht tausende Leben verbessern. Aber wenn ich andere Menschen gewinnen kann, wenn Unternehmen, private Spender und Sponsoren einsteigen, dann wird sich das Ergebnis drastisch steigern“, sagt er.

„Waves for Water“ wuchs zu einer globalen Hilfsorganisation an, die „etwas von einer Spezialeinheit für dringende Unterstützung hat. Nicht immer nur in direktem Bezug zu einer Katastrophe, wie einem Erdbeben, sondern auch an Orten, an denen tagein tagaus katastrophale Bedingungen herrschen“, wie Rose es ausrückt. Mittlerweile half das Programm über sieben Millionen Menschen in 27 Ländern. 

„Meinen Teil beizutragen, ist immer noch das Wichtigste für mich. Und nicht zu versuchen, alle Probleme zu lösen oder jeden zu ‚retten’.“
Jon Rose

Dabei sah sich Rose nie als guter Samariter. „Ich denke, es gibt geborene Helfer da draußen auf der Welt, aber das ist ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung. Als ich aufwuchs, war ich auch keiner von ihnen. Aber ganz plötzlich hat es Klick gemacht“, erzählt er und verrät, die beiden Faktoren, die sein soziales Engagement entfachten: Das Surfen und sein Vater.

„Mein Dad arbeitete in Afrika und fokussierte sich auf einfache Wege, Regenwasser aufzufangen und Menschen beizubringen, wie sie das selbst machen können, damit sie nicht fünf Kilometer zum nächsten Teich laufen müssen. Etwa sechs Jahre später, als ich über einen Übergang von meiner Surfkarriere zum Leben danach grübelte, dachte ich, ich könnte doch auch so etwas machen. Ich hatte den Bedarf dafür an vielen der Plätze gesehen, an denen ich gesurft bin.“

© Youtube // Red Bull Amaphiko

Im einem solchen Engagement sah er den perfekten Schaffensbereich, um seine Leidenschaft weiter zu verfolgen und ihr zusätzlich einen Sinn zu verleihen: „‘Waves for Water‘ entstand aus der Erkenntnis, dass ich an all diese Plätze gehen und ihnen etwas zurückgeben kann. Ich sah, dass ich mein restliches Leben lang beschäftigt sein werde, wenn ich nur die Liste meiner Surfspots abarbeite. Das klang nach einem guten, simplen Plan.“

Die Kombination aus Angenehmem und Hilfsbereitem spiegelt sich auch im Mantra von Waves for Water wider: „Mach, was du liebst, und hilf auf dem Weg.“ Rose ist sich sicher, dass die breite Masse der Menschen einem solchen Ansatz mehr abgewinnen kann und sich so eher zu sozialem Engagement hinreißen lässt, als durch das verpflichtende Gefühl, etwas Gutes tun zu müssen.

"Waves For Water"-Gründer Jon Rose im Interview

Lies das ausführliche Gespräch mit dem Social Entrepreneur auf Red Bull Amaphiko.

Viele seiner Erkenntnisse hat Rose dem Surfen zu verdanken. Es war für ihn ein perfektes Training, um sich Anpassungsfähigkeit, Einfallsreichtum und Geduld im Umgang mit verschiedenen Kulturen anzueignen. Die größten Erkenntnisse zog er aber nicht aus den schönen Seiten seines Lebens.

„Ich denke, die einzigen Dinge, an denen wir wirklich wachsen, sind die harten Dinge. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht an die einfachen Zeiten in meinem Leben erinnern, aber ich kann dir jede schwierige Phase aufzählen, bis ins Detail. Es sind also diese Zeiten und Erfahrungen, die mich immer angetrieben haben, Veränderungen herbeizuführen, die ich gebraucht habe, um größer oder ‚Outside the Box‘ zu denken“, erklärt er.

„Der Ratschlag, den ich meinem jüngeren Ich geben würde ist daher: ‚Such dir die schwierigen Möglichkeiten aus und dann tauch in sie ein. Das ist die Quelle für fast jede Entwicklung.‘“

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